2007-07-13-14 AT – Spital am Semmering

Das KALTENBACH OPEN AIR ging heuer bereits in die 5. Runde und ist damit nicht nur Österreichs geilstes, sondern auch erfolgreichstes Metal-Festival bisher. Die landschaftlich großartige Umgebung im Semmering-Gebiet, eine immer hochkarätige musikalische Besetzung und die zumeist sehr freundlich gesonnene ansässige Bevölkerung sind wohl die Faktoren, die für diesen Erfolg ausschlaggebend sind und die auf lange Jahre weiterer genialer Kaltenbach Open Air Festivals hoffen lassen.
Aber alles der Reihe nach, jetzt geht’s einmal um das KOA 2007. Die Veranstalter hatten im Vorfeld mit einigen bandtechnischen Ärgernissen - konkret: relativ kurzfristigen Ausfällen – zu kämpfen, wobei vor allem die nicht gerade genau begründete Absage der geplanten Freitag-Hauptattraktion Napalm Death nicht nur den Leuten vom Kulturverein Kaltenbach, sondern auch einigen Fans einen vorübergehenden Dämpfer versetzte. Belphegor, die eigentlich abgesagt hatten, rutschen, da sie jetzt doch konnten, dadurch wieder ins Programm und Dark Funeral rückten auf die Position des Freitags-Headliners.

• • • Fotos • • •


THE HAUNTED - DARK FUNERAL - VADER - BELPHEGOR - KAMPFAR - HOLY MOSES - LEGION OF THE DAMNED - ZYKLON - WACO JESUS - DORNENREICH - SETHERIAL - TÝR - AVULSED - GOREROTTED - SANATORIUM - SARKOM - MASTIC SCUM - GODDAMNED X - DARKFALL - SANGUIS - WOLFCHANT - OBSCURITY - DISTROTED IMPALENT - FREUND HEIN - INFESTIGATION - EREBOS - CONSPIRACY UNMASKED - DEFENDER KFS - MISANTHROPIC MIGHT - VARULV - SEPSIS - RAW

FREITAG 13. Juli

Nach Durchlaufen der üblichen Rituale, also Zeltplatzsuche, Zeltaufbau, Erleichterung über angenehme Menschen in den umgebenden Zelten, und Mittagessen, hatten wir es leider geschafft, die ersten 4 Bands, nämlich RAW, VARULV, die Wiener Death/Thrash – Institution DEFENDER KFS und EREBOS verpasst zu haben, wobei ich von letzteren wenigstens akustisch so einiges mitbekommen habe und der melodische, aber heftige Death Metal der Steirer kam ziemlich überzeugend über die Höhenmeter gewummert. Schade, die wären es wohl wert gewesen, den ganzen Auftritt mitzubekommen.

Immerhin aber waren wir rechtzeitig zu FREUND HEIN da, deren Konzerte optisch mindestens ebenso viel Wert haben wie musikalisch (Unwissende können das leicht anhand der Fotos feststellen). Blödel-Death Metal auf höchstem technischem Niveau, der auch noch dann hörens- und sehenswert ist, wenn man die Partie eigentlich eh schon x-mal live erlebt hat. Stücke wie In den letzten Zügen liegt die Menschheit oder das eine Sekunde lang dauernde Sandwich brachten die Dinge, die gesagt werden mussten, auf den Punkt, auch wenn eine halbe Stunde natürlich viel zu kurz ist, um den HEINgeist in seiner ganzen verheerenden Wirkung zu spüren.

Die Leute von OBSCURITY habe ich vor 5 Jahren auf einer Mini-Tour mit meiner damaligen Band Atenoux (in der übrigens auch Kaltenbach-Veranstalter Fred Kargl aktiv war) durch Deutschland und Belgien kennengelernt. Nachdem ich sie schon damals nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich sehr leiwand gefunden hab, freute ich mich schon ziemlich darauf, sie wieder zu treffen. Ihr Auftritt hat mich dann aber echt einigermaßen beeindruckt, das ist wirklich toller, mitreißender Pagan Metal mit ordentlich Wucht und super Melodien. Dieser Meinung war anscheinend nicht nur ich, ging es doch in den ersten Reihen schon recht ausgelassen zu. Da wurde gebangt, Texte wurden mitgegrölt – so gehört sich das. Stücke wie Bergische Löwen, Götterdämmerung, Ruhm und Ehr oder Auf in die letzte Schlacht sollten bei Pagan-Metallern keine Wünsche offen lassen, und ich empfehle den Kauf der neuen CD Schlachten und Legenden. Am Ende wurde heftig nach mehr verlangt und OBSCURITY duften als erste Band des heurigen KOA eine Zugabe spielen. Super!

