Immer
wenn das KALTENBACH OPEN AIR naht, bedeutet das
für die österreichische Metalszene die Vorbereitung
auf den kollektiven Ausnahmezustand, die ultimative Katharsis,
den definitiven Adrenalinschub, die Finsternis der Apokalypse,
das Licht der Erkenntnis, die Mobilisierung aller Reserven, das
Aussetzen jeglicher Prinzipien, einfach also die Alltagsflucht
des Jahres. Wenn das ganze dann noch mit einer so geilen musikalischen
Besetzung wie heuer unterfüttert ist, dann spürt sogar
die coolste Sau der Welt sowas wie ein positiv aufgeregtes Wurln
in der Magengegend. Heuer war es also zum vierten Mal so weit,
und die Anzahl derer, die schon einen oder mehrere Tage vor Festivalbeginn
anreisen, scheint mit jedem Jahr zu wachsen. Als meine Freundin
und ich - Gunnar - am Freitag gegen 11:00 am Vormittag ankamen,
hatten wir jedenfalls bereits ziemliches Glück, noch einen
guten Zeltplatz zu erwischen. Rundherum hatte das allgemeine Fest
jedenfalls offensichtlich schon lang begonnen.
Sodom
- Carpathian Forest - Unleashed - Dismember - Lord Belial - Hatesphere
- Ensiferum - God Dethroned - Moonsorrow - Koldbrann - Disastrous
Murmur - Skyforger - Wasteform - Severe Torture - Davidian - Darkside
- Scornage - Asmodeus - Hellsaw - Outrage - Tesstimony - Casket
Garden - Scarecrow - Parental Advisory - Inzest - Devanic - Plenty
Suffering - Empyre - Dismal Lumentis - Legions Descend - Dark
Deception - Morbid Breed - Molokh - Lunacy - Midgard Upgraded
- Convergence - Dusk Ritual
::
Fotos :: Janine
:: Gunnar
::
Freitag
14. Juli
Auch die Auftritte
ersten beiden Bands, nämlich DUSK RITUAL
und MIDGARD UPGRADED, waren bereits Geschichte,
als wir eintrafen. Also schnell das Zelt aufgebaut und eingeräumt
sowie ein Schnitzel runtergewürgt, und die dritte Band LUNACY
hab ich währenddessen wenigstens akustisch so einigermaßen
mitgekriegt. Ihr melodischer Death Metal hatte zwar noch keine
Massen an Publikum, aber die, die da waren, haben immerhin Applaus
gespendet, der vernehmbar war.
Die Wiener
Todesmetaller MOLOKH waren dann die ersten, die
ich auch gesehen hab, und der Auftakt hätte heftiger
nicht sein können. Alex & Co lieferten eine halbe Stunde
lang derbstes Gegrunze und Geknüppel vom Feinsten, das sich
mehr Publikum als die paar zig Nasen verdient gehabt hätte,
die das Massaker anständig beklatschten und bejohlten.
Gut aufgenommen
wurden anschließend auch die Black/Deather DARK
DECEPTION, die mich eigentlich noch nie enttäuscht
haben. Mit einer CD wie Spititual War in der Hinterhand
ist das aber auch nicht leicht möglich. Es war das dritte
Mal, dass ich die Band in diesem Jahr gesehen habe und zum dritten
Mal gab es am Ende Zugabeforderungen, die aber aufgrund der knappen
Zeitvorgaben nicht erfüllt werden konnten. Bei DARK
DECEPTION machte sich für mich allerdings auch zum
ersten Mal bemerkbar, was sich leider wie ein roter Faden durch
das heurige KOA zog, nämlich der Sound,
der im Gegensatz zu früheren Kaltenbach-Festivals diesmal
bei vielen der „kleineren“ Bands alles andere als
toll war. Immerhin aber waren die geilen schwarzmetallischen Gitarrenriffs,
die zwischen den Todesgrooves platziert sind, hier noch einigermaßen
vernehmbar.
Bei MORBID
BREED aus Forchdorf/Oberösterreich, die in Kaltenbach
ihr 5-jähriges Bandjubiläum begossen, wurde es soundmäßig
leider auch nicht besser, sodass die „Oldschool-Kurzhaar-Death
Metal – Abteilung“ (Eigenbezeichnung) phasenweise
viel zu basslastig rüberkam. Man muss allerdings sagen, dass
sie mit ihrem eher stumpfen, aber sehr wirksamen Midtempo –
Death Metal trotzdem äußerst gut ankamen und mit Ansagen
wie „Das ist unsere Anti-Hippie-Nummer No Romance -
No Flowers – No Mercy“ auch für gute Unterhaltung
sorgten. Sänger Andi erinnerte mit seinem Gebaren auf der
Bühne immer wieder leicht an Napalm Death’s Barney
Greenway, während man musikalisch eher an Grave oder auch
Master dran ist. Insgesamt halt einfach das, was der Titel ihrer
besten Nummer aussagt: No Compromise.
PLENTY
SUFFERING waren dann an der Reihe, ihre neue CD Sou.net
live zu bewerben, und da wurde es nicht nur vor, sondern auch
auf der Bühne voller. Eine sympathische Band mit natürlichen,
lockeren Ansagen ohne irgendein aufgesetztes Gehabe sind sie,
und stilistisch nicht so recht einzuordnen. Von melodischen, atmosphärisch-keyboardlastigen
„Fast-schon-Black“ Metal - Passagen bis zu groovigem
Death/Thrash (wobei letzteres allerdings schon deutlich dominiert)
ist bei der Band alles möglich und das kam auch in Kaltenbach
deutlich heraus. Die hätten sich meiner Meinung nach eine
spätere Startzeit verdient.
