Das KALTENBACH OPEN AIR ging heuer bereits in
die 5. Runde und ist damit nicht nur Österreichs geilstes,
sondern auch erfolgreichstes Metal-Festival bisher. Die landschaftlich
großartige Umgebung im Semmering-Gebiet, eine immer hochkarätige
musikalische Besetzung und die zumeist sehr freundlich gesonnene
ansässige Bevölkerung sind wohl die Faktoren, die für
diesen Erfolg ausschlaggebend sind und die auf lange Jahre weiterer
genialer Kaltenbach Open Air Festivals hoffen lassen.
Aber alles der Reihe nach, jetzt geht’s einmal um das KOA
2007. Die Veranstalter hatten im Vorfeld mit einigen
bandtechnischen Ärgernissen - konkret: relativ kurzfristigen
Ausfällen – zu kämpfen, wobei vor allem die nicht
gerade genau begründete Absage der geplanten Freitag-Hauptattraktion
Napalm Death nicht nur den Leuten vom Kulturverein Kaltenbach,
sondern auch einigen Fans einen vorübergehenden Dämpfer
versetzte. Belphegor, die eigentlich abgesagt hatten, rutschen,
da sie jetzt doch konnten, dadurch wieder ins Programm und Dark
Funeral rückten auf die Position des Freitags-Headliners.
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THE HAUNTED - DARK FUNERAL - VADER - BELPHEGOR - KAMPFAR - HOLY
MOSES - LEGION OF THE DAMNED - ZYKLON - WACO JESUS - DORNENREICH
- SETHERIAL - TÝR - AVULSED - GOREROTTED - SANATORIUM -
SARKOM - MASTIC SCUM - GODDAMNED X - DARKFALL - SANGUIS - WOLFCHANT
- OBSCURITY - DISTROTED IMPALENT - FREUND HEIN - INFESTIGATION
- EREBOS - CONSPIRACY UNMASKED - DEFENDER KFS - MISANTHROPIC MIGHT
- VARULV - SEPSIS - RAW
FREITAG
13. Juli
Nach
Durchlaufen der üblichen Rituale, also Zeltplatzsuche, Zeltaufbau,
Erleichterung über angenehme Menschen in den umgebenden Zelten,
und Mittagessen, hatten wir es leider geschafft, die ersten 4
Bands, nämlich RAW, VARULV,
die Wiener Death/Thrash – Institution DEFENDER KFS
und EREBOS verpasst zu haben, wobei ich von letzteren
wenigstens akustisch so einiges mitbekommen habe und der melodische,
aber heftige Death Metal der Steirer kam ziemlich überzeugend
über die Höhenmeter gewummert. Schade, die wären
es wohl wert gewesen, den ganzen Auftritt mitzubekommen.
Immerhin
aber waren wir rechtzeitig zu FREUND HEIN da,
deren Konzerte optisch mindestens ebenso viel Wert haben wie musikalisch
(Unwissende können das leicht anhand der Fotos feststellen).
Blödel-Death Metal auf höchstem technischem Niveau,
der auch noch dann hörens- und sehenswert ist, wenn man die
Partie eigentlich eh schon x-mal live erlebt hat. Stücke
wie In den letzten Zügen liegt die Menschheit oder das eine
Sekunde lang dauernde Sandwich brachten die Dinge, die gesagt
werden mussten, auf den Punkt, auch wenn eine halbe Stunde natürlich
viel zu kurz ist, um den HEINgeist in seiner
ganzen verheerenden Wirkung zu spüren.
Die
Leute von OBSCURITY habe ich vor 5 Jahren auf
einer Mini-Tour mit meiner damaligen Band Atenoux (in der übrigens
auch Kaltenbach-Veranstalter Fred Kargl aktiv war) durch Deutschland
und Belgien kennengelernt. Nachdem ich sie schon damals nicht
nur musikalisch, sondern auch persönlich sehr leiwand gefunden
hab, freute ich mich schon ziemlich darauf, sie wieder zu treffen.