An sich war es ein angenehm kühler Nachmittag, aber auf Black Metal – Bands lastet in Kaltenbach sowas wie ein Sonnenfluch, und so kam die gelbe Scheisskugel natürlich auch zu SANGUIS hervor. Diese hatten bei ihrem bereits dritten Kaltenbach-Auftritt sicherheitshalber sowieso gleich auf die Kriegsbemalung verzichtet, sodass diese ihnen dann nicht vom Gesicht rinnen konnte. Sie präsentierten hauptsächlich Stücke der bald erscheinenden neuen CD Ascension, die deutlich mehr in die norwegische Richtung gehen als die älteren, stark von der schwedischen Schule beeinflussten. Als Anhänger der letztgenannten bin ich von dieser Entwicklung nicht allzu begeistert und dementsprechend fand ich am alten Autumn Emperor auch wesentlich mehr Gefallen als an neuem Zeugs wie My Curse oder Unser Feind. Irgendwie sind die genialen Melodien anscheinend mit dem Ausstieg von Hellsaw – Betreiber Aries verschwunden. Man muss aber sagen, dass die Stücke zumindest überzeugend rübergebracht und auch anständig beklatscht wurden, vor allem von den nicht gerade wenigen SANGUIS-Leiberl-Trägern. Hm….

Ebenfalls bereits zum dritten Mal gaben sich GODDAMNED X die Ehre, bei denen neben Veranstalter Fred mit Bassist Boerny und Helmut (v, g) zwei weitere Herren aus der Kaltenbach-Mannschaft tätig sind. Mit dabei war außerdem auch noch einiges an Anhängern, die ordentlich Stimmung machten, und auch mir ist der Auftritt ziemlich gut reingelaufen, vor allem neuere Nummern wie Devour The Enemy oder das Titelstück der zweiten CD The Art Of Closing Eyes. Aber auch älteres Material (Drugged To Extremes) ist da irgendwie überzeugender als früher rübergekommen. So groovten, posten und prügelten sich die Gottverdammten zu einem der besten Auftritte, die ich bisher von ihnen erlebt habe.

Die norwegischen Schmink-Weltmeister SARKOM hatten dann natürlich auch wieder die Sonne zu Gast, als sie mit gutem Sound (der zwar insgesamt besser als im Vorjahr war, aber noch lang nicht die Qualität der ersten 3 Jahre erreichte), antraten, um den guten Monastery-Auftritt (vergangenen Herbst) unter den gestrengen Augen und Ohren von Nocturnal Hall zu bestätigen. Letzteres gelang ihnen auf dem sich langsam gut füllenden Gelände mühelos, weshalb die Mähnen auch nicht nur auf der Bühne flogen. Das überdimensionale umgedrehte Kreuz des Sängers wirkte zwar etwas pompös und lächerlich, aber das soll den geneigten Fan nicht weiter stören. Höhepunkte waren Infected und wieder einmal das Darkthrone-Cover In The Shadow Of The Horns, bevor man sich nach dem abschließenden The Chosen Ones ohne Worte davonmachte, allerdings nicht ohne Applaus der vielen Black-Metaller.

Danach wurde es endlich ernst für die Grind-Fraktion, als GOREROTTED sich mit Fuck Your Arse With Broken Glass zum zweiten Mal nach 2004 anschickten, in Kaltenbach Schmankerln aus ihrer interessanten Fantasie zum Besten zu geben. Zum Unterschied von damals gab es diesmal zunächst leider nur eher kleine Pit-Ansätze, obwohl Only Tools And Corpses oder Masticated By The Spasticated doch eigentlich mehr als deutlich dazu einladen. Herr Goreskin lobte dafür die nette Gegend und letztendlich spielte sich dann doch noch einiges vor der Bühne ab, sodass die Engländer auch bereitwillig mit To Catch A Killer (bei dem zwar kein Circle-Pit, aber immerhin eine Polonaise zustande kam) die lauten Zugabeforderungen erfüllten. Trotzdem nicht ganz so gut wie 2004.

Ein krasserer Gegensatz zu Gorerotted als TÝR geht wohl echt nimmer. Aber die Herren von den Färoern hatten von Anfang an leichtes Spiel. Unglaublich, wie viele Anhänger diese für meine Begriffe ziemlich fade Mischung aus langsamem Heavy Metal und ebenso langsamem Pagan Metal hat. TÝR wurden bejubelt wie ein Headliner, egal ob gerade Regin Smiur, Hail To The Hammer oder Lord Of Lies dran war. Die Band peitschte die Meute auch permanent an, mich konnten sie aber irgendwie nicht im geringsten begeistern, außer mit dem irischen Traditional The Wild Rover, mit dem die sehr intensiv zum Ausdruck gebrachten Wünsche nach einer Zugabe erhört wurden. Objektiv gesehen waren TÝR wohl bisher die eindeutigen Sieger.

[Dunja] Der Auftritt von DORNENREICH war für die Fans der Band schon lange erwartet, da diesmal nicht nur ein Akustik-, sondern ein Metal-Set auf dem Programm stand. Die Entwicklung der Band in die eher langsame Richtung war bei Liebhabern der ersten drei Alben nur teilweise begrüßt worden und so galt es herauszufinden, ob DORNENREICH es nicht vergessen haben ordentlich zu rocken. Neben Eviga und Inve standen auch wieder der ehemalige Schlagzeuger Gilvan (aka Moritz Neuner) sowie Thomas Helm und Schwadorf von Empyrium mit auf der Bühne und hatten dort nicht nur mit technischen Problemen (Stromausfall) zu kämpfen. Auch wenn die Her Von Welken Nächten-geprägte Setlist eigentlich jedem Fan der alten Stunde die Freudentränen in die Augen treiben sollte gelang das Zusammenspiel nicht so ganz und es kam einfach nicht die Atmosphäre rüber, die die Musik auf CD so besonders macht. Somit kann man hier von einem durchaus netten, aber doch eher unbefriedigenden Gig sprechen.

ZYKLON brachten dann wieder deutlich mehr Brutalität ins Spiel. Von der Erscheinung auf der Bühne her erinnern sie ja sowieso schon sehr stark an Morbid Angel, und auch musikalisch ist die eine oder andere Parallele hörbar. Die Norweger boten einen Querschnitt aus ihren bisherigen 3 Alben, aber irgendwie war das ganze trotz permanent sehr hohem Energiefaktor doch eine etwas eintönige Angelegenheit.

Mittlerweile war es halb elf und saukalt, sodass LEGION OF THE DAMNED gerade zur richtigen Zeit kamen. Ich war davon ausgegangen, jetzt den Höhepunkt des gesamten Festivals zu erleben, was aber ein Irrtum war. Irgendwie fehlte dem Sound der Druck, und auch die Darbietung der Niederländer war nicht so wirklich mörderisch. Zwar begann man mit Son Of The Jackal und Undead Stillborn vom (– da bin ich mir jetzt schon sicher –) Album des Jahres 2007 Sons Of The Jackal, konzentrierte sich aber in der Folge eigentlich mehr auf das meiner Meinung nach wesentlich weniger tolle Debüt. „This One Is About My Sexual Pleasure – Taste Of The Whip!“ war darüber hinaus so ungefähr das unterhaltsamste, was der gute Maurice an diesem Abend von sich gab, ansonsten wirkten die Ansagen eher routiniert als enthusiastisch. Werewolf Corpse, Malevolent Rapture, Infernal Wrath und Diabolist kamen dann mit ein bisserl mehr Wucht daher und bei der Zugabe Legion Of The Damned kam sogar mein Thrasher-Herz noch in Schwung. Naja, insgesamt dann doch recht gut, aber nicht der erwartete Wahnsinn.

Danach war es Zeit für die allseits herbeigesehnten BELPHEGOR, die mit The Goatchrist und Chants For The Devil auch wirklich grandios loslegten, als sei der Satan persönlich über den Semmering gekommen. Danach aber ragten nur noch wenige Stücke heraus (für mich persönlich wieder einmal Diaboli Virtus In Lumbar Est), zu viel langsames Zeugs kam da insgesamt aus den Boxen. Sepulture Of Hypocrisy oder Bluhtsturm Erotika mögen geniale Kompositionen sein, aber live muss ich sie nicht unbedingt haben. Abgesehen davon machte sich zur fortgeschrittenen Zeit (es war bereits Geisterstunde) doch auch allgemein ein bisserl Schlappheit breit, was auch Hellmuth nicht entging, der versuchte, die Meute nochmal in Schwung zu bringen, was ihm aber leider nur mäßig glückte. Die Reaktionen auf Swarm Of Rats oder Seyn Todt In Schwarz waren zwar gut, aber nicht mehr als das. Erst das abschließende Lucifer Incestus brachte das Höllenfeuer nochmal zum Lodern und das für gute Unterhaltung sorgende Bild von Herrn Josef Ratzinger alias Papst in den Händen eines genialen Zeitgenossen in den ersten Reihen zum furchtsamen Erzittern. Ganz so langsam können sie letztendlich irgendwie doch nicht gewesen sein, waren sie doch um 10 Minuten früher als geplant mit dem Auftritt fertig. Wie bei Legion Of The Damned: Guter Auftritt, aber nicht so genial wie erwartet.

Ein Uhr ist eindeutig um mindestens eine Stunde zu spät für die Hauptband an einem Festivalabend – Jahr für Jahr das gleiche Problem, und leider keine Änderung in Sicht - im Gegenteil, heuer war es überhaupt fast halb zwei (und das war laut Plan auch so vorgesehen). Dementsprechend hatten DARK FUNERAL schon am Anfang ihres Sets weniger Leute als die Bands davor, und aufgrund des katastrophalen Sounds während der ersten 2 Drittel des Auftritts beschleunigte sich diese Entwicklung auch weiterhin noch. Die ersten paar Stücke lang hörte man fast nur Getrommel (übrigens erst das dritte Konzerts des neuen Schlagzeugers, der seinen eh schon sagenhaften Vorgänger Matte Modin sogar noch übertrifft), und so waren – wie leider öfter bei DF-Konzerten der Fall - geniale Black Metal – Knaller wie King Antichrist, Diabolis Interium, Ravenna Strigoi Mortii oder The Arrival Of Satans Empire nicht einmal der halbe Spaß. Man hatte den Eindruck, als würde die Band einen kompletten Scheiß zusammenspielen und Masse alias Caligula extrem schwach bei Stimme sein, auch wenn das uralte Open The Gates, Vobiscum Satanas und die vom letzten Album stammenden 666 Voices Inside und Attera Totus Sanctus von den noch Ausharrenden eh fest bejubelt wurden. Doch bei Secrets Of The Black Arts besserte sich der Sound plötzlich deutlich und man wurde endlich der Tatsache gewahr, dass hier eigentlich die genialste schwedische Black Metal – Partie am Werk war. Hail Murder und die Zugaben Atrum Regina und An Apprentice Of Satan konnte man dann noch richtig genießen – schade dass das laut Setlist vorgesehene My Dark Desires entfallen ist.

Damit war Tag 1 vorüber, Bilanz vor allem dank einiger „kleinerer“ Bands sehr positiv, aber kein völliger Überschwang der Begeisterung meinerseits. Doch es war, so viel sei verraten, der etwas „schwächere“ der beiden Tage.

SAMSTAG 14. Juli

Entsetzliche Hitze hatte sich über das Land gelegt, als der zweite Tag mit SEPSIS begann. Die Salzburger machten zwar einen sehr sympathischen Eindruck, waren aber musikalisch doch einigermaßen deplaziert. Mit stellenweisen Spuren von melodischem Hardcore, größtenteils aber in Richtung sehr eines sehr zahmen Heavy Metal gehend, konnten die Burschen wohl außer ihren mitgereisten Fans kaum jemand der ohnehin nicht gerade vielen Leute, die um diese Zeit schon das Gelände bevölkerten, von sich überzeugen.

Anders sah die Sache dann schon bei MISANTHROPIC MIGHT aus. Ihr Schlagzeuger Slavetrader hatte am Vortag noch mit starken Kreislaufproblemen zu kämpfen, wovon ihm allerdings zumindest in dieser halben Stunde nichts anzumerken war. Nachdem ab dem zweiten Stück auch der Sound sehr gut war, hatte die deutlich angewachsene Menge vor der Bühne ihren Spaß und feierte sich zu Stücken wie Evil, Misanthropic Might, Winterland oder Menschenhasser den Vortagsrausch aus dem Blut. MISANTHROPIC MIGHT hätten definitiv einen besseren Startplatz verdient gehabt.

Leider habe ich CONSPIRACY UNMASKED komplett verpasst, da der Mittagshunger nicht mehr zu unterdrücken war und die Grillkotelettes beim unteren Wirten zumindest einmal pro KOA Pflicht sind (an dieser Stelle aber trotzdem großes Lob an die Veranstalter für die stark verbesserte Verpflegungssituation beim Gelände – vor allem der Inder war eine sehr gute Idee). Die ersten Takte, die uns noch beim Hinuntergehen begleiteten, deuteten aber auf recht gut zubereiteten Thrash hin. Eigentlich echt blöd, die verpasst zu haben.

Ungefähr zur Halbzeit der Brutal-Deather INFESTIGATION war ich dann wieder im Spiel, was ein Glück war, denn der Auftritt war wirklich stark, obwohl ich zur Musik der Band aufgrund des dauernden Gitarrengequietsches ein etwas zwiespältiges Verhältnis habe. Diesmal aber fiel das irgendwie nicht so negativ ins Gewicht. Bandkopf Eugen glänzte wie üblich wie hervorragenden Leads und Schreihals Andi ist in Österreich sowieso einer der besten seines Fachs. Vor der Bühne hatten sich zur Freude der Band auch etliche Todesbanger versammelt, die das Massaker gebührend abfeierten, und beim abschließenden, genialen Inequilibrium bin auch ich ein kleines bisserl zum INFESTIGATION-Fan geworden.

Die Deathgrind-Fraktion kam an diesem Tag gehörig auf ihre Kosten, u.a. mit DISTORTED IMPALEMENT. Die Kärntner hatten neben Grind und Blutsudeltexten auch ordentlich Groove im Gepäck und sorgten für den ersten Pit des Tages. Auch ein kleines Problem mit dem Ausfall einer Basstrommel konnte sie nicht aus der Bahn werfen. Andi (v,g) und Albert (b) tollten permanent über die Bretter und rotzten mit Japanese Slutfeast auch eine brandneue Nummer heraus. Bei einer Nummer wurden 3 Banger aus dem Publikum zur Verstärkung auf die Bühne geholt und durften dort ihre Moshrunden drehen. Ja, die haben Spaß gemacht.

Die bayrischen Pagan-Metaller WOLFCHANT hatten mich erst vor wenigen Monaten beim Ragnarök Festival komplett überzeugt, und auch in Kaltenbach war’s wieder leiwand. Die ganze Mannschaft war im Wolfchant-Leiberl angetreten und legte in der grauenvoll brennenden Sonne mit dem Titelstück des neuen Albums A Pagan Storm einen perfekten Start hin. Danach kamen mit Ride To Ruhn und The Betrayal 2 Nummern vom Vorgänger Bloody Tales Of Disgraced Lands dran, bevor man sich am Ende wieder auf das aktuelle Scheiberl konzentrierte und dessen beste Stücke Guardians Of The Forest und Stärkend Trunk aus Feindes Schädel abfeuerte. Den Reaktionen (irgendwas mit „Zugabe!“…) nach zu urteilen haben sich WOLFCHANT hier einige neue Freunde gemacht.

DARKFALL, die Band von Veranstalter Thomas „Spiwi“ Spiwak, sorgte danach für einen der emotionalen Höhepunkte des gesamten Festivals. Spiwi wirkte wie ein frisch in die Freiheit entlassenes Raubtier, wirbelte in einer Tour herum, feuerte die Meute an und setzte mit seiner (offenbar schon mit dem einen oder anderen Bier geölten) Stimme dem rasanten, aber melodischen Death/Thrash seiner Truppe die Krone auf. Zu hören gab es u.a. Stilling My Rage und Phoenix Rising, bevor Spiwi zur ersten großen Ansprache ansetzte, bei der er zunächst der gesamten Kaltenbach-Mannschaft und allen Besuchern für die Ermöglichung von 5 Jahren KOA dankte und ihnen netterweise Never Ending Hate widmete. Danach erfolgte die Abrechnung mit den „Arschlöchern, die diese Band totschreiben“ und Spiwi dankte besonders den DARKFALL-Fans. Speziell für sie kam dann Chapter Of Denial. Auf diesem Weg möchte ich ebenfalls den Veranstaltern des KOA zum 5er gratulieren und Spiwi zum Durchhaltevermögen mit seiner von haufenweise Besetzungsproblemen geschüttelten, aber immer wieder gestärkt zurückgekehrten Band (deren Fan ich seit einem Auftritt im Wiener Weberknecht im Jahr 2000 bin) alle Achtung aussprechen. Die Menschenansammlung vor der Bühne reagierte auf dieses Treiben mit Zugabeforderungen, die mit Echoes From The Past (bei dessen Ankündigung noch schnell die beiden neuen Gitarristen vorgestellt wurden) belohnt wurden. Ich habe ja den Auftritt von 2005 noch in sehr guter Erinnerung, und die heurige Vorstellung war wohl mindestens ebenso stark.

Gerne hätte ich die „österreichischen Napalm Death“, also die Salzburger Grindcore-Partie MASTIC SCUM miterlebt, aber irgendwie hatte ich leichte Kreislaufprobleme und zog mich für ein Weilchen zurück, wodurch sie mir leider komplett entgangen sind.

Die slowakischen Todesgrindlinge SANATORIUM erfreuen sich ja in der Wiener Death/Grind –Szene großer Beliebtheit, wobei ich aber den Grund noch nicht wirklich herausgefunden hab. Ich kann an diesem sehr eintönigen Gegrunze nichts finden, und irgendwie waren die Reaktionen auf den Auftritt auch bei weitem nicht so euphorisch wie ich eigentlich angenommen hätte. Kann jetzt echt nicht mehr dazu sagen. Naja, der Gitarrist hatte eine nette Haube auf.

Wieder zurück in deutlich metallischere Strukturen, aber zu ebenso brutaler Musik führten dann die spanischen Deather AVULSED, die zwar ebenfalls sehr unter der Sonne litten („Don’t you think we have enough sun in Spain?“), aber dennoch viel Spaß an ihrem Auftritt gehabt haben dürften. Immer wieder wurde das Ende angekündigt, um dann doch wieder noch ein Stück und noch ein Stück zu spielen, darunter zu meiner großen Freude auch das Exodus-Cover Piranha. Als dann irgendwann doch Schluss war, hatten sich auch meine Kreislaufprobleme so einigermaßen verflüchtigt.

Dafür war es auch höchste Zeit, denn jetzt standen mit SETHERIAL die typischsten und nach Dark Funeral zweitgenialsten Vertreter der von mir so hoch geschätzten schwedischen Black Metal – Schule am Programm. Aus irgendwelchen Gründen dauerte der Soundcheck 10 Minuten länger als geplant, was sich noch negativ auf die Spielzeit auswirken sollte. Beim Starter Hellstorms Of The Empyrean war der Sound trotzdem unter jeder Sau, was sich aber zum Glück bereits beim Nord-Klassiker I Nattens Famn sehr deutlich besserte. Trotz der nach wie vor erbärmlichen Hitze lieferten die Schweden eine Black Metal – Gala ab, was auch nicht weiter schwer ist, wenn man Stücke wie The Underworld, Curse Of The Manifest und From The Ancient Ruins im Gepäck hat. Bangen, posen, kreischen – so gehört das! Nach Death Triumphant wurde der Band leider mitgeteilt, dass sie nur noch Zeit für ein einziges Stück hätte. Laut Setlist wären noch För Dem Mitt Blod, Aeons Of Bloodlust und Summon The Lord With Horns vorgesehen gewesen, so aber musste man sich leider mit letzterem begnügen. Kurz nach dem Abgang kam die Band nochmal auf die Bühne, im Glauben, doch noch ein Stück spielen zu dürfen, wurde aber zu den Klängen von Van Halen’s Jump wieder zurückgepfiffen. Schöner Scheissdreck…auf alle Fälle aber wieder einmal ein sehr starker Auftritt von SETHERIAL. Jederzeit gerne wieder!

Jetzt war es an der Zeit, Gewandvorräte für die Abendstunden vom Zelt herbeizuschaffen. Da dieses leider immer noch ebenso weit entfernt war wie am Vortag und zudem unterwegs noch einige kleinere Plauschereien anfielen, habe ich leider die erste Hälfte von WACO JESUS versäumt und es gibt keine Gasmasken-Fotos. Die Ami-Fahnen auf der Bühne haben mir zwar nicht übermäßig gefallen, aber musikalisch gab es nicht zu meckern, immer schön ordentlich aufs G’nack und ein paar nette Moshpits. Bin aber kein Experte für die Band und kann daher nicht mehr als das berichten.

Anders als im beliebtesten Märchenbuch der Welt trat in Kaltenbach der Moses erst nach dem Jesus in Erscheinung. Auf HOLY MOSES hatte ich mich schon wochenlang gefreut, und vor lauter Vorfreude musste auch das Essen beim Inder entfallen. Dafür wurde ich mit ein paar Sekunden von Warlock’s All We Are – zum Soundcheck von Sabina gebrüllt – entschädigt - na, wenn das kein guter Tausch ist… Die Hamburger Thrasher feiern heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Los ging es mit Master Of Disaster, welches erfreulicherweise neben End Of Time das einzige Stück aus der Zeit nach der 2001 erfolgten Rückkehr war. Ansonsten widmete man sich bei dieser Jubiläumsshow ausschließlich den Klassikern, was einen alten Thrashsack wie meinereinen schon mal an den Rand der Extase hätte treiben können, wenn nur der Gitarrensound etwas fetter gewesen wäre. Sabina Classen ist wohl der Inbegriff der klassischen Thrash-Einstellung plus exzessiver Bühnenshow, eine dankbare Angelegenheit für Fans und Fotografen. Daneben dann noch Wuchteln wie „Wir sind zwar kein Black Metal, aber dafür ist die Nacht schwarz“, „Die Sonne ist endlich weg, und dafür sind jetzt wir da“ oder in Richtung einiger männlicher Fans, die das selbe Baujahr wie die The New Machine Of Liechtenstein (1989) haben: „Wir sind die letzte Band, danach kommt ihr mit mir ins Hotel. Euch nehm’ ich alle 5 durch – glaubt mir, das hält jung!“ – die versteht echt was von ihrer Arbeit als Metal-Frontfrau. Da können sich sogar die Herren Mille, Angelripper und Schmier (naja, zumindest die ersteren 2) noch was abschauen. Musikalisch dominierten die beiden Kultscheiben Finished With The Dogs (In The Slaughterhouse, Life’s Destroyer, Finished With The Dogs) und eben The New Machine Of Liechtenstein (Lost In The Maze, das geniale, endlich wieder gespielte Def Con II und SSP) den regulären Teil, wobei daneben auch noch meine Lieblingsnummer Nothing For My Mum (mit dazugehörigem Intro) sowie World Chaos zum Zug kamen. Sabina schaffte es mit ihrer enthusiastischen Art, auch Leute zu begeistern, die an sich nicht unbedingt die größten Fans der Band oder ihrer Stilrichtung sind. Und dann: „Wir sparen uns jetzt das Theater, von der Bühne zu gehen, euch nach Zugaben schreien zulassen und wieder zu kommen, denn so haben wir noch Zeit für 2 Stücke, sonst nur für eines. Also, ich hör’ jetzt einfach im Geist eure Zugabeschreie.“ Was musste jetzt noch kommen? Natürlich Current Of Death und zum Abschluss das bewährte Dead Kennedys – Cover Too Drunk To Fuck, bei dem etliche Fans und die gesamte Obscurity-Mannschaft zum gemeinsamen Bangen und Geburtstag-Feiern auf die Bühne geholt wurden. Vergessen wir jetzt kurz den ziemlich standortabhängigen Gitarrensound und das nicht gerade berauschende Schlagzeugspiel von Atomic Steif: HOLY MOSES waren einfach nur genial.

Sabina Classen hatte den Anwesenden zum Abschluss noch viel Spaß mit KAMPFAR gewünscht, und den hatten jetzt sichtlich auch ziemlich viele (u.a auch die – wie üblich überaus freundliche -Bühnen-Security, von der sich da gleich mehrere plötzlich ziemlich im Takt bewegten). Für mich war es bereits das dritte Konzert der Norweger in diesem Jahr, allerdings mit 2 Unterschieden zu den anderen beiden. Zum einen hatte man Kledd I Bryne Og Smykket Blodorm in der Setlist durch Lyktemenn ersetzt und – viel wichtiger: Seit kurzem ist live ein zweiter Gitarrist dabei, der allerdings zumindest in Kaltenbach nicht näher vorgestellt wurde. Natürlich kann das ganze dadurch noch fetter als bei früheren Auftritten. Ansonsten alles wie gehabt: Dolk wie ein Berserker, Jon ständig auf der Bühne unterwegs und Thomas völlig in sein Gitarrenspiel versunken. Vor der landschaftlichen Kulisse in Kaltenbach ist die Musik von Kampfar natürlich nochmal ein anderes Erlebnis als in irgendeiner zigarettenverstunkenen Hütte, und auch Dolk zeigte sich angetan von der Umgebung. Gespielt wurden Troll, Bukkeferd, Ravenheart (für mich persönlich der stimmungsmäßige Höhepunkt, eine Art Draufgabe zur Holy Moses – Euphorie), Død Og Trolldom, das erwähnte Lyktemenn und Garman Av Drømmer, bevor die „Hits” Hymne und Norse die Stimmung zum Abschluss kochen ließen. Gewohnt leiwand!

Ein kaputter Gitarrenverstärker und ein kommunikationstechnisch nicht sehr fitter bandeigener Techniker sorgten danach dafür, dass die Umbaupause vor VADER eine geschlagene Stunde dauerte und die Polen nur knapp über 35 Minuten knüppeln konnten. Aber diese Zeit hatte es dafür umso mehr in sich. Unglaublich, wie da jetzt allen Anwesenden der Oasch ausgehaut wurde. Technisch perfekt, eine Orgie der gnadenlosen musikalischen Gewalt. Gespielt wurden u.a. Wings, Sothis, Black To The Blind (danke an Christoph, der mir da etwas auf die Sprünge geholfen hat) und mehrere neuere Sachen, alles jetzt logischerweise ohne viel Gequatsche und unnötige Zwischen-Intros. VADER waren in Kaltenbach 2004 eine Macht und 2007 eine Supermacht.

THE HAUNTED – ich sag’s gleich: Sie waren noch nie mein Fall, so oft ich auch versucht hab, sie mir schön zu hören. Dieses Neo-Thrash-Zeugs ist für mich einfach nur schwer zu ertragen. Fairerweise sei gesagt, dass Peter Dolving ein guter Frontmann ist und dass sie technisch sowieso über alle Zweifel erhaben sind. Altes und neues Zeugs kam gleichermaßen zum Zug (u.a. Trespass, D.O.A., Bury Your Dead, Abysmal, All Against All, The Flood, The Medication, The Reflection, The Drowning), aber irgendwann hat’s mir einfach gereicht und ich hab mich Richtung Zelt verabschiedet, um den 2. Tag des KOA 2007 lieber mit der Begeisterung über die 3 Bands davor und Setherial zu beenden als mit Entsetzen darüber, was heutzutage alles unter „Thrash“ laufen darf.

Tja, das war’s auch schon wieder. War wie immer geil. Auf der positiven Seite bleiben die Mehrzahl der Bands, das Wiedersehen mit Obscurity, viele nette Leute, der Erwerb einiger lang gesuchter CD’s, wie immer die Landschaft, die nette Security, die verbesserte Fressstand-Situation, die geringere Anzahl an Deppen in Vergleich zu früheren Jahren (subjektiver Eindruck wie alles andere auch), die etwas bessere Betreuung der Dixies - Danke und Gratulation an alle an der Organisation und Durchführung des KOA beteiligten Leute!
Nicht so toll: Immer noch nicht so guter Sound wie in den ersten Jahren, ein paar wenige Bands und die paar Deppen, die halt doch da waren.
Und jetzt schön brav auf Kaltenbach 2008 freuen!

 

story & pics © Gunnar