Death/Thrash
mit melodisch/schwedischer Schlagseite servierten unter sich zunehmend
verdüsterndem Himmel auch DEVANIC, wenn
auch in einer etwas härteren Variante. Stücke wie Reborn
Again, Strike Back, Focus oder die neue
Nummer Play The Game brachten doch mehrere Anwesende
zum Bangen und lockten auch sonst immer mehr Leute in die Nähe
der Bühne. Eigentlich wäre das Festival also jetzt einigermaßen
in Fahrt gewesen, wenn nicht…
…Regen
eingesetzt hätte, der bald stärker wurde und die meisten
Leute zu regengeschützten Tischen und Bänken oder gar
zu ihren Zelten bzw. Autos trieb. Die Leidtragenden waren die
steirischen Power-Melodic-Death-Metaller SCARECROW N.W.A.,
die aber nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit dem immer
schwächer werdenden Sound gestraft waren. Die Gitarren waren
zeitweise kaum vernehmbar, was die Dominanz des Keyboards noch
stärker in den Vordergrund rückte. Dem charismatischen
und sehr abwechslungsreich singenden Frontmann Bernd gelang es
dennoch, einige Leute zum Mitmachen zu bewegen, was auch durch
den vorübergehend nachlassenden Regen begünstigt wurde.
Wetter- und
soundmäßig (aber nicht musikalisch!!) erreichte das
KOA 2006 anschließend bei HELLSAW
den Tiefpunkt. Im Minutentakt protestierten Fans beim Soundmenschen,
er möge doch ein Einsehen haben und uns ein bisschen Gitarre
hören lassen, der Bursche war aber anscheinend der Meinung,
es würde schon so passen, wie es war. Wenigstens ließ
der Regen wieder nach und es strömten viele sofort wieder
zur Bühne. Geniale Black Metal – Hymnen wie Endless
kamen dank des erbärmlichen Sounds überhaupt nicht zur
Geltung und klangen wie ausgedehnte, eintönige Bass-Solos.
Dass HELLSAW trotzdem bejubelt wurden, liegt
wohl daran, dass viele österreichische Schwarzmetaller wissen,
wie gut die Band bei annähernd brauchbarem Sound geklungen
hätte. Echt schade, dass Aries & Co. damit ohne jedes
Eigenverschulden um einen tollen Auftritt gebracht wurden.
Danach galt
es den Ausfall von TESSTIMONY zu beklagen und
sich über die Ankündigung zu freuen, dass die nächsten
Bands dafür länger spielen würden. Letztlich aber
führte der Ausfall eigentlich nur zu einem ewig langen Soundcheck
von DARKSIDE und nicht zu wesentlich verlängerten
Auftritten. Nach dem Gitarrist Tommy Pippersteiner und Sänger
Wolfgang „Wolf“ Süssenbeck im vorigen Jahr mit
Österreichs Vorzeige-Thrash-Band Demolition einen genialen
Auftritt hingelegt hatten, war diesmal also ihr anderes Putzi
DARKSIDE an der Reihe, über den Semmering
herzufallen. Erfreulicherweise war wenigstens jetzt der Sound
recht ordentlich, sodass die professionelle Darbietung nicht nur
ein optischer Genuss war. Allerdings habe ich leider den Anfang
verpasst und als ich wiederkam, war gerade ein atmosphärisches
Stück des 97er Zweitwerks Shadowfields
an der Reihe, bei dem sich Wolf am Keyboard betätigte. Als
Frontviech kommt er allerdings doch eindeutig mächtiger,
ebenso wie z.B. die Nummer Pillars Of ’Err von
der aktuellen Scheibe Amber: Skeletal Journeys Through
The Void. Bassistenglatze Peter unterhielt die Audienz
mit Grimassen, die teilweise fast schon an Annihilators Jeff Waters
erinnerten. Abschließend rollte das episch-melodische Titelstück
der 98er CD Evolution über die
Allgemeinheit hinweg, bevor Wolf mit der abschließenden
Feststellung „Wir waren DARKSIDE –
ihr wart’s Kaltenbach“ den Eindruck erweckte, als
stünde die kollektive Auflösung von Band und Publikum
unmittelbar bevor.
Oj, SEVERE
TORTURE. Ich weiß nicht, was die Leute an denen
finden. Ja, sie sind brutal, sie sind technisch gut, gar keine
Frage. Aber irgendwie für meine Begriffe doch eher sowas
wie Cannibal Copse für Arme. Viele Leute sehen das aber offensichtlich
ganz anders, und so war es auch in Kaltenbach wieder einmal recht
lebhaft vor der Bühne, als sich die erste internationale
Band erbarmungslos durch ihre 40 Minuten prügelte. Ich kann
nicht sagen, was sie gespielt haben, da ich den Auftritt mehr
zum Entspannen, Fressen und eher unaufmerksamen Zuhören genützt
hab. Die Holländer waren für mich so ziemlich das langweiligste
am gesamten Festival.
Dann aber
waren SKYFORGER an der Reihe, mein vermeintlicher
Höhepunkt des Tages. Anscheinend war ich nicht der einzige
mit dieser Erwartung, war es doch plötzlich wirklich bummvoll
vor der Bühne. Von Beginn an waren zahllose Fäuste in
der Luft, und wäre irgendjemand der lettischen Sprache mächtig
gewesen, dann wäre wohl jedes einzelne Stück lauthals
mitgesungen worden. Irgendwie grölten aber eh trotz Sprachbarriere
alle mit, als die mittelalterlich gewandete Band ihre eingängigen
Folk Metal – Stücke präsentierte. Mittelpunkt
der Show war wie üblich Kaspars Bärbals, der auf diversen
Instrumenten wie Dudelsack, Flöte und Kokle (lettische Harfe)
für die charakteristischen Elemente sorgte. Der Sound war
jetzt leider wieder äußerst grenzwertig, zuerst waren
die Folkinstrumente kaum vernehmbar, und als man die dann doch
einigermaßen mitbekam, waren die Gitarren wiederum zur klanglichen
Randerscheinung degradiert. Trotzdem wurden Hymnen wie Uz
Ziemelkrastu (To The Northern Shores) überschwänglich
gefeiert. Schließlich fiel dann ausgerechnet bei einem der
geilsten Stücke, nämlich Kad Usins Jaj (When
Usins Rides) vom 2003er Erfolgsalbum Perkonkalve
(Thunderforge) der Strom aus. Frontmann Peter verstand es wie
immer, bei den Ansagen die geschichtlichen Zusammenhänge
der einzelnen Stücke auf den Punkt zu bringen, ohne in irgendein
langes und ödes Geschwafel zu verfallen. Schlussendlich war
man aber leider trotzdem gezwungen, die letzten 2 Stücke
zu streichen, sehr zum Verdruss des Publikums, das energisch nach
einer Fortsetzung verlangte. Leider nützte das aber nicht
das geringste, da man mit dem Zeitplan schon leicht im Verzug
war – ein Umstand, der ja eigentlich nicht unbedingt sein
hätte müssen, wenn man den Ausfall von TESSTIMONY
bedenkt. Ich meine, es ist schon okay, dass DARKSIDE
einen längeren Soundcheck bekamen, nachdem der Sound bei
den Bands davor ja alles andere als toll war, aber man kann alles
übertreiben.
Schwamm drüber,
denn jetzt war es Zeit für Kriegsbemalung und wahrhaftiges
norwegisches Schwarzmetall aus dem Hause KOLDBRANN.
Die Stimmung war hier zwar deutlich verhaltener als bei SKYFORGER,
die Zielgruppe aber war zweifellos vorhanden und forderte von
Beginn an Chaos Manifest, das schließlich etwa
bei Halbzeit auch gespielt wurde. Weitere Höhepunkte waren
das begeistert aufgenommene Inkvisitor Renegat und der
Titeltrack der aktuellen Scheibe Moribund.
Zum Abschied schmetterten die grimmigen Norsker noch das beste
Stück, nämlich den Moribund-Rausschmeißer Bestial
Swarm ins Volk und machten sich dann kommentarlos davon,
wie es sich für Bösewichte gehört.
Hatte es also
bisher trotz größtenteils guter bis sehr guter Auftritte
auch den einen oder anderen (eben v.a. soundmäßigen)
Kritikpunkt gegeben, so war der Rest des ersten Tages schlicht
und ergreifend schwer genial. Was ohnehin stark anzunehmen gewesen
war, hatte wohl spätestens bei SKYFORGER
jeder ahnen können, und jetzt bestätigte es sich: ENSIFERUM
waren publikumsmäßig wohl der absolute Gewinner nicht
nur des ersten Tages. Hero In A Dream und Guardians
Of Fate brachten die Meute in volle Fahrt (das ganze jetzt
bei einwandfreiem Sound) und die Finnen steckten mit ihrer Spielfreude
offensichtlich auch einige an, die nicht zu ihren Vollblutfans
zählen. Tale Of Revenge ist ja auch schon sowas
wie ein Live-Hit und hielt die Stimmung weiter am Kochen. Auf
der Bühne herrschte ständige Bewegung und erfreulicherweise
verzichtete Petri Lindroos auch diesmal auf den Scheiss-Hut, den
er bei seinen ersten Auftritten mit den Folk-Metallern getragen
hatte. Auch Meiju Enho am Keyboard feuerte das Publikum in jeder
spielfreien Sekunde zum Mitmachen an, was aber gar nicht nötig
gewesen wäre. Es herrschte sowieso pure Energie, da die Viking/Folk
– Metal Fraktion offenbar die Mehrheit des Publikums ausmachte.
Iron kam mit voller Wucht, nur schade, dass das brachiale
Slayer Of Light nicht gespielt wurde, das hätte
dem ganzen aus meiner Sicht die Krone aufgesetzt. Am Ende wurden
die Überhits Lai Lai Hei, Token Of Time und der
obligatorische Battle Song ausgepackt, und dann hatten
die Babygesichter die Festung Kaltenbach in beeindruckender Art
und Weise eingenommen.
Ein schnelles
Bier in der Umbaupause, und dann stand schon der nächste
Hochkaräter auf der Bühne. Bei HATESPHERE
waren die Reihen zwar nicht ganz so dicht gedrängt, trotzdem
ging es im Publikum mindestens genau so heftig zur Sache wie bei
ENSIFERUM. Jacob Bredahl rannte herum wie aufgezogen
(worin ihm die anderen kaum nachstanden) und schrie 50 Minuten
lang, was die Lungen hergaben. Die Gitarristen Heinz und Pepe
posten zudem noch wie die Weltmeister. Moshpit? Na selbstverständlich!
Die Security hatte alle Hände voll zu tun, die Absperrung
zum Fotograben aufrecht zu erhalten. Gespielt wurden u.a. The
White Fever, Murderous Intent, Sickness Within
und (zum Abschluss) The Coming Of Chaos sowie die Klassiker
Bloodsoil und Believer. Beide Daumen hoch, HATESPHERE
waren ebenso geil wie ENSIFERUM (wenn auch auf
andere Art). Die Frage, die nachher von ein paar Leuten am Bierstand
erörtert wurde, on das denn jetzt Metalcore oder Thrash war,
kann ich hingegen auch nicht beantworten….
Obwohl DISMEMBER
in den letzten Jahren regelmäßig in Österreich
gespielt haben, war doch auch diesmal wieder die Vorfreude spürbar.
Von einigen wusste ich, dass DISMEMBER der Hauptgrund
für ihre Anwesenheit war. Ohne jegliches Intro und auch ohne
Hintergrundmusik kam die Band in völliger Stille auf die
Bühne marschiert, Matti verkündete kurz „Time
To Play!“, und völlig ungerührt wurde der erste
Hassbatzen rücksichtslos in die Menge geschleudert (irgendwas
vom aktuellen Album The God That Never Was),
was sogleich zu wildem Bangen und Moshen führte. Beinahe
jedes Mal, wenn ich die Kerle sehe, bedient wieder irgendwer neuer
den Bass und die zweite Gitarre, diesmal also Tobias Christianson
und Martin Persson, die allerdings wirkten, als hätten sie
immer schon dazugehört. Die alten Heuler Casket Garden
und Skin Her Alive wurden gleich nachgeschoben, um alles
im roten Bereich zu halten. Von der neuen Scheibe kamen noch Feel
The Darkness und Autopsy zum Zug, während der
Where Ironcrosses Grow – Knaller
Tragedy Of The Faithful passender Weise als „our
Tribute to Iron Maiden“ angekündigt wurde. David Blomquist
demonstrierte auch mit Mercyful Fate – Leiberl seine Verbundenheit
zur alten Schule. Noch besser war die Stimmung natürlich
bei den Klassikern Reborn In Blasphemy, Pieces,
und einem meiner Lieblingsstücke, nämlich Of Fire.
Als dann als vermeintlich letztes Stück das vielfach geforderte
Dreaming In Red ertönte, waren überhaupt fast
alle endgültig beglückt – nur ich nicht, ich mag
die Nummer nämlich nicht und hätte eigentlich auf was
anderes zum Abschluss gehofft. Doch als einige bereits in der
Dunkelheit auf dem Weg zum Bierstand waren, vernahm man plötzlich
von der Bühne her „So you want one more? Okay, Mr.
Blomquist, you may begin“, und da kam endlich Override
Of The Overture, das für meine Begriffe bis heute beste
Stück der Band. Wie DISMEMBER diesen Auftritt
noch übertreffen wollen, würde mich stark interessieren.
Eigentlich
war es ja nur das journalistische Pflichtbewusstsein und weniger
das Interesse an der Band, das mich zwang, mich nicht schon vor
der Hauptband des ersten Tages, CARPATHIAN FOREST
zur Zeltruhe zu begeben. Doch es sollte alles ganz anders kommen…
Zunächst aber betätigte sich Herr Nattefrost im Backstagebereich
noch ein bisserl als Axl Rose des Black Metal, attackierte die
eigenen Bandmitglieder und pöbelte einige Festivalmitarbeiter
an, was aber nach Auskunft von Bassist Vrangsinn „völlig
normal“ vor Auftritten ist.
Norwegische
Fahnen mit Bandlogo zierten die Bühnenverstärker, als
die Freakshow schließlich Clown für Clown auf die Bretter
marschiert kam, zu guter letzt Nattefrost persönlich mit
Doppler (österreichisch für „Doppelliterflasche
Wein“) in der Hand. Und der Chef flog gleich innerhalb der
ersten 30 Sekunden 2 mal über den Mikrofonständer und
legte sich auf den Rücken, was aber wohl nicht der Grund
für sein abartiges G’schau gewesen sein wird. Nicht
nur Nattefrost, auch die Herren Vrangsinn, Tchort und Blood Perverter
sind jeder eine Show für sich, auch wenn sich der Bassist
diesmal leider weder im Weihnachtsmann-Mantel, noch mit Tanga
und Plastiktitten präsentierte. Die Stücke (u.a. Skiend
Hans Lik, Knokkelmann, Sadomasochistic, Morbid Fascination Of
Death, Carpathian Forest und vermutlich auch irgendwas vom
neuen Album Fuck You All) wurden weitgehend
tight präsentiert, während die Stimme des Font-Giftzwergs
ziemlich im Allerwertesten war. Aber das schien den meisten Anwesenden
eher egal zu sein, die fraßen den Norwegern aus der Hand
oder hatten aus anderen Gründen ihren Spaß. Irgendwie
habe ich CARPATHIAN FOREST erst an diesem Abend
lieben gelernt. Bis dahin waren sie mir live eigentlich immer
eher auf die Nerven gegangen. Aber in Kaltenbach habe ich erkannt,
was sie sind, nämlich der ultimativ kranke Rock n Roll –
Zombiezirkus, der Saal der tapferen Patienten von Walter Moers,
die Spottkarikaturen des Todes, die Sex Pistols des Black Metal,
der Tanzgroove der Leichenhalle, die einzig wahren Venom des neuen
Jahrtausends! Großartig! Und ich Depp hätte das fast
verpasst!
Samstag
15. Juli
Zum Glück
hatte ich es am ersten Tag geschafft, mich einigermaßen
nüchtern zu halten, waren doch am Samstag schon als zweite
Band DISMAL LUMENTIS an der Reihe, bei denen
ich vor 3 Jahren als Bassist ausgestiegen bin und die mich eingeladen
hatten, in Kaltenbach eine alte Nummer zusammen zu spielen. Man
möge mir daher verzeihen, dass ich bei CONVERGENCE
nicht allzu sehr bei der Sache war und nur berichten kann, das
sie ziemlich sympathisch rüberkamen und für ihren abwechslungsreichen
Dark Metal von den 20 Personen vor der Bühne und den etwa
50 weiteren, die zu dieser nachtschlafenden Zeit schon am Festivalgelände
herumstreunten, anständig beklatscht wurden.
Als DISMAL
LUMENTIS loslegten, waren schon ein paar Nasen dazugekommen,
man merkte aber beim ersten Stück Relativ Mensch, dass der
Bühnensound (und im übrigen nicht nur der Bühnensound)
im Arsch war, und so musste die Nummer auch bei der Hälfte
abgebrochen werden, um soundmäßig nochmal zu richten,
was noch zu richten war. Dadurch ging natürlich Zeit verloren,
aber da es sich bei DISMAL LUMENTIS nicht gerade
um 3-Akkord-Punk handelt, war das leider unumgänglich. Sinneswandel
und Kraftlose Kraft klangen dann auch besser, aber leider
musste Gedanken zur Gedankenlosigkeit aufgrund der Verzögerung
gestrichen werden. Thoughts mit dem Nocturnal Hall –
Schreiberling G. am Bass beendete schließlich einen etwas
chaotischen Auftritt, der allgemein mit Worten wie „die
Stücke machen ja einiges her, aber das war nicht der glücklichste
Auftritt“ kommentiert wurde. Dem ist nichts hinzuzufügen.
War aber schön, auch mal die Kaltenbach-Bühne bespielt
haben zu dürfen, auf diesem Weg nochmal danke an alle DISMALigen.
Danach fielen
PROFOUND aus, dafür wurde der am Vortag
entfallene Gig von TESSTIMONY nachgeholt, den
ich aber komplett verpasst habe, da es noch schnell mit den ehemaligen
Bandkollegen ein Bierli zu zwitschern galt.
LEGIONS
DESCEND mit ihrem teilweise ziemlich schwarzmetall-lastigen
Death/Thrash Metal hatten danach auch so ihre Probleme mit dem
Bühnensound, was vor allem dem Schlagzeuger zeitweise anzuhören
war. Trotzdem konnte man heraushören, dass es sich eigentlich
um eine ziemlich fähige Truppe mit tollen Riffs und guten
Musikern handelt, und sie waren ja weder die ersten noch die letzten,
die das besagte Problem hatten.
Eugen M. Pagany,
auf allen Hochzeiten tanzender Gitarrist (zeitweise auch Bassist)
der österreichischen Metalszene, hatte diesmal mit den Black/Deathern
EMPYRE eines seiner Hauptprojekte nach Kaltenbach
gekarrt und legte mit seiner Partie einen amtlichen Auftritt hin.
An der zweiten Gitarre half, wie schon oft, Denis Dincer, Frontmann
von DISMAL LUMENTIS, aus. Mittlerweile waren
doch schon relativ viele Leute am Gelände und applaudierten
(und bangten zum Teil auch schon) zu technisch versiert aus den
Boxen donnernden Stücken wie Alpha vs. Omega, Dissecting
The Devil (bei dem sich Eugen ordentlich an seinem Instrument
austobte) oder dem sehr todesbleiernen Rearrangement Of Dearrangement.
Zu vermeintlicher Letzt wurde eine gepfefferte Version der „Uralt“-Nummer
Into The Pitch Black serviert. Erfreulicher Weise reichte
die Zeit aber noch für ein weiteres Stück, und das war
die etatmäßge Coverversion Blinded By Fear
von At The Gates, bei dem sich Eugen und Front-Kreischgrunzer
Andi wie üblich den Gesang teilten. Leider war am Schluss
der Sound wieder Mal nicht ganz so toll. Der Auftritt insgesamt
hingegen schon.
Dann waren
die Death/Grindcoreler INZEST an der Reihe, deren
Sänger gleich einmal die entscheidende Frage stellte: „Hobt’s
es a so Schädlweh wia i?“ Damit traf er, wie sich anhand
der Reaktionen zeigte, durchaus den markanten Punkt. Im Anschluss
tobte er wie ein Besessener über die Bretter und erinnerte
dabei noch viel mehr als tags zuvor der Morbid Breed – Frontmann
als Napalm Deaths Barney (und die Musik war wohl auch näher
dran als bei MORBID BREED). Mehr kann ich über
den Auftritt leider nicht sagen, da es Zeit war, meinen Bass endlich
im Auto zu verstauen und anschließend Mittagessen zu gehen.
Gestärkt
durch ein vorzügliches Grillkotelette platzte ich in eine
weiteren Death-Metal-vom-Feinsten-Darbietung meiner Floridsdorfer
Bezirkskollegen PARENTAL ADVISORY, die man mittlerweile
mit schon fast als sowas wie die österreichischen Cannibal
Corpse bezeichnen kann. Die Wiener Szene (und nicht nur die) stand
bereit, um die Matadore durch ihren Kaltenbach-Auftritt zu begleiten.
Diese ließen sich auch vom abermals erbärmlichen Bühnensound
nicht beirren und zogen das u.a. aus Hate, Takin'
Lives, Wet And Horny, Virus, Manhunt und dem Titeltrack
der aktuellen CD Zombie Legion bestehende
Massaker cool und kompromisslos durch. Haare
flogen, Füße wippten, Fäuste wurden gereckt -
PARENTAL ADVISORY sind live eigentlich eh immer
eine Bank. Schade, dass ich die erste Hälfte verpasst hab.
Die Ungarn
CASKET GARDEN hatten es danach nicht gerade leicht
(besser gesagt: schafften es nicht) da mitzuhalten, was zusätzlich
auch noch durch die immer affigere Hitze erschwert wurde. Sie
rotzten ihren melodischen (und gesanglich hysterischen) Death/Thrash
zwar ordentlich herunter und erzählten in bemühtem Deutsch
irgendwas von Muschis, wegen denen sie da wären, kamen aber
nicht so recht gegen die allgemeine Lähmung an, die sich
durch die tropischen Temperaturen breit machte. Schon besser gesehen.
Ähnlich
erging es den steirischen Groove-Deathern OUTRAGE,
die 2 Wochen davor in Wien einen mörderischen Auftritt als
Vorgruppe von Obituary hingelegt hatten. Leider steckte der ein
Gitarrist zur Zeit des Auftritts noch im Stau auf der Autobahn,
weshalb man den Set auch um diejenigen Stücke kürzen
musste, die ohne zweite Gitarre nicht funktionieren. Aber auch
bei den übrig gebliebenen Nummern fehlte leider mit nur einer
Gitarre doch einiges an Druck. Die Sonne, die zu dieser Zeit mitten
auf die Bühne knallte, machte auch der Band zu schaffen.
In Anbetracht dieser Umstände schlugen sich die Burschen
mehr als wacker, brachten doch den einen oder anderen zum Bangen
und ernteten mehr als nur Höflichkeitsapplaus.
Als vorletzte
einheimische Gruppe waren dann bei weiterhin brütender Hitze
die (ebenfalls aus der Steiermark stammenden) Schwarzmetaller
ASMODEUS an der Reihe. Mittlerweile sind sie
wieder zu viert, verstärkt durch den Sanguis-Gitarristen
Azazel. Trotz der alles andere als passenden Witterung war vor
der Bühne jetzt mit Abstand am meisten bisher los, hatten
die Blackmetaller unter den Gästen ja auch schon den ganzen
Tag warten müssen, auf ihre Kosten zu kommen. Angesichts
der Reaktionen waren ASMODEUS von einer Menge
Leute offenbar schon ziemlich herbeigesehnt worden. Man konzentrierte
sich auf das vor kurzem erschienene (und ziemlich Belphegor-lastig
ausgefallene) zweite Album Imperium Damnatum
(u.a mit Decretum Executionis und dem abschließenden
Servitus in Aeternitatem), spielte mit Odland
und Evoking The Beasts In Twilight aber auch Material
vom Vorgänger Phalanx Inferna.
Geiler Auftritt, aber irgendwie kommen Leder, Stacheln und Leichenbemalung
ohne Sonne besser…
Danach flüchteten
alle in den Schatten (auch ich), was die Deutschen Thrasher SCORNAGE
aber in keinster Weise hemmte. Der lustige Glatzkopf mit Tankard-Leiberl
am Mikrofon erzählte von einer 12-stündigen Autobahnfahrt
und brachte den Anwesenden auf ziemlich überzeugende Art
zur Kenntnis, dass man hier sei, um zu rocken, was man auch 40
Minuten gnadenlos tat, und zwar ebenfalls ziemlich überzeugend.
So ein arschgeiler Thrash-Groove!!
Anscheinend gibt’s bisher nur ein Album und eine Mini, die
beide auf den Namen Ascend hören,
also nehme ich an, dass Feger wie Society Kills, Scared
To Be oder I’m Your Fear wohl von diesen stammen
(öhm... da verwechselst Du was lieber Gunnar - Anm.
Cal). Mit der Zeit sammelte sich auch wieder einiges an Publikum
vor der Bühne, trotzdem hätte sich dieser sehr geniale
Auftritt (bei dem sogar der Sound langsam deutlich besser wurde)
viel, viel mehr Leute verdient. Und das nicht nur wegen Ansagen
wie „Jetzt müsst ihr euch vorstellen, es ist ganz dunkel
und wir sind ganz böse“….
Mit einem
Gemisch aus Thrash, Hardcore und leichten Death Metal –
Anflügen zogen die ebenfalls aus Piefkeland stammenden DAVIDIAN
in die Schlacht. Ich würde sie als eine etwas metallischere
Version von Pro-Pain mit starkem Machine Head – Einschlag
beschreiben. Und jetzt ratet mal, welche Machine Head - Nummer
DAVIDIAN gecovert haben... Ziemlich junges Publikum
sammelte sich da jetzt in Bühnennähe und unternahm erste
Mosh-Anstrengungen. Ich nehm an, die Herren aus Germanien werden
sich einige Freunde gemacht haben. Mir hat’s „zugegebenermaßen“
auch gefallen.
Wenn mich
nicht alles täuscht, waren WASTEFORM die
erste amerikanische Band, die jemals die Bretter des KOA
bespielt hat. Optisch eine ziemlich bunte Mischung (äußerst
beleibte Frontsau mit Glatze, braves Kurzhaarburschi an der Gitarre,
langhaariges Metal-Urviech am Bass), konnten sie ziemlich viele
Leute begeistern. Kurze Grindcore-Salven wechselten sich mit langsam
walzenden Death Metal – Brocken ab, wurden aber auch ab
und zu zusammen in eine Nummer gepackt. Wiederum ergab sich ein
putziger Moshpit mit Durchschnittalter 16. Als erste Band des
Tages durften die Amis eine Zugabe spielen, nachdem diese gar
so massiv gefordert worden war. Ziemlich beeindruckende Vorstellung!
Die Kärntner
Todesblei-Veteranen und Splatter/Gore/Fekalien-Freaks DISASTROUS
MURMUR waren wohl eine der dienstältesten Bands
auf dem diesjährigen Festival. Richtig voll war es jetzt
schon vor der Bühne, und die Fans wurden mit Todesgroove,
Todesgroove und, ähm, ein bisschen Todesgroove belohnt. Kein
großes Blabla, sondern einfach 40 Minuten Vollbedienung.
Die Band ruhte sich nicht auf alten Klassikern aus, sondern präsentierte
mit Splatter Is Better; Bondage Balls And Cock Dissection
(na, sehr lecker!) und Toxic Trap der Reihe nach Zeugs
der heuer erschienenen Anleitung Marinate Your Meat.
Leider musste ich aus verschiedenen Gründen 2mal während
des Auftritts runter zum Auto, sodass mir doch einiges entgangen
sein dürfte. Immerhin habe ich das altbekannte Breaking
By Means Of The Wheel vom 94er Album Folter
irgendwie mitbekommen. Und DISASTROUS MURMUR
waren es auch, zu deren Klängen sich die verdammte Sonne
endlich verzog. [Gunnar]
Hier kommt
nun das zweite NH Teams ins Spiel... Das schönste Festivalgelände
Österreichs lockte wieder hunderte Metalfans in die Region
am Semmering. Ob nun im Wald, auf der kultigen Schieferwiese oder
direkt neben dem Anfahrtsweg, jeder fand ein lauschiges Plätzchen,
um hier einen angenehmen Kurzurlaub mit musikalischer Untermalung
zu genießen. Leider konnte das Billing heuer nicht durchwegs
überzeugen, deshalb hier nur ein Bericht vom zweiten Tag...
Auffallend ist die große Akzeptanz, ja Freude
der einheimischen Bevölkerung! Zu Beginn, im Jahre 2003,
mögen die ortsansässigen Bewohner noch skeptisch dreingeblickt
haben, als eine Horde von dunkel gekleideten Menschen für
zwei Tage ihr schönes Dörfchen am Stuhleck in die metallische
Hauptstadt Österreichs verwandelte. Doch nun findet das K.O.A.
(oder liebevoll Alkenbach genannt…) schon zum 4.Mal statt
und die Leute dort sind wirklich unglaublich freundlich, zB blieb
eine Dame auf dem Weg zum Ort mit dem Auto mitten auf der Straße
stehen, um uns zu fragen, ob wir mitfahren wollten…uns blieb
mal der Mund offen. Auf jeden Fall sind schon mal die Einwohner
ein großer Pluspunkt und somit auch die Besucher, die wohl
in den letzten Jahren viele positive Eindrücke hinterließen.
[Leo] Auch
wenn ich die Running Order nicht in die Kategorie „sensationell“
einordnen würde, wollte ich einige Bands an diesem lauen
Sommerabend nicht verpassen. Und schon die Finnen MOONSORROW
waren das Eintrittsgeld wert, denn diesmal schafften sie es (im
Gegensatz zum Ragnarök Festival) die stimmungsvollen Kompositionen
auf der Bühne genauso magisch wie auf CD umzusetzen. Außerdem
war der Sound brillant und die Spielfreude außerordentlich.
Die gewohnte Gewandung (oder eben der nackte Oberkörper,
hehe) sowie nette Bemalung setzten noch das optische I-Tüpfelchen
obendrauf. Die Lichtshow kam zwar angesichts der doch noch frühen
Abendstunde nur bedingt zur Geltung, doch spätestens nach
ein paar Minuten war die Meute im kollektiven (Bang-) Rausch und
so fiel dieses „Manko“ nicht ins Gewicht. Ich wechselte
zwischen Mitgrölen, Genießen und Banging hin und her,
einfach nur helle Begeisterung trifft es wohl am besten. MOONSORROW
sind Meister der Stimmungen, können fröhliche Humppamelodien
genauso authentisch darbieten wie nachdenkliche Gänsehautnummern.
In den Gesichtern der jungen Musiker spiegelte sich der Enthusiasmus
der entgegengebrachten Ovationen wieder und so war es ein Geben
und Nehmen, das sich immer weiter in wahre Beifallsstürme
steigerte. Ohne Wenn und Aber ein geniales Konzert einer außergewöhnlichen
Band!!!!
[Leo] Das
war aber erst der Anfang, denn was anschließend bei GOD
DETHRONED abging, kann ich kaum in Worte fassen! Was
für eine Durchschlagskraft, gepaart mit Sympathie und Hingabe…das
war Death Metal wie er sein muss, mit schweineguten Melodien,
sensationellen Mördergroove Parts und einer Band, die aus
allen Poren Spielfreude versprühte. Allen voran Sänger
Henri, der super bei Stimme war, kurz und gut: GOD DETHRONED
kamen, spielten und siegten. Das sahen auch alle in meinem Blickfeld
so, überall nur glückliche Gesichter, die allerdings
nur kurz im Gewusel zu sehen waren. Egal ob The Tombstone,
Boiling Blood oder Sigma Enigma, alle Songs
killten von vorne bis hinten!!! Schier unglaublich intensiv knallten
die mit allerbesten Melodien versehenen Dampfhämmer aus den
Boxen und auch die Lichtshow untermalte die akustische Vollbedienung
angemessen: GOD DETHRONED waren sicher die Gewinner
des Abends!!!
[Leo] Der
nächste Höhepunkt sollte folgen, tat es aber nicht (ganz)
– LORD BELIAL fehlte an diesem Tag etwas,
der viel zitierte Funke sprang nicht so heftig über und entflammte
das Publikum weniger als bei den beiden erstklassigen Darbietungen
zuvor. Unspektakulär war der Auftritt dennoch nicht, denn
der stampfende Black Metal bot ebenso viel Gelegenheit, seine
Nackenmuskulatur zu schädigen. Auffallender Gesundheitsraub
wurde dementsprechend im Fotograben betrieben, wo sich alle dem
beliebten Ausdruckstanz hingaben. Am meisten beklatscht wurde
Lamia vom Enter The Moonlight Gate
Album, doch auch die neuen und langsameren Songs von Nocturnal
Beast machten eine gute Figur. Vielleicht waren
einige Headbanger einfach zu ausgelaugt von den vorhergegangenen
2 Stunden Dauereinsatz? Oder sie warteten auf die anschließende
Portion Death Metal unserer Veteranen rund um Johnny Hedlund?
[Leo] Bei
UNLEASHED war dann die Lautstärke um einiges
in die Höhe gefahren worden, was den Sound aber glücklicherweise
nicht matschig oder undifferenziert werden ließ. Sound,
Licht und Bühnenshow passten und so wurde das Konzert von
UNLEASHED zum mittleren Triumphzug! Death
Metal Victory - die Fans bildeten jedenfalls einen lautstarken
Chor, um zu zeigen, welche Musikrichtung denn der haushohe Gewinner
des Abends sein sollte! Auch The Immortals, Shadows In The
Deep oder vor allem Victims Of War (was für
ein Riff!) katapultierte Fans und Band in andere Sphären.
Ebenso kamen groovigere Stücke wie The Longships Are
Coming aggressiv und platt walzend daher, sodass alle glücklich
waren, außer den Genickmuskeln, die dieser Belastungsprobe
nur mit größter Beeinträchtigung und Aufbietung
aller Kraftreserven standhalten konnten!
[Gunnar] Nachdem
im ersten Jahr Desaster, im zweiten Tankard und letztes Jahr Destruction
Kaltenbach unsicher gemacht hatten, war irgendwie klar, dass jetzt
auch SODOM bald einmal an der Reihe waren, dem
Festival die klassische germanische Thrash-Note zu verpassen.
Die Befürchtung, dass zu der späten Stunde (immerhin
war es bereits nach ein Uhr) nicht mehr allzu viele den Auftritt
miterleben würden, erwies sich zum Unterschied vom Vorjahr,
als Destruction vor merklich gelichteten Reihen agieren hatten
müssen, als unbegründet und die „SODOM!“-Rufe
waren weithin vernehmbar. Wie es sich gehört, stiegen Angelripper
& Co mit Blood On Your Lips, dem Starter des im Frühjahr
erschienenen selbstbetitelten Jubiläumsalbums, in den Auftritt
ein und schoben mit Wanted Dead auch gleich weiteres
neues Kriegsgerät nach, bevor meine absolute SODOM-Lieblingsnummer
und eins der meistgespielten, wenn nicht DAS meistgespielte Livestück
der Band, nämlich Outbreak Of Evil, an der Reihe
war. Danach konnte endgültig nichts mehr schief gehen. Bei
den Fans hatte die Band sowieso schon vor dem ersten Takt gewonnen.
Tom verkündete, dass ihm kleinere Festivals sowieso viel
lieber seien „als der ganze riesige Wacken- und Dynamo-Scheiss“
und hatte ein weiteres Mal das Volk auf seiner Seite. Der M-16-Heuler
Napalm In The Morning herrschte ebenso unumschränkt
wie Silence Is Consent und Sodomy & Lust.
Zu Die Stumme Ursel durften dann diverse Urseln aus dem
Publikum auf die Bühne und ordentlich neben der Band abbangen
oder sonstige Verrenkungen vollführen und verließen
während der nachfolgenden The Saw Is The Law und
Sodomized nur langsam wieder das Rampenlicht. Welches
bei Wachturm erneut gestürmt wurde, diesmal zuerst
von einigen Mitgliedern des Kulturverein Kaltenbach und danach
auch von diversen anderen Bühnenluft-Süchtigen aus der
Audienz. Die Band hatte nichts dagegen und zelebrierte auf der
bummvollen Bühne die Klassiker Ausgebombt und Blasphemer.
Ob Among The Weirdcong als spontane Reaktion auf die
zahlreiche Gesellschaft angestimmt wurde oder sowieso geplant
war, überlassen wir jetzt mal der individuellen Deutung,
sicher ist aber, dass die zahlreichen Adabeis bei diesem Stück
dann doch langsam von der Bühne komplimentiert wurden. Kaum
war der letzte unten, ertönte passenderweise Remember
The Fallen (nein, die Leute „wurden“ nicht von
der Bühne runtergefallen!!), bevor sich die Herren Angelripper,
Bernemann und Bobby zum ersten Mal verabschiedeten. Der Zugabenteil
bestand aus dem unnötigen Cover Ace Of Spades (absolut
nix gegen die Nummer oder gegen Motörhead, aber SODOM
haben ja wohl genug eigenes Zeugs) und – erraten! 100 Punkte!
- dem unausweichlichen Bombenhagel. Und schon war das
vierte KOA Geschichte.
Fazit
Janine & Leo: Die Atmosphäre und Umgebung werden
Kaltenbach wohl immer einen besonderen Anstrich verpassen, die
Fans sind alle gemütlich und alles andere als aggressiv drauf
– und so wird auch nächstes Jahr für 2 Tage der
Semmering zur Headbanger-Oase der Metalfans werden, da bin ich
mir sicher. Mal sehen ob die Bandauswahl nächstes Jahr geglückter
ausfällt. Weniger Bands, dafür spätere Beginnzeit
wäre etwa eine Anregung, die ich von vielen Seiten zu hören
bekam, der Marathon von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr spätnachts
bzw. morgens übersteigt die Kondition und Standfestigkeit
so manches Besuchers. Ansonsten ein sehr gut organisiertes Zusammentreffen,
zu dem man den Veranstaltern (KV Kaltenbach) nur gratulieren kann!
Fazit
Gunnar: Positiv - So gut wie alle Bands (und wieder fettes
Lob für den großen Anteil an einheimischen Bands),
die freundliche und zurückhaltende Security, die fairen Bier-
und sonstigen Getränkepreise, die tolle Umgebung, die vielen
Gelegenheiten zum Gratis-Zelten und der Großteil der Festivalbesucher,
die einfach 2 Tage lang (oder auch länger) ihren Spaß
hatten.
Negativ: Dass
der tolle Sound, für den das KOA bisher
bekannt war, diesmal vielen der „kleineren“ Bands
verwehrt geblieben ist und sie teilweise ziemliche Probleme in
dieser Hinsicht hatten. Und auch die Idioten, für die Festivals
nur zum Saufen, Stänkern und Randalieren da sind, aber mit
diesen Minderheiten hat wohl jedes Festivals zu kämpfen.
Alles in allem
aber wieder eine mehr als gelungene, sehr gut besuchte Veranstaltung,
Gratulation an alle vom KVK, bitte weiter so und nächstes
Jahr wieder mit besserem Sound!