Ihr Auftritt hat mich dann aber echt einigermaßen beeindruckt,
das ist wirklich toller, mitreißender Pagan Metal mit ordentlich
Wucht und super Melodien. Dieser Meinung war anscheinend nicht
nur ich, ging es doch in den ersten Reihen schon recht ausgelassen
zu. Da wurde gebangt, Texte wurden mitgegrölt – so
gehört sich das. Stücke wie Bergische Löwen,
Götterdämmerung, Ruhm und Ehr oder
Auf in die letzte Schlacht sollten bei Pagan-Metallern
keine Wünsche offen lassen, und ich empfehle den Kauf der
neuen CD Schlachten und Legenden. Am
Ende wurde heftig nach mehr verlangt und OBSCURITY
duften als erste Band des heurigen KOA eine Zugabe
spielen. Super!
An
sich war es ein angenehm kühler Nachmittag, aber auf Black
Metal – Bands lastet in Kaltenbach sowas wie ein Sonnenfluch,
und so kam die gelbe Scheisskugel natürlich auch zu SANGUIS
hervor. Diese hatten bei ihrem bereits dritten Kaltenbach-Auftritt
sicherheitshalber sowieso gleich auf die Kriegsbemalung verzichtet,
sodass diese ihnen dann nicht vom Gesicht rinnen konnte. Sie präsentierten
hauptsächlich Stücke der bald erscheinenden neuen CD
Ascension, die deutlich mehr in die
norwegische Richtung gehen als die älteren, stark von der
schwedischen Schule beeinflussten. Als Anhänger der letztgenannten
bin ich von dieser Entwicklung nicht allzu begeistert und dementsprechend
fand ich am alten Autumn Emperor auch wesentlich mehr
Gefallen als an neuem Zeugs wie My Curse oder Unser
Feind. Irgendwie sind die genialen Melodien anscheinend mit
dem Ausstieg von Hellsaw – Betreiber Aries verschwunden.
Man muss aber sagen, dass die Stücke zumindest überzeugend
rübergebracht und auch anständig beklatscht wurden,
vor allem von den nicht gerade wenigen SANGUIS-Leiberl-Trägern.
Hm….
Ebenfalls
bereits zum dritten Mal gaben sich GODDAMNED X die
Ehre, bei denen neben Veranstalter Fred mit Bassist Boerny und
Helmut (v, g) zwei weitere Herren aus der Kaltenbach-Mannschaft
tätig sind. Mit dabei war außerdem auch noch einiges
an Anhängern, die ordentlich Stimmung machten, und auch mir
ist der Auftritt ziemlich gut reingelaufen, vor allem neuere Nummern
wie Devour The Enemy oder das Titelstück der zweiten
CD The Art Of Closing Eyes. Aber auch
älteres Material (Drugged To Extremes) ist da irgendwie
überzeugender als früher rübergekommen. So groovten,
posten und prügelten sich die Gottverdammten zu einem der
besten Auftritte, die ich bisher von ihnen erlebt habe.
Die
norwegischen Schmink-Weltmeister SARKOM hatten
dann natürlich auch wieder die Sonne zu Gast, als sie mit
gutem Sound (der zwar insgesamt besser als im Vorjahr war, aber
noch lang nicht die Qualität der ersten 3 Jahre erreichte),
antraten, um den guten Monastery-Auftritt (vergangenen Herbst)
unter den gestrengen Augen und Ohren von Nocturnal Hall zu bestätigen.
Letzteres gelang ihnen auf dem sich langsam gut füllenden
Gelände mühelos, weshalb die Mähnen auch nicht
nur auf der Bühne flogen. Das überdimensionale umgedrehte
Kreuz des Sängers wirkte zwar etwas pompös und lächerlich,
aber das soll den geneigten Fan nicht weiter stören. Höhepunkte
waren Infected und wieder einmal das Darkthrone-Cover In The
Shadow Of The Horns, bevor man sich nach dem abschließenden
The Chosen Ones ohne Worte davonmachte, allerdings nicht
ohne Applaus der vielen Black-Metaller.
Danach
wurde es endlich ernst für die Grind-Fraktion, als GOREROTTED
sich mit Fuck Your Arse With Broken Glass zum zweiten
Mal nach 2004 anschickten, in Kaltenbach Schmankerln aus ihrer
interessanten Fantasie zum Besten zu geben. Zum Unterschied von
damals gab es diesmal zunächst leider nur eher kleine Pit-Ansätze,
obwohl Only Tools And Corpses oder Masticated By
The Spasticated doch eigentlich mehr als deutlich dazu einladen.
Herr Goreskin lobte dafür die nette Gegend und letztendlich
spielte sich dann doch noch einiges vor der Bühne ab, sodass
die Engländer auch bereitwillig mit To Catch A Killer
(bei dem zwar kein Circle-Pit, aber immerhin eine Polonaise zustande
kam) die lauten Zugabeforderungen erfüllten. Trotzdem nicht
ganz so gut wie 2004.
