2006-07-14-15 AT – Spital/Semmering

Immer wenn das KALTENBACH OPEN AIR naht, bedeutet das für die österreichische Metalszene die Vorbereitung auf den kollektiven Ausnahmezustand, die ultimative Katharsis, den definitiven Adrenalinschub, die Finsternis der Apokalypse, das Licht der Erkenntnis, die Mobilisierung aller Reserven, das Aussetzen jeglicher Prinzipien, einfach also die Alltagsflucht des Jahres. Wenn das ganze dann noch mit einer so geilen musikalischen Besetzung wie heuer unterfüttert ist, dann spürt sogar die coolste Sau der Welt sowas wie ein positiv aufgeregtes Wurln in der Magengegend. Heuer war es also zum vierten Mal so weit, und die Anzahl derer, die schon einen oder mehrere Tage vor Festivalbeginn anreisen, scheint mit jedem Jahr zu wachsen. Als meine Freundin und ich - Gunnar - am Freitag gegen 11:00 am Vormittag ankamen, hatten wir jedenfalls bereits ziemliches Glück, noch einen guten Zeltplatz zu erwischen. Rundherum hatte das allgemeine Fest jedenfalls offensichtlich schon lang begonnen.

Sodom - Carpathian Forest - Unleashed - Dismember - Lord Belial - Hatesphere - Ensiferum - God Dethroned - Moonsorrow - Koldbrann - Disastrous Murmur - Skyforger - Wasteform - Severe Torture - Davidian - Darkside - Scornage - Asmodeus - Hellsaw - Outrage - Tesstimony - Casket Garden - Scarecrow - Parental Advisory - Inzest - Devanic - Plenty Suffering - Empyre - Dismal Lumentis - Legions Descend - Dark Deception - Morbid Breed - Molokh - Lunacy - Midgard Upgraded - Convergence - Dusk Ritual

:: Fotos :: Janine :: Gunnar ::

Freitag 14. Juli

Auch die Auftritte ersten beiden Bands, nämlich DUSK RITUAL und MIDGARD UPGRADED, waren bereits Geschichte, als wir eintrafen. Also schnell das Zelt aufgebaut und eingeräumt sowie ein Schnitzel runtergewürgt, und die dritte Band LUNACY hab ich währenddessen wenigstens akustisch so einigermaßen mitgekriegt. Ihr melodischer Death Metal hatte zwar noch keine Massen an Publikum, aber die, die da waren, haben immerhin Applaus gespendet, der vernehmbar war.

Die Wiener Todesmetaller MOLOKH waren dann die ersten, die ich auch gesehen hab, und der Auftakt hätte heftiger nicht sein können. Alex & Co lieferten eine halbe Stunde lang derbstes Gegrunze und Geknüppel vom Feinsten, das sich mehr Publikum als die paar zig Nasen verdient gehabt hätte, die das Massaker anständig beklatschten und bejohlten.

Gut aufgenommen wurden anschließend auch die Black/Deather DARK DECEPTION, die mich eigentlich noch nie enttäuscht haben. Mit einer CD wie Spititual War in der Hinterhand ist das aber auch nicht leicht möglich. Es war das dritte Mal, dass ich die Band in diesem Jahr gesehen habe und zum dritten Mal gab es am Ende Zugabeforderungen, die aber aufgrund der knappen Zeitvorgaben nicht erfüllt werden konnten. Bei DARK DECEPTION machte sich für mich allerdings auch zum ersten Mal bemerkbar, was sich leider wie ein roter Faden durch das heurige KOA zog, nämlich der Sound, der im Gegensatz zu früheren Kaltenbach-Festivals diesmal bei vielen der „kleineren“ Bands alles andere als toll war. Immerhin aber waren die geilen schwarzmetallischen Gitarrenriffs, die zwischen den Todesgrooves platziert sind, hier noch einigermaßen vernehmbar.

Bei MORBID BREED aus Forchdorf/Oberösterreich, die in Kaltenbach ihr 5-jähriges Bandjubiläum begossen, wurde es soundmäßig leider auch nicht besser, sodass die „Oldschool-Kurzhaar-Death Metal – Abteilung“ (Eigenbezeichnung) phasenweise viel zu basslastig rüberkam. Man muss allerdings sagen, dass sie mit ihrem eher stumpfen, aber sehr wirksamen Midtempo – Death Metal trotzdem äußerst gut ankamen und mit Ansagen wie „Das ist unsere Anti-Hippie-Nummer No Romance - No Flowers – No Mercy“ auch für gute Unterhaltung sorgten. Sänger Andi erinnerte mit seinem Gebaren auf der Bühne immer wieder leicht an Napalm Death’s Barney Greenway, während man musikalisch eher an Grave oder auch Master dran ist. Insgesamt halt einfach das, was der Titel ihrer besten Nummer aussagt: No Compromise.

PLENTY SUFFERING waren dann an der Reihe, ihre neue CD Sou.net live zu bewerben, und da wurde es nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne voller. Eine sympathische Band mit natürlichen, lockeren Ansagen ohne irgendein aufgesetztes Gehabe sind sie, und stilistisch nicht so recht einzuordnen. Von melodischen, atmosphärisch-keyboardlastigen „Fast-schon-Black“ Metal - Passagen bis zu groovigem Death/Thrash (wobei letzteres allerdings schon deutlich dominiert) ist bei der Band alles möglich und das kam auch in Kaltenbach deutlich heraus. Die hätten sich meiner Meinung nach eine spätere Startzeit verdient.

Death/Thrash mit melodisch/schwedischer Schlagseite servierten unter sich zunehmend verdüsterndem Himmel auch DEVANIC, wenn auch in einer etwas härteren Variante. Stücke wie Reborn Again, Strike Back, Focus oder die neue Nummer Play The Game brachten doch mehrere Anwesende zum Bangen und lockten auch sonst immer mehr Leute in die Nähe der Bühne. Eigentlich wäre das Festival also jetzt einigermaßen in Fahrt gewesen, wenn nicht…

…Regen eingesetzt hätte, der bald stärker wurde und die meisten Leute zu regengeschützten Tischen und Bänken oder gar zu ihren Zelten bzw. Autos trieb. Die Leidtragenden waren die steirischen Power-Melodic-Death-Metaller SCARECROW N.W.A., die aber nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit dem immer schwächer werdenden Sound gestraft waren. Die Gitarren waren zeitweise kaum vernehmbar, was die Dominanz des Keyboards noch stärker in den Vordergrund rückte. Dem charismatischen und sehr abwechslungsreich singenden Frontmann Bernd gelang es dennoch, einige Leute zum Mitmachen zu bewegen, was auch durch den vorübergehend nachlassenden Regen begünstigt wurde.

Wetter- und soundmäßig (aber nicht musikalisch!!) erreichte das KOA 2006 anschließend bei HELLSAW den Tiefpunkt. Im Minutentakt protestierten Fans beim Soundmenschen, er möge doch ein Einsehen haben und uns ein bisschen Gitarre hören lassen, der Bursche war aber anscheinend der Meinung, es würde schon so passen, wie es war. Wenigstens ließ der Regen wieder nach und es strömten viele sofort wieder zur Bühne. Geniale Black Metal – Hymnen wie Endless kamen dank des erbärmlichen Sounds überhaupt nicht zur Geltung und klangen wie ausgedehnte, eintönige Bass-Solos. Dass HELLSAW trotzdem bejubelt wurden, liegt wohl daran, dass viele österreichische Schwarzmetaller wissen, wie gut die Band bei annähernd brauchbarem Sound geklungen hätte. Echt schade, dass Aries & Co. damit ohne jedes Eigenverschulden um einen tollen Auftritt gebracht wurden.

Danach galt es den Ausfall von TESSTIMONY zu beklagen und sich über die Ankündigung zu freuen, dass die nächsten Bands dafür länger spielen würden. Letztlich aber führte der Ausfall eigentlich nur zu einem ewig langen Soundcheck von DARKSIDE und nicht zu wesentlich verlängerten Auftritten. Nach dem Gitarrist Tommy Pippersteiner und Sänger Wolfgang „Wolf“ Süssenbeck im vorigen Jahr mit Österreichs Vorzeige-Thrash-Band Demolition einen genialen Auftritt hingelegt hatten, war diesmal also ihr anderes Putzi DARKSIDE an der Reihe, über den Semmering herzufallen. Erfreulicherweise war wenigstens jetzt der Sound recht ordentlich, sodass die professionelle Darbietung nicht nur ein optischer Genuss war. Allerdings habe ich leider den Anfang verpasst und als ich wiederkam, war gerade ein atmosphärisches Stück des 97er Zweitwerks Shadowfields an der Reihe, bei dem sich Wolf am Keyboard betätigte. Als Frontviech kommt er allerdings doch eindeutig mächtiger, ebenso wie z.B. die Nummer Pillars Of ’Err von der aktuellen Scheibe Amber: Skeletal Journeys Through The Void. Bassistenglatze Peter unterhielt die Audienz mit Grimassen, die teilweise fast schon an Annihilators Jeff Waters erinnerten. Abschließend rollte das episch-melodische Titelstück der 98er CD Evolution über die Allgemeinheit hinweg, bevor Wolf mit der abschließenden Feststellung „Wir waren DARKSIDE – ihr wart’s Kaltenbach“ den Eindruck erweckte, als stünde die kollektive Auflösung von Band und Publikum unmittelbar bevor.

Oj, SEVERE TORTURE. Ich weiß nicht, was die Leute an denen finden. Ja, sie sind brutal, sie sind technisch gut, gar keine Frage. Aber irgendwie für meine Begriffe doch eher sowas wie Cannibal Copse für Arme. Viele Leute sehen das aber offensichtlich ganz anders, und so war es auch in Kaltenbach wieder einmal recht lebhaft vor der Bühne, als sich die erste internationale Band erbarmungslos durch ihre 40 Minuten prügelte. Ich kann nicht sagen, was sie gespielt haben, da ich den Auftritt mehr zum Entspannen, Fressen und eher unaufmerksamen Zuhören genützt hab. Die Holländer waren für mich so ziemlich das langweiligste am gesamten Festival.

Dann aber waren SKYFORGER an der Reihe, mein vermeintlicher Höhepunkt des Tages. Anscheinend war ich nicht der einzige mit dieser Erwartung, war es doch plötzlich wirklich bummvoll vor der Bühne. Von Beginn an waren zahllose Fäuste in der Luft, und wäre irgendjemand der lettischen Sprache mächtig gewesen, dann wäre wohl jedes einzelne Stück lauthals mitgesungen worden. Irgendwie grölten aber eh trotz Sprachbarriere alle mit, als die mittelalterlich gewandete Band ihre eingängigen Folk Metal – Stücke präsentierte. Mittelpunkt der Show war wie üblich Kaspars Bärbals, der auf diversen Instrumenten wie Dudelsack, Flöte und Kokle (lettische Harfe) für die charakteristischen Elemente sorgte. Der Sound war jetzt leider wieder äußerst grenzwertig, zuerst waren die Folkinstrumente kaum vernehmbar, und als man die dann doch einigermaßen mitbekam, waren die Gitarren wiederum zur klanglichen Randerscheinung degradiert. Trotzdem wurden Hymnen wie Uz Ziemelkrastu (To The Northern Shores) überschwänglich gefeiert. Schließlich fiel dann ausgerechnet bei einem der geilsten Stücke, nämlich Kad Usins Jaj (When Usins Rides) vom 2003er Erfolgsalbum Perkonkalve (Thunderforge) der Strom aus. Frontmann Peter verstand es wie immer, bei den Ansagen die geschichtlichen Zusammenhänge der einzelnen Stücke auf den Punkt zu bringen, ohne in irgendein langes und ödes Geschwafel zu verfallen. Schlussendlich war man aber leider trotzdem gezwungen, die letzten 2 Stücke zu streichen, sehr zum Verdruss des Publikums, das energisch nach einer Fortsetzung verlangte. Leider nützte das aber nicht das geringste, da man mit dem Zeitplan schon leicht im Verzug war – ein Umstand, der ja eigentlich nicht unbedingt sein hätte müssen, wenn man den Ausfall von TESSTIMONY bedenkt. Ich meine, es ist schon okay, dass DARKSIDE einen längeren Soundcheck bekamen, nachdem der Sound bei den Bands davor ja alles andere als toll war, aber man kann alles übertreiben.

Schwamm drüber, denn jetzt war es Zeit für Kriegsbemalung und wahrhaftiges norwegisches Schwarzmetall aus dem Hause KOLDBRANN. Die Stimmung war hier zwar deutlich verhaltener als bei SKYFORGER, die Zielgruppe aber war zweifellos vorhanden und forderte von Beginn an Chaos Manifest, das schließlich etwa bei Halbzeit auch gespielt wurde. Weitere Höhepunkte waren das begeistert aufgenommene Inkvisitor Renegat und der Titeltrack der aktuellen Scheibe Moribund. Zum Abschied schmetterten die grimmigen Norsker noch das beste Stück, nämlich den Moribund-Rausschmeißer Bestial Swarm ins Volk und machten sich dann kommentarlos davon, wie es sich für Bösewichte gehört.

Hatte es also bisher trotz größtenteils guter bis sehr guter Auftritte auch den einen oder anderen (eben v.a. soundmäßigen) Kritikpunkt gegeben, so war der Rest des ersten Tages schlicht und ergreifend schwer genial. Was ohnehin stark anzunehmen gewesen war, hatte wohl spätestens bei SKYFORGER jeder ahnen können, und jetzt bestätigte es sich: ENSIFERUM waren publikumsmäßig wohl der absolute Gewinner nicht nur des ersten Tages. Hero In A Dream und Guardians Of Fate brachten die Meute in volle Fahrt (das ganze jetzt bei einwandfreiem Sound) und die Finnen steckten mit ihrer Spielfreude offensichtlich auch einige an, die nicht zu ihren Vollblutfans zählen. Tale Of Revenge ist ja auch schon sowas wie ein Live-Hit und hielt die Stimmung weiter am Kochen. Auf der Bühne herrschte ständige Bewegung und erfreulicherweise verzichtete Petri Lindroos auch diesmal auf den Scheiss-Hut, den er bei seinen ersten Auftritten mit den Folk-Metallern getragen hatte. Auch Meiju Enho am Keyboard feuerte das Publikum in jeder spielfreien Sekunde zum Mitmachen an, was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Es herrschte sowieso pure Energie, da die Viking/Folk – Metal Fraktion offenbar die Mehrheit des Publikums ausmachte. Iron kam mit voller Wucht, nur schade, dass das brachiale Slayer Of Light nicht gespielt wurde, das hätte dem ganzen aus meiner Sicht die Krone aufgesetzt. Am Ende wurden die Überhits Lai Lai Hei, Token Of Time und der obligatorische Battle Song ausgepackt, und dann hatten die Babygesichter die Festung Kaltenbach in beeindruckender Art und Weise eingenommen.

Ein schnelles Bier in der Umbaupause, und dann stand schon der nächste Hochkaräter auf der Bühne. Bei HATESPHERE waren die Reihen zwar nicht ganz so dicht gedrängt, trotzdem ging es im Publikum mindestens genau so heftig zur Sache wie bei ENSIFERUM. Jacob Bredahl rannte herum wie aufgezogen (worin ihm die anderen kaum nachstanden) und schrie 50 Minuten lang, was die Lungen hergaben. Die Gitarristen Heinz und Pepe posten zudem noch wie die Weltmeister. Moshpit? Na selbstverständlich! Die Security hatte alle Hände voll zu tun, die Absperrung zum Fotograben aufrecht zu erhalten. Gespielt wurden u.a. The White Fever, Murderous Intent, Sickness Within und (zum Abschluss) The Coming Of Chaos sowie die Klassiker Bloodsoil und Believer. Beide Daumen hoch, HATESPHERE waren ebenso geil wie ENSIFERUM (wenn auch auf andere Art). Die Frage, die nachher von ein paar Leuten am Bierstand erörtert wurde, on das denn jetzt Metalcore oder Thrash war, kann ich hingegen auch nicht beantworten….

Obwohl DISMEMBER in den letzten Jahren regelmäßig in Österreich gespielt haben, war doch auch diesmal wieder die Vorfreude spürbar. Von einigen wusste ich, dass DISMEMBER der Hauptgrund für ihre Anwesenheit war. Ohne jegliches Intro und auch ohne Hintergrundmusik kam die Band in völliger Stille auf die Bühne marschiert, Matti verkündete kurz „Time To Play!“, und völlig ungerührt wurde der erste Hassbatzen rücksichtslos in die Menge geschleudert (irgendwas vom aktuellen Album The God That Never Was), was sogleich zu wildem Bangen und Moshen führte. Beinahe jedes Mal, wenn ich die Kerle sehe, bedient wieder irgendwer neuer den Bass und die zweite Gitarre, diesmal also Tobias Christianson und Martin Persson, die allerdings wirkten, als hätten sie immer schon dazugehört. Die alten Heuler Casket Garden und Skin Her Alive wurden gleich nachgeschoben, um alles im roten Bereich zu halten. Von der neuen Scheibe kamen noch Feel The Darkness und Autopsy zum Zug, während der Where Ironcrosses Grow – Knaller Tragedy Of The Faithful passender Weise als „our Tribute to Iron Maiden“ angekündigt wurde. David Blomquist demonstrierte auch mit Mercyful Fate – Leiberl seine Verbundenheit zur alten Schule. Noch besser war die Stimmung natürlich bei den Klassikern Reborn In Blasphemy, Pieces, und einem meiner Lieblingsstücke, nämlich Of Fire. Als dann als vermeintlich letztes Stück das vielfach geforderte Dreaming In Red ertönte, waren überhaupt fast alle endgültig beglückt – nur ich nicht, ich mag die Nummer nämlich nicht und hätte eigentlich auf was anderes zum Abschluss gehofft. Doch als einige bereits in der Dunkelheit auf dem Weg zum Bierstand waren, vernahm man plötzlich von der Bühne her „So you want one more? Okay, Mr. Blomquist, you may begin“, und da kam endlich Override Of The Overture, das für meine Begriffe bis heute beste Stück der Band. Wie DISMEMBER diesen Auftritt noch übertreffen wollen, würde mich stark interessieren.

Eigentlich war es ja nur das journalistische Pflichtbewusstsein und weniger das Interesse an der Band, das mich zwang, mich nicht schon vor der Hauptband des ersten Tages, CARPATHIAN FOREST zur Zeltruhe zu begeben. Doch es sollte alles ganz anders kommen… Zunächst aber betätigte sich Herr Nattefrost im Backstagebereich noch ein bisserl als Axl Rose des Black Metal, attackierte die eigenen Bandmitglieder und pöbelte einige Festivalmitarbeiter an, was aber nach Auskunft von Bassist Vrangsinn „völlig normal“ vor Auftritten ist.

Norwegische Fahnen mit Bandlogo zierten die Bühnenverstärker, als die Freakshow schließlich Clown für Clown auf die Bretter marschiert kam, zu guter letzt Nattefrost persönlich mit Doppler (österreichisch für „Doppelliterflasche Wein“) in der Hand. Und der Chef flog gleich innerhalb der ersten 30 Sekunden 2 mal über den Mikrofonständer und legte sich auf den Rücken, was aber wohl nicht der Grund für sein abartiges G’schau gewesen sein wird. Nicht nur Nattefrost, auch die Herren Vrangsinn, Tchort und Blood Perverter sind jeder eine Show für sich, auch wenn sich der Bassist diesmal leider weder im Weihnachtsmann-Mantel, noch mit Tanga und Plastiktitten präsentierte. Die Stücke (u.a. Skiend Hans Lik, Knokkelmann, Sadomasochistic, Morbid Fascination Of Death, Carpathian Forest und vermutlich auch irgendwas vom neuen Album Fuck You All) wurden weitgehend tight präsentiert, während die Stimme des Font-Giftzwergs ziemlich im Allerwertesten war. Aber das schien den meisten Anwesenden eher egal zu sein, die fraßen den Norwegern aus der Hand oder hatten aus anderen Gründen ihren Spaß. Irgendwie habe ich CARPATHIAN FOREST erst an diesem Abend lieben gelernt. Bis dahin waren sie mir live eigentlich immer eher auf die Nerven gegangen. Aber in Kaltenbach habe ich erkannt, was sie sind, nämlich der ultimativ kranke Rock n Roll – Zombiezirkus, der Saal der tapferen Patienten von Walter Moers, die Spottkarikaturen des Todes, die Sex Pistols des Black Metal, der Tanzgroove der Leichenhalle, die einzig wahren Venom des neuen Jahrtausends! Großartig! Und ich Depp hätte das fast verpasst!

Samstag 15. Juli

Zum Glück hatte ich es am ersten Tag geschafft, mich einigermaßen nüchtern zu halten, waren doch am Samstag schon als zweite Band DISMAL LUMENTIS an der Reihe, bei denen ich vor 3 Jahren als Bassist ausgestiegen bin und die mich eingeladen hatten, in Kaltenbach eine alte Nummer zusammen zu spielen. Man möge mir daher verzeihen, dass ich bei CONVERGENCE nicht allzu sehr bei der Sache war und nur berichten kann, das sie ziemlich sympathisch rüberkamen und für ihren abwechslungsreichen Dark Metal von den 20 Personen vor der Bühne und den etwa 50 weiteren, die zu dieser nachtschlafenden Zeit schon am Festivalgelände herumstreunten, anständig beklatscht wurden.

Als DISMAL LUMENTIS loslegten, waren schon ein paar Nasen dazugekommen, man merkte aber beim ersten Stück Relativ Mensch, dass der Bühnensound (und im übrigen nicht nur der Bühnensound) im Arsch war, und so musste die Nummer auch bei der Hälfte abgebrochen werden, um soundmäßig nochmal zu richten, was noch zu richten war. Dadurch ging natürlich Zeit verloren, aber da es sich bei DISMAL LUMENTIS nicht gerade um 3-Akkord-Punk handelt, war das leider unumgänglich. Sinneswandel und Kraftlose Kraft klangen dann auch besser, aber leider musste Gedanken zur Gedankenlosigkeit aufgrund der Verzögerung gestrichen werden. Thoughts mit dem Nocturnal Hall – Schreiberling G. am Bass beendete schließlich einen etwas chaotischen Auftritt, der allgemein mit Worten wie „die Stücke machen ja einiges her, aber das war nicht der glücklichste Auftritt“ kommentiert wurde. Dem ist nichts hinzuzufügen. War aber schön, auch mal die Kaltenbach-Bühne bespielt haben zu dürfen, auf diesem Weg nochmal danke an alle DISMALigen.

Danach fielen PROFOUND aus, dafür wurde der am Vortag entfallene Gig von TESSTIMONY nachgeholt, den ich aber komplett verpasst habe, da es noch schnell mit den ehemaligen Bandkollegen ein Bierli zu zwitschern galt.

LEGIONS DESCEND mit ihrem teilweise ziemlich schwarzmetall-lastigen Death/Thrash Metal hatten danach auch so ihre Probleme mit dem Bühnensound, was vor allem dem Schlagzeuger zeitweise anzuhören war. Trotzdem konnte man heraushören, dass es sich eigentlich um eine ziemlich fähige Truppe mit tollen Riffs und guten Musikern handelt, und sie waren ja weder die ersten noch die letzten, die das besagte Problem hatten.

Eugen M. Pagany, auf allen Hochzeiten tanzender Gitarrist (zeitweise auch Bassist) der österreichischen Metalszene, hatte diesmal mit den Black/Deathern EMPYRE eines seiner Hauptprojekte nach Kaltenbach gekarrt und legte mit seiner Partie einen amtlichen Auftritt hin. An der zweiten Gitarre half, wie schon oft, Denis Dincer, Frontmann von DISMAL LUMENTIS, aus. Mittlerweile waren doch schon relativ viele Leute am Gelände und applaudierten (und bangten zum Teil auch schon) zu technisch versiert aus den Boxen donnernden Stücken wie Alpha vs. Omega, Dissecting The Devil (bei dem sich Eugen ordentlich an seinem Instrument austobte) oder dem sehr todesbleiernen Rearrangement Of Dearrangement. Zu vermeintlicher Letzt wurde eine gepfefferte Version der „Uralt“-Nummer Into The Pitch Black serviert. Erfreulicher Weise reichte die Zeit aber noch für ein weiteres Stück, und das war die etatmäßge Coverversion Blinded By Fear von At The Gates, bei dem sich Eugen und Front-Kreischgrunzer Andi wie üblich den Gesang teilten. Leider war am Schluss der Sound wieder Mal nicht ganz so toll. Der Auftritt insgesamt hingegen schon.

Dann waren die Death/Grindcoreler INZEST an der Reihe, deren Sänger gleich einmal die entscheidende Frage stellte: „Hobt’s es a so Schädlweh wia i?“ Damit traf er, wie sich anhand der Reaktionen zeigte, durchaus den markanten Punkt. Im Anschluss tobte er wie ein Besessener über die Bretter und erinnerte dabei noch viel mehr als tags zuvor der Morbid Breed – Frontmann als Napalm Deaths Barney (und die Musik war wohl auch näher dran als bei MORBID BREED). Mehr kann ich über den Auftritt leider nicht sagen, da es Zeit war, meinen Bass endlich im Auto zu verstauen und anschließend Mittagessen zu gehen.

Gestärkt durch ein vorzügliches Grillkotelette platzte ich in eine weiteren Death-Metal-vom-Feinsten-Darbietung meiner Floridsdorfer Bezirkskollegen PARENTAL ADVISORY, die man mittlerweile mit schon fast als sowas wie die österreichischen Cannibal Corpse bezeichnen kann. Die Wiener Szene (und nicht nur die) stand bereit, um die Matadore durch ihren Kaltenbach-Auftritt zu begleiten. Diese ließen sich auch vom abermals erbärmlichen Bühnensound nicht beirren und zogen das u.a. aus Hate, Takin' Lives, Wet And Horny, Virus, Manhunt und dem Titeltrack der aktuellen CD Zombie Legion bestehende Massaker cool und kompromisslos durch. Haare flogen, Füße wippten, Fäuste wurden gereckt - PARENTAL ADVISORY sind live eigentlich eh immer eine Bank. Schade, dass ich die erste Hälfte verpasst hab.

Die Ungarn CASKET GARDEN hatten es danach nicht gerade leicht (besser gesagt: schafften es nicht) da mitzuhalten, was zusätzlich auch noch durch die immer affigere Hitze erschwert wurde. Sie rotzten ihren melodischen (und gesanglich hysterischen) Death/Thrash zwar ordentlich herunter und erzählten in bemühtem Deutsch irgendwas von Muschis, wegen denen sie da wären, kamen aber nicht so recht gegen die allgemeine Lähmung an, die sich durch die tropischen Temperaturen breit machte. Schon besser gesehen.

Ähnlich erging es den steirischen Groove-Deathern OUTRAGE, die 2 Wochen davor in Wien einen mörderischen Auftritt als Vorgruppe von Obituary hingelegt hatten. Leider steckte der ein Gitarrist zur Zeit des Auftritts noch im Stau auf der Autobahn, weshalb man den Set auch um diejenigen Stücke kürzen musste, die ohne zweite Gitarre nicht funktionieren. Aber auch bei den übrig gebliebenen Nummern fehlte leider mit nur einer Gitarre doch einiges an Druck. Die Sonne, die zu dieser Zeit mitten auf die Bühne knallte, machte auch der Band zu schaffen. In Anbetracht dieser Umstände schlugen sich die Burschen mehr als wacker, brachten doch den einen oder anderen zum Bangen und ernteten mehr als nur Höflichkeitsapplaus.

Als vorletzte einheimische Gruppe waren dann bei weiterhin brütender Hitze die (ebenfalls aus der Steiermark stammenden) Schwarzmetaller ASMODEUS an der Reihe. Mittlerweile sind sie wieder zu viert, verstärkt durch den Sanguis-Gitarristen Azazel. Trotz der alles andere als passenden Witterung war vor der Bühne jetzt mit Abstand am meisten bisher los, hatten die Blackmetaller unter den Gästen ja auch schon den ganzen Tag warten müssen, auf ihre Kosten zu kommen. Angesichts der Reaktionen waren ASMODEUS von einer Menge Leute offenbar schon ziemlich herbeigesehnt worden. Man konzentrierte sich auf das vor kurzem erschienene (und ziemlich Belphegor-lastig ausgefallene) zweite Album Imperium Damnatum (u.a mit Decretum Executionis und dem abschließenden Servitus in Aeternitatem), spielte mit Odland und Evoking The Beasts In Twilight aber auch Material vom Vorgänger Phalanx Inferna. Geiler Auftritt, aber irgendwie kommen Leder, Stacheln und Leichenbemalung ohne Sonne besser…

Danach flüchteten alle in den Schatten (auch ich), was die Deutschen Thrasher SCORNAGE aber in keinster Weise hemmte. Der lustige Glatzkopf mit Tankard-Leiberl am Mikrofon erzählte von einer 12-stündigen Autobahnfahrt und brachte den Anwesenden auf ziemlich überzeugende Art zur Kenntnis, dass man hier sei, um zu rocken, was man auch 40 Minuten gnadenlos tat, und zwar ebenfalls ziemlich überzeugend. So ein arschgeiler Thrash-Groove!!
Anscheinend gibt’s bisher nur ein Album und eine Mini, die beide auf den Namen Ascend hören, also nehme ich an, dass Feger wie Society Kills, Scared To Be oder I’m Your Fear wohl von diesen stammen (öhm... da verwechselst Du was lieber Gunnar  - Anm. Cal). Mit der Zeit sammelte sich auch wieder einiges an Publikum vor der Bühne, trotzdem hätte sich dieser sehr geniale Auftritt (bei dem sogar der Sound langsam deutlich besser wurde) viel, viel mehr Leute verdient. Und das nicht nur wegen Ansagen wie „Jetzt müsst ihr euch vorstellen, es ist ganz dunkel und wir sind ganz böse“….

Mit einem Gemisch aus Thrash, Hardcore und leichten Death Metal – Anflügen zogen die ebenfalls aus Piefkeland stammenden DAVIDIAN in die Schlacht. Ich würde sie als eine etwas metallischere Version von Pro-Pain mit starkem Machine Head – Einschlag beschreiben. Und jetzt ratet mal, welche Machine Head - Nummer DAVIDIAN gecovert haben... Ziemlich junges Publikum sammelte sich da jetzt in Bühnennähe und unternahm erste Mosh-Anstrengungen. Ich nehm an, die Herren aus Germanien werden sich einige Freunde gemacht haben. Mir hat’s „zugegebenermaßen“ auch gefallen.

Wenn mich nicht alles täuscht, waren WASTEFORM die erste amerikanische Band, die jemals die Bretter des KOA bespielt hat. Optisch eine ziemlich bunte Mischung (äußerst beleibte Frontsau mit Glatze, braves Kurzhaarburschi an der Gitarre, langhaariges Metal-Urviech am Bass), konnten sie ziemlich viele Leute begeistern. Kurze Grindcore-Salven wechselten sich mit langsam walzenden Death Metal – Brocken ab, wurden aber auch ab und zu zusammen in eine Nummer gepackt. Wiederum ergab sich ein putziger Moshpit mit Durchschnittalter 16. Als erste Band des Tages durften die Amis eine Zugabe spielen, nachdem diese gar so massiv gefordert worden war. Ziemlich beeindruckende Vorstellung!

Die Kärntner Todesblei-Veteranen und Splatter/Gore/Fekalien-Freaks DISASTROUS MURMUR waren wohl eine der dienstältesten Bands auf dem diesjährigen Festival. Richtig voll war es jetzt schon vor der Bühne, und die Fans wurden mit Todesgroove, Todesgroove und, ähm, ein bisschen Todesgroove belohnt. Kein großes Blabla, sondern einfach 40 Minuten Vollbedienung. Die Band ruhte sich nicht auf alten Klassikern aus, sondern präsentierte mit Splatter Is Better; Bondage Balls And Cock Dissection (na, sehr lecker!) und Toxic Trap der Reihe nach Zeugs der heuer erschienenen Anleitung Marinate Your Meat. Leider musste ich aus verschiedenen Gründen 2mal während des Auftritts runter zum Auto, sodass mir doch einiges entgangen sein dürfte. Immerhin habe ich das altbekannte Breaking By Means Of The Wheel vom 94er Album Folter irgendwie mitbekommen. Und DISASTROUS MURMUR waren es auch, zu deren Klängen sich die verdammte Sonne endlich verzog. [Gunnar]

Hier kommt nun das zweite NH Teams ins Spiel... Das schönste Festivalgelände Österreichs lockte wieder hunderte Metalfans in die Region am Semmering. Ob nun im Wald, auf der kultigen Schieferwiese oder direkt neben dem Anfahrtsweg, jeder fand ein lauschiges Plätzchen, um hier einen angenehmen Kurzurlaub mit musikalischer Untermalung zu genießen. Leider konnte das Billing heuer nicht durchwegs überzeugen, deshalb hier nur ein Bericht vom zweiten Tag...

Auffallend ist die große Akzeptanz, ja Freude der einheimischen Bevölkerung! Zu Beginn, im Jahre 2003, mögen die ortsansässigen Bewohner noch skeptisch dreingeblickt haben, als eine Horde von dunkel gekleideten Menschen für zwei Tage ihr schönes Dörfchen am Stuhleck in die metallische Hauptstadt Österreichs verwandelte. Doch nun findet das K.O.A. (oder liebevoll Alkenbach genannt…) schon zum 4.Mal statt und die Leute dort sind wirklich unglaublich freundlich, zB blieb eine Dame auf dem Weg zum Ort mit dem Auto mitten auf der Straße stehen, um uns zu fragen, ob wir mitfahren wollten…uns blieb mal der Mund offen. Auf jeden Fall sind schon mal die Einwohner ein großer Pluspunkt und somit auch die Besucher, die wohl in den letzten Jahren viele positive Eindrücke hinterließen.

[Leo] Auch wenn ich die Running Order nicht in die Kategorie „sensationell“ einordnen würde, wollte ich einige Bands an diesem lauen Sommerabend nicht verpassen. Und schon die Finnen MOONSORROW waren das Eintrittsgeld wert, denn diesmal schafften sie es (im Gegensatz zum Ragnarök Festival) die stimmungsvollen Kompositionen auf der Bühne genauso magisch wie auf CD umzusetzen. Außerdem war der Sound brillant und die Spielfreude außerordentlich. Die gewohnte Gewandung (oder eben der nackte Oberkörper, hehe) sowie nette Bemalung setzten noch das optische I-Tüpfelchen obendrauf. Die Lichtshow kam zwar angesichts der doch noch frühen Abendstunde nur bedingt zur Geltung, doch spätestens nach ein paar Minuten war die Meute im kollektiven (Bang-) Rausch und so fiel dieses „Manko“ nicht ins Gewicht. Ich wechselte zwischen Mitgrölen, Genießen und Banging hin und her, einfach nur helle Begeisterung trifft es wohl am besten. MOONSORROW sind Meister der Stimmungen, können fröhliche Humppamelodien genauso authentisch darbieten wie nachdenkliche Gänsehautnummern. In den Gesichtern der jungen Musiker spiegelte sich der Enthusiasmus der entgegengebrachten Ovationen wieder und so war es ein Geben und Nehmen, das sich immer weiter in wahre Beifallsstürme steigerte. Ohne Wenn und Aber ein geniales Konzert einer außergewöhnlichen Band!!!!

[Leo] Das war aber erst der Anfang, denn was anschließend bei GOD DETHRONED abging, kann ich kaum in Worte fassen! Was für eine Durchschlagskraft, gepaart mit Sympathie und Hingabe…das war Death Metal wie er sein muss, mit schweineguten Melodien, sensationellen Mördergroove Parts und einer Band, die aus allen Poren Spielfreude versprühte. Allen voran Sänger Henri, der super bei Stimme war, kurz und gut: GOD DETHRONED kamen, spielten und siegten. Das sahen auch alle in meinem Blickfeld so, überall nur glückliche Gesichter, die allerdings nur kurz im Gewusel zu sehen waren. Egal ob The Tombstone, Boiling Blood oder Sigma Enigma, alle Songs killten von vorne bis hinten!!! Schier unglaublich intensiv knallten die mit allerbesten Melodien versehenen Dampfhämmer aus den Boxen und auch die Lichtshow untermalte die akustische Vollbedienung angemessen: GOD DETHRONED waren sicher die Gewinner des Abends!!!

[Leo] Der nächste Höhepunkt sollte folgen, tat es aber nicht (ganz) – LORD BELIAL fehlte an diesem Tag etwas, der viel zitierte Funke sprang nicht so heftig über und entflammte das Publikum weniger als bei den beiden erstklassigen Darbietungen zuvor. Unspektakulär war der Auftritt dennoch nicht, denn der stampfende Black Metal bot ebenso viel Gelegenheit, seine Nackenmuskulatur zu schädigen. Auffallender Gesundheitsraub wurde dementsprechend im Fotograben betrieben, wo sich alle dem beliebten Ausdruckstanz hingaben. Am meisten beklatscht wurde Lamia vom Enter The Moonlight Gate Album, doch auch die neuen und langsameren Songs von Nocturnal Beast machten eine gute Figur. Vielleicht waren einige Headbanger einfach zu ausgelaugt von den vorhergegangenen 2 Stunden Dauereinsatz? Oder sie warteten auf die anschließende Portion Death Metal unserer Veteranen rund um Johnny Hedlund?

[Leo] Bei UNLEASHED war dann die Lautstärke um einiges in die Höhe gefahren worden, was den Sound aber glücklicherweise nicht matschig oder undifferenziert werden ließ. Sound, Licht und Bühnenshow passten und so wurde das Konzert von UNLEASHED zum mittleren Triumphzug! Death Metal Victory - die Fans bildeten jedenfalls einen lautstarken Chor, um zu zeigen, welche Musikrichtung denn der haushohe Gewinner des Abends sein sollte! Auch The Immortals, Shadows In The Deep oder vor allem Victims Of War (was für ein Riff!) katapultierte Fans und Band in andere Sphären. Ebenso kamen groovigere Stücke wie The Longships Are Coming aggressiv und platt walzend daher, sodass alle glücklich waren, außer den Genickmuskeln, die dieser Belastungsprobe nur mit größter Beeinträchtigung und Aufbietung aller Kraftreserven standhalten konnten!

[Gunnar] Nachdem im ersten Jahr Desaster, im zweiten Tankard und letztes Jahr Destruction Kaltenbach unsicher gemacht hatten, war irgendwie klar, dass jetzt auch SODOM bald einmal an der Reihe waren, dem Festival die klassische germanische Thrash-Note zu verpassen. Die Befürchtung, dass zu der späten Stunde (immerhin war es bereits nach ein Uhr) nicht mehr allzu viele den Auftritt miterleben würden, erwies sich zum Unterschied vom Vorjahr, als Destruction vor merklich gelichteten Reihen agieren hatten müssen, als unbegründet und die „SODOM!“-Rufe waren weithin vernehmbar. Wie es sich gehört, stiegen Angelripper & Co mit Blood On Your Lips, dem Starter des im Frühjahr erschienenen selbstbetitelten Jubiläumsalbums, in den Auftritt ein und schoben mit Wanted Dead auch gleich weiteres neues Kriegsgerät nach, bevor meine absolute SODOM-Lieblingsnummer und eins der meistgespielten, wenn nicht DAS meistgespielte Livestück der Band, nämlich Outbreak Of Evil, an der Reihe war. Danach konnte endgültig nichts mehr schief gehen. Bei den Fans hatte die Band sowieso schon vor dem ersten Takt gewonnen. Tom verkündete, dass ihm kleinere Festivals sowieso viel lieber seien „als der ganze riesige Wacken- und Dynamo-Scheiss“ und hatte ein weiteres Mal das Volk auf seiner Seite. Der M-16-Heuler Napalm In The Morning herrschte ebenso unumschränkt wie Silence Is Consent und Sodomy & Lust. Zu Die Stumme Ursel durften dann diverse Urseln aus dem Publikum auf die Bühne und ordentlich neben der Band abbangen oder sonstige Verrenkungen vollführen und verließen während der nachfolgenden The Saw Is The Law und Sodomized nur langsam wieder das Rampenlicht. Welches bei Wachturm erneut gestürmt wurde, diesmal zuerst von einigen Mitgliedern des Kulturverein Kaltenbach und danach auch von diversen anderen Bühnenluft-Süchtigen aus der Audienz. Die Band hatte nichts dagegen und zelebrierte auf der bummvollen Bühne die Klassiker Ausgebombt und Blasphemer. Ob Among The Weirdcong als spontane Reaktion auf die zahlreiche Gesellschaft angestimmt wurde oder sowieso geplant war, überlassen wir jetzt mal der individuellen Deutung, sicher ist aber, dass die zahlreichen Adabeis bei diesem Stück dann doch langsam von der Bühne komplimentiert wurden. Kaum war der letzte unten, ertönte passenderweise Remember The Fallen (nein, die Leute „wurden“ nicht von der Bühne runtergefallen!!), bevor sich die Herren Angelripper, Bernemann und Bobby zum ersten Mal verabschiedeten. Der Zugabenteil bestand aus dem unnötigen Cover Ace Of Spades (absolut nix gegen die Nummer oder gegen Motörhead, aber SODOM haben ja wohl genug eigenes Zeugs) und – erraten! 100 Punkte! - dem unausweichlichen Bombenhagel. Und schon war das vierte KOA Geschichte.

Fazit Janine & Leo: Die Atmosphäre und Umgebung werden Kaltenbach wohl immer einen besonderen Anstrich verpassen, die Fans sind alle gemütlich und alles andere als aggressiv drauf – und so wird auch nächstes Jahr für 2 Tage der Semmering zur Headbanger-Oase der Metalfans werden, da bin ich mir sicher. Mal sehen ob die Bandauswahl nächstes Jahr geglückter ausfällt. Weniger Bands, dafür spätere Beginnzeit wäre etwa eine Anregung, die ich von vielen Seiten zu hören bekam, der Marathon von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr spätnachts bzw. morgens übersteigt die Kondition und Standfestigkeit so manches Besuchers. Ansonsten ein sehr gut organisiertes Zusammentreffen, zu dem man den Veranstaltern (KV Kaltenbach) nur gratulieren kann!

Fazit Gunnar: Positiv - So gut wie alle Bands (und wieder fettes Lob für den großen Anteil an einheimischen Bands), die freundliche und zurückhaltende Security, die fairen Bier- und sonstigen Getränkepreise, die tolle Umgebung, die vielen Gelegenheiten zum Gratis-Zelten und der Großteil der Festivalbesucher, die einfach 2 Tage lang (oder auch länger) ihren Spaß hatten.

Negativ: Dass der tolle Sound, für den das KOA bisher bekannt war, diesmal vielen der „kleineren“ Bands verwehrt geblieben ist und sie teilweise ziemliche Probleme in dieser Hinsicht hatten. Und auch die Idioten, für die Festivals nur zum Saufen, Stänkern und Randalieren da sind, aber mit diesen Minderheiten hat wohl jedes Festivals zu kämpfen.

Alles in allem aber wieder eine mehr als gelungene, sehr gut besuchte Veranstaltung, Gratulation an alle vom KVK, bitte weiter so und nächstes Jahr wieder mit besserem Sound!

 

story © Gunnar, Stormlord • pictures © Janine & Gunnar