Wie
auch schon hunderte andere Bands auch, haben sich SLARTIBARTFASS
dem Viking Metal verschrieben. Was tut diese Ulmer Gruppe auf
Nebelheim also, um sich von der Vielzahl
ähnlich gelagerter Musikanten abzuheben?
Zuallererst fällt auf, dass bei SLARTIBARTFASS
eine epische Struktur vorherrscht, fröhliche (Trink-)Lieder
sind klar in der Unterzahl. Gleichzeitig macht sich eine meist
stampfende Härte in den Liedern breit, denen es allerdings