Ein
krasserer Gegensatz zu Gorerotted als TÝR
geht wohl echt nimmer. Aber die Herren von den Färoern hatten
von Anfang an leichtes Spiel. Unglaublich, wie viele Anhänger
diese für meine Begriffe ziemlich fade Mischung aus langsamem
Heavy Metal und ebenso langsamem Pagan Metal hat. TÝR
wurden bejubelt wie ein Headliner, egal ob gerade Regin Smiur,
Hail To The Hammer oder Lord Of Lies dran war.
Die Band peitschte die Meute auch permanent an, mich konnten sie
aber irgendwie nicht im geringsten begeistern, außer mit
dem irischen Traditional The Wild Rover, mit dem die
sehr intensiv zum Ausdruck gebrachten Wünsche nach einer
Zugabe erhört wurden. Objektiv gesehen waren TÝR
wohl bisher die eindeutigen Sieger.
[Dunja]
Der Auftritt von DORNENREICH war für die
Fans der Band schon lange erwartet, da diesmal nicht nur ein Akustik-,
sondern ein Metal-Set auf dem Programm stand. Die Entwicklung
der Band in die eher langsame Richtung war bei Liebhabern der
ersten drei Alben nur teilweise begrüßt worden und
so galt es herauszufinden, ob DORNENREICH es
nicht vergessen haben ordentlich zu rocken. Neben Eviga und Inve
standen auch wieder der ehemalige Schlagzeuger Gilvan (aka Moritz
Neuner) sowie Thomas Helm und Schwadorf von Empyrium mit auf der
Bühne und hatten dort nicht nur mit technischen Problemen
(Stromausfall) zu kämpfen. Auch wenn die Her
Von Welken Nächten-geprägte Setlist eigentlich
jedem Fan der alten Stunde die Freudentränen in die Augen
treiben sollte gelang das Zusammenspiel nicht so ganz und es kam
einfach nicht die Atmosphäre rüber, die die Musik auf
CD so besonders macht. Somit kann man hier von einem durchaus
netten, aber doch eher unbefriedigenden Gig sprechen.
ZYKLON brachten dann wieder deutlich mehr Brutalität
ins Spiel. Von der Erscheinung auf der Bühne her erinnern
sie ja sowieso schon sehr stark an Morbid Angel, und auch musikalisch
ist die eine oder andere Parallele hörbar. Die Norweger boten
einen Querschnitt aus ihren bisherigen 3 Alben, aber irgendwie
war das ganze trotz permanent sehr hohem Energiefaktor doch eine
etwas eintönige Angelegenheit.
Mittlerweile
war es halb elf und saukalt, sodass LEGION OF THE DAMNED
gerade zur richtigen Zeit kamen. Ich war davon ausgegangen, jetzt
den Höhepunkt des gesamten Festivals zu erleben, was aber
ein Irrtum war. Irgendwie fehlte dem Sound der Druck, und auch
die Darbietung der Niederländer war nicht so wirklich mörderisch.
Zwar begann man mit Son Of The Jackal und Undead
Stillborn vom (– da bin ich mir jetzt schon sicher
–) Album des Jahres 2007 Sons Of The Jackal,
konzentrierte sich aber in der Folge eigentlich mehr auf das meiner
Meinung nach wesentlich weniger tolle Debüt. „This
One Is About My Sexual Pleasure – Taste Of The Whip!“
war darüber hinaus so ungefähr das unterhaltsamste,
was der gute Maurice an diesem Abend von sich gab, ansonsten wirkten
die Ansagen eher routiniert als enthusiastisch. Werewolf Corpse,
Malevolent Rapture, Infernal Wrath und Diabolist
kamen dann mit ein bisserl mehr Wucht daher und bei der Zugabe
Legion Of The Damned kam sogar mein Thrasher-Herz noch
in Schwung. Naja, insgesamt dann doch recht gut, aber nicht der
erwartete Wahnsinn.
Danach
war es Zeit für die allseits herbeigesehnten BELPHEGOR,
die mit The Goatchrist und Chants For The Devil auch
wirklich grandios loslegten, als sei der Satan persönlich
über den Semmering gekommen. Danach aber ragten nur noch
wenige Stücke heraus (für mich persönlich wieder
einmal Diaboli Virtus In Lumbar Est), zu viel langsames
Zeugs kam da insgesamt aus den Boxen. Sepulture Of Hypocrisy
oder Bluhtsturm Erotika mögen geniale Kompositionen
sein, aber live muss ich sie nicht unbedingt haben. Abgesehen
davon machte sich zur fortgeschrittenen Zeit (es war bereits Geisterstunde)
doch auch allgemein ein bisserl Schlappheit breit, was auch Hellmuth
nicht entging, der versuchte, die Meute nochmal in Schwung zu
bringen, was ihm aber leider nur mäßig glückte.
Die Reaktionen auf Swarm Of Rats oder Seyn Todt In
Schwarz waren zwar gut, aber nicht mehr als das. Erst das
abschließende Lucifer Incestus brachte das Höllenfeuer
nochmal zum Lodern und das für gute Unterhaltung sorgende
Bild von Herrn Josef Ratzinger alias Papst in den Händen
eines genialen Zeitgenossen in den ersten Reihen zum furchtsamen
Erzittern. Ganz so langsam können sie letztendlich irgendwie
doch nicht gewesen sein, waren sie doch um 10 Minuten früher
als geplant mit dem Auftritt fertig. Wie bei Legion Of The Damned:
Guter Auftritt, aber nicht so genial wie erwartet.
Ein
Uhr ist eindeutig um mindestens eine Stunde zu spät für
die Hauptband an einem Festivalabend – Jahr für Jahr
das gleiche Problem, und leider keine Änderung in Sicht -
im Gegenteil, heuer war es überhaupt fast halb zwei (und
das war laut Plan auch so vorgesehen). Dementsprechend hatten
DARK FUNERAL schon am Anfang ihres Sets weniger
Leute als die Bands davor, und aufgrund des katastrophalen Sounds
während der ersten 2 Drittel des Auftritts beschleunigte
sich diese Entwicklung auch weiterhin noch. Die ersten paar Stücke
lang hörte man fast nur Getrommel (übrigens erst das
dritte Konzerts des neuen Schlagzeugers, der seinen eh schon sagenhaften
Vorgänger Matte Modin sogar noch übertrifft), und so
waren – wie leider öfter bei DF-Konzerten
der Fall - geniale Black Metal – Knaller wie King Antichrist,
Diabolis Interium, Ravenna Strigoi Mortii oder The Arrival
Of Satans Empire nicht einmal der halbe Spaß. Man hatte
den Eindruck, als würde die Band einen kompletten Scheiß
zusammenspielen und Masse alias Caligula extrem schwach bei Stimme
sein, auch wenn das uralte Open The Gates, Vobiscum Satanas
und die vom letzten Album stammenden 666 Voices Inside
und Attera Totus Sanctus von den noch Ausharrenden eh
fest bejubelt wurden. Doch bei Secrets Of The Black Arts
besserte sich der Sound plötzlich deutlich und man wurde
endlich der Tatsache gewahr, dass hier eigentlich die genialste
schwedische Black Metal – Partie am Werk war. Hail Murder
und die Zugaben Atrum Regina und An Apprentice Of
Satan konnte man dann noch richtig genießen –
schade dass das laut Setlist vorgesehene My Dark Desires
entfallen ist.
Damit
war Tag 1 vorüber, Bilanz vor allem dank einiger „kleinerer“
Bands sehr positiv, aber kein völliger Überschwang der
Begeisterung meinerseits. Doch es war, so viel sei verraten, der
etwas „schwächere“ der beiden Tage.
SAMSTAG
14. Juli
Entsetzliche
Hitze hatte sich über das Land gelegt, als der zweite Tag
mit SEPSIS begann. Die Salzburger machten zwar
einen sehr sympathischen Eindruck, waren aber musikalisch doch
einigermaßen deplaziert. Mit stellenweisen Spuren von melodischem
Hardcore, größtenteils aber in Richtung sehr eines
sehr zahmen Heavy Metal gehend, konnten die Burschen wohl außer
ihren mitgereisten Fans kaum jemand der ohnehin nicht gerade vielen
Leute, die um diese Zeit schon das Gelände bevölkerten,
von sich überzeugen.
Anders
sah die Sache dann schon bei MISANTHROPIC MIGHT
aus. Ihr Schlagzeuger Slavetrader hatte am Vortag noch mit starken
Kreislaufproblemen zu kämpfen, wovon ihm allerdings zumindest
in dieser halben Stunde nichts anzumerken war. Nachdem ab dem
zweiten Stück auch der Sound sehr gut war, hatte die deutlich
angewachsene Menge vor der Bühne ihren Spaß und feierte
sich zu Stücken wie Evil, Misanthropic Might, Winterland
oder Menschenhasser den Vortagsrausch aus dem Blut. MISANTHROPIC
MIGHT hätten definitiv einen besseren Startplatz
verdient gehabt.
Leider
habe ich CONSPIRACY UNMASKED komplett verpasst,
da der Mittagshunger nicht mehr zu unterdrücken war und die
Grillkotelettes beim unteren Wirten zumindest einmal pro KOA
Pflicht sind (an dieser Stelle aber trotzdem großes Lob
an die Veranstalter für die stark verbesserte Verpflegungssituation
beim Gelände – vor allem der Inder war eine sehr gute
Idee). Die ersten Takte, die uns noch beim Hinuntergehen begleiteten,
deuteten aber auf recht gut zubereiteten Thrash hin. Eigentlich
echt blöd, die verpasst zu haben.
Ungefähr
zur Halbzeit der Brutal-Deather INFESTIGATION
war ich dann wieder im Spiel, was ein Glück war, denn der
Auftritt war wirklich stark, obwohl ich zur Musik der Band aufgrund
des dauernden Gitarrengequietsches ein etwas zwiespältiges
Verhältnis habe. Diesmal aber fiel das irgendwie nicht so
negativ ins Gewicht. Bandkopf Eugen glänzte wie üblich
wie hervorragenden Leads und Schreihals Andi ist in Österreich
sowieso einer der besten seines Fachs. Vor der Bühne hatten
sich zur Freude der Band auch etliche Todesbanger versammelt,
die das Massaker gebührend abfeierten, und beim abschließenden,
genialen Inequilibrium bin auch ich ein kleines bisserl
zum INFESTIGATION-Fan geworden.
Die
Deathgrind-Fraktion kam an diesem Tag gehörig auf ihre Kosten,
u.a. mit DISTORTED IMPALEMENT. Die Kärntner
hatten neben Grind und Blutsudeltexten auch ordentlich Groove
im Gepäck und sorgten für den ersten Pit des Tages.
Auch ein kleines Problem mit dem Ausfall einer Basstrommel konnte
sie nicht aus der Bahn werfen. Andi (v,g) und Albert (b) tollten
permanent über die Bretter und rotzten mit Japanese Slutfeast
auch eine brandneue Nummer heraus. Bei einer Nummer wurden 3 Banger
aus dem Publikum zur Verstärkung auf die Bühne geholt
und durften dort ihre Moshrunden drehen. Ja, die haben Spaß
gemacht.
Die
bayrischen Pagan-Metaller WOLFCHANT hatten mich
erst vor wenigen Monaten beim Ragnarök Festival komplett
überzeugt, und auch in Kaltenbach war’s wieder leiwand.
Die ganze Mannschaft war im Wolfchant-Leiberl angetreten und legte
in der grauenvoll brennenden Sonne mit dem Titelstück des
neuen Albums A Pagan Storm einen perfekten
Start hin. Danach kamen mit Ride To Ruhn und The
Betrayal 2 Nummern vom Vorgänger Bloody
Tales Of Disgraced Lands dran, bevor man sich am
Ende wieder auf das aktuelle Scheiberl konzentrierte und dessen
beste Stücke Guardians Of The Forest und Stärkend
Trunk aus Feindes Schädel abfeuerte. Den Reaktionen
(irgendwas mit „Zugabe!“…) nach zu urteilen
haben sich WOLFCHANT hier einige neue Freunde
gemacht.
DARKFALL,
die Band von Veranstalter Thomas „Spiwi“ Spiwak, sorgte
danach für einen der emotionalen Höhepunkte des gesamten
Festivals. Spiwi wirkte wie ein frisch in die Freiheit entlassenes
Raubtier, wirbelte in einer Tour herum, feuerte die Meute an und
setzte mit seiner (offenbar schon mit dem einen oder anderen Bier
geölten) Stimme dem rasanten, aber melodischen Death/Thrash
seiner Truppe die Krone auf. Zu hören gab es u.a. Stilling
My Rage und Phoenix Rising, bevor Spiwi zur ersten
großen Ansprache ansetzte, bei der er zunächst der
gesamten Kaltenbach-Mannschaft und allen Besuchern für die
Ermöglichung von 5 Jahren KOA dankte und
ihnen netterweise Never Ending Hate widmete. Danach erfolgte
die Abrechnung mit den „Arschlöchern, die diese Band
totschreiben“ und Spiwi dankte besonders den DARKFALL-Fans.
Speziell für sie kam dann Chapter Of Denial. Auf
diesem Weg möchte ich ebenfalls den Veranstaltern des KOA
zum 5er gratulieren und Spiwi zum Durchhaltevermögen mit
seiner von haufenweise Besetzungsproblemen geschüttelten,
aber immer wieder gestärkt zurückgekehrten Band (deren
Fan ich seit einem Auftritt im Wiener Weberknecht im Jahr 2000
bin) alle Achtung aussprechen. Die Menschenansammlung vor der
Bühne reagierte auf dieses Treiben mit Zugabeforderungen,
die mit Echoes From The Past (bei dessen Ankündigung
noch schnell die beiden neuen Gitarristen vorgestellt wurden)
belohnt wurden. Ich habe ja den Auftritt von 2005 noch in sehr
guter Erinnerung, und die heurige Vorstellung war wohl mindestens
ebenso stark.
Gerne
hätte ich die „österreichischen Napalm Death“,
also die Salzburger Grindcore-Partie MASTIC SCUM
miterlebt, aber irgendwie hatte ich leichte Kreislaufprobleme
und zog mich für ein Weilchen zurück, wodurch sie mir
leider komplett entgangen sind.
Die
slowakischen Todesgrindlinge SANATORIUM erfreuen
sich ja in der Wiener Death/Grind –Szene großer Beliebtheit,
wobei ich aber den Grund noch nicht wirklich herausgefunden hab.
Ich kann an diesem sehr eintönigen Gegrunze nichts finden,
und irgendwie waren die Reaktionen auf den Auftritt auch bei weitem
nicht so euphorisch wie ich eigentlich angenommen hätte.
Kann jetzt echt nicht mehr dazu sagen. Naja, der Gitarrist hatte
eine nette Haube auf.
Wieder
zurück in deutlich metallischere Strukturen, aber zu ebenso
brutaler Musik führten dann die spanischen Deather AVULSED,
die zwar ebenfalls sehr unter der Sonne litten („Don’t
you think we have enough sun in Spain?“), aber dennoch viel
Spaß an ihrem Auftritt gehabt haben dürften. Immer
wieder wurde das Ende angekündigt, um dann doch wieder noch
ein Stück und noch ein Stück zu spielen, darunter zu
meiner großen Freude auch das Exodus-Cover Piranha.
Als dann irgendwann doch Schluss war, hatten sich auch meine Kreislaufprobleme
so einigermaßen verflüchtigt.
Dafür
war es auch höchste Zeit, denn jetzt standen mit SETHERIAL
die typischsten und nach Dark Funeral zweitgenialsten Vertreter
der von mir so hoch geschätzten schwedischen Black Metal
– Schule am Programm. Aus irgendwelchen Gründen dauerte
der Soundcheck 10 Minuten länger als geplant, was sich noch
negativ auf die Spielzeit auswirken sollte. Beim Starter Hellstorms
Of The Empyrean war der Sound trotzdem unter jeder Sau, was
sich aber zum Glück bereits beim Nord-Klassiker
I Nattens Famn sehr deutlich besserte. Trotz der nach
wie vor erbärmlichen Hitze lieferten die Schweden eine Black
Metal – Gala ab, was auch nicht weiter schwer ist, wenn
man Stücke wie The Underworld, Curse Of The Manifest
und From The Ancient Ruins im Gepäck hat. Bangen,
posen, kreischen – so gehört das! Nach Death Triumphant
wurde der Band leider mitgeteilt, dass sie nur noch Zeit für
ein einziges Stück hätte. Laut Setlist wären noch
För Dem Mitt Blod, Aeons Of Bloodlust und Summon
The Lord With Horns vorgesehen gewesen, so aber musste man
sich leider mit letzterem begnügen. Kurz nach dem Abgang
kam die Band nochmal auf die Bühne, im Glauben, doch noch
ein Stück spielen zu dürfen, wurde aber zu den Klängen
von Van Halen’s Jump wieder zurückgepfiffen. Schöner
Scheissdreck…auf alle Fälle aber wieder einmal ein
sehr starker Auftritt von SETHERIAL. Jederzeit
gerne wieder!
Jetzt
war es an der Zeit, Gewandvorräte für die Abendstunden
vom Zelt herbeizuschaffen. Da dieses leider immer noch ebenso
weit entfernt war wie am Vortag und zudem unterwegs noch einige
kleinere Plauschereien anfielen, habe ich leider die erste Hälfte
von WACO JESUS versäumt und es gibt keine
Gasmasken-Fotos. Die Ami-Fahnen auf der Bühne haben mir zwar
nicht übermäßig gefallen, aber musikalisch gab
es nicht zu meckern, immer schön ordentlich aufs G’nack
und ein paar nette Moshpits. Bin aber kein Experte für die
Band und kann daher nicht mehr als das berichten.
Anders
als im beliebtesten Märchenbuch der Welt trat in Kaltenbach
der Moses erst nach dem Jesus in Erscheinung. Auf HOLY
MOSES hatte ich mich schon wochenlang gefreut, und vor
lauter Vorfreude musste auch das Essen beim Inder entfallen. Dafür
wurde ich mit ein paar Sekunden von Warlock’s All We Are
– zum Soundcheck von Sabina gebrüllt – entschädigt
- na, wenn das kein guter Tausch ist… Die Hamburger Thrasher
feiern heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Los ging es mit Master
Of Disaster, welches erfreulicherweise neben End Of Time
das einzige Stück aus der Zeit nach der 2001 erfolgten
Rückkehr war. Ansonsten widmete man sich bei dieser Jubiläumsshow
ausschließlich den Klassikern, was einen alten Thrashsack
wie meinereinen schon mal an den Rand der Extase hätte treiben
können, wenn nur der Gitarrensound etwas fetter gewesen wäre.
Sabina Classen ist wohl der Inbegriff der klassischen Thrash-Einstellung
plus exzessiver Bühnenshow, eine dankbare Angelegenheit für
Fans und Fotografen. Daneben dann noch Wuchteln wie „Wir
sind zwar kein Black Metal, aber dafür ist die Nacht schwarz“,
„Die Sonne ist endlich weg, und dafür sind jetzt wir
da“ oder in Richtung einiger männlicher Fans, die das
selbe Baujahr wie die The New Machine Of Liechtenstein
(1989) haben: „Wir sind die letzte Band, danach kommt ihr
mit mir ins Hotel. Euch nehm’ ich alle 5 durch – glaubt
mir, das hält jung!“ – die versteht echt was
von ihrer Arbeit als Metal-Frontfrau. Da können sich sogar
die Herren Mille, Angelripper und Schmier (naja, zumindest die
ersteren 2) noch was abschauen. Musikalisch dominierten die beiden
Kultscheiben Finished With The Dogs
(In The Slaughterhouse, Life’s Destroyer, Finished With
The Dogs) und eben The New Machine Of Liechtenstein
(Lost In The Maze, das geniale, endlich wieder gespielte
Def Con II und SSP) den regulären Teil,
wobei daneben auch noch meine Lieblingsnummer Nothing For
My Mum (mit dazugehörigem Intro) sowie World Chaos
zum Zug kamen. Sabina schaffte es mit ihrer enthusiastischen
Art, auch Leute zu begeistern, die an sich nicht unbedingt die
größten Fans der Band oder ihrer Stilrichtung sind.
Und dann: „Wir sparen uns jetzt das Theater, von der Bühne
zu gehen, euch nach Zugaben schreien zulassen und wieder zu kommen,
denn so haben wir noch Zeit für 2 Stücke, sonst nur
für eines. Also, ich hör’ jetzt einfach im Geist
eure Zugabeschreie.“ Was musste jetzt noch kommen? Natürlich
Current Of Death und zum Abschluss das bewährte
Dead Kennedys – Cover Too Drunk To Fuck, bei dem
etliche Fans und die gesamte Obscurity-Mannschaft zum gemeinsamen
Bangen und Geburtstag-Feiern auf die Bühne geholt wurden.
Vergessen wir jetzt kurz den ziemlich standortabhängigen
Gitarrensound und das nicht gerade berauschende Schlagzeugspiel
von Atomic Steif: HOLY MOSES waren einfach nur
genial.
Sabina
Classen hatte den Anwesenden zum Abschluss noch viel Spaß
mit KAMPFAR gewünscht, und den hatten jetzt
sichtlich auch ziemlich viele (u.a auch die – wie üblich
überaus freundliche -Bühnen-Security, von der sich da
gleich mehrere plötzlich ziemlich im Takt bewegten). Für
mich war es bereits das dritte Konzert der Norweger in diesem
Jahr, allerdings mit 2 Unterschieden zu den anderen beiden. Zum
einen hatte man Kledd I Bryne Og Smykket Blodorm in der
Setlist durch Lyktemenn ersetzt und – viel wichtiger:
Seit kurzem ist live ein zweiter Gitarrist dabei, der allerdings
zumindest in Kaltenbach nicht näher vorgestellt wurde. Natürlich
kann das ganze dadurch noch fetter als bei früheren Auftritten.
Ansonsten alles wie gehabt: Dolk wie ein Berserker, Jon ständig
auf der Bühne unterwegs und Thomas völlig in sein Gitarrenspiel
versunken. Vor der landschaftlichen Kulisse in Kaltenbach ist
die Musik von Kampfar natürlich nochmal ein anderes Erlebnis
als in irgendeiner zigarettenverstunkenen Hütte, und auch
Dolk zeigte sich angetan von der Umgebung. Gespielt wurden Troll,
Bukkeferd, Ravenheart (für mich persönlich der
stimmungsmäßige Höhepunkt, eine Art Draufgabe
zur Holy Moses – Euphorie), Død Og Trolldom,
das erwähnte Lyktemenn und Garman Av Drømmer,
bevor die „Hits” Hymne und Norse
die Stimmung zum Abschluss kochen ließen. Gewohnt leiwand!
Ein
kaputter Gitarrenverstärker und ein kommunikationstechnisch
nicht sehr fitter bandeigener Techniker sorgten danach dafür,
dass die Umbaupause vor VADER eine geschlagene
Stunde dauerte und die Polen nur knapp über 35 Minuten knüppeln
konnten. Aber diese Zeit hatte es dafür umso mehr in sich.
Unglaublich, wie da jetzt allen Anwesenden der Oasch ausgehaut
wurde. Technisch perfekt, eine Orgie der gnadenlosen musikalischen
Gewalt. Gespielt wurden u.a. Wings, Sothis, Black To The Blind
(danke an Christoph, der mir da etwas auf die Sprünge geholfen
hat) und mehrere neuere Sachen, alles jetzt logischerweise ohne
viel Gequatsche und unnötige Zwischen-Intros. VADER
waren in Kaltenbach 2004 eine Macht und 2007 eine Supermacht.
THE
HAUNTED – ich sag’s gleich: Sie waren noch
nie mein Fall, so oft ich auch versucht hab, sie mir schön
zu hören. Dieses Neo-Thrash-Zeugs ist für mich einfach
nur schwer zu ertragen. Fairerweise sei gesagt, dass Peter Dolving
ein guter Frontmann ist und dass sie technisch sowieso über
alle Zweifel erhaben sind. Altes und neues Zeugs kam gleichermaßen
zum Zug (u.a. Trespass, D.O.A., Bury Your Dead, Abysmal, All
Against All, The Flood, The Medication, The Reflection, The Drowning),
aber irgendwann hat’s mir einfach gereicht und ich hab mich
Richtung Zelt verabschiedet, um den 2. Tag des KOA 2007
lieber mit der Begeisterung über die 3 Bands davor und Setherial
zu beenden als mit Entsetzen darüber, was heutzutage alles
unter „Thrash“ laufen darf.
Tja,
das war’s auch schon wieder. War wie immer geil. Auf der
positiven Seite bleiben die Mehrzahl der Bands, das Wiedersehen
mit Obscurity, viele nette Leute, der Erwerb einiger lang gesuchter
CD’s, wie immer die Landschaft, die nette Security, die
verbesserte Fressstand-Situation, die geringere Anzahl an Deppen
in Vergleich zu früheren Jahren (subjektiver Eindruck wie
alles andere auch), die etwas bessere Betreuung der Dixies - Danke
und Gratulation an alle an der Organisation und Durchführung
des KOA beteiligten Leute!
Nicht so toll: Immer noch nicht so guter Sound
wie in den ersten Jahren, ein paar wenige Bands und die paar Deppen,
die halt doch da waren.
Und jetzt schön brav auf Kaltenbach 2008 freuen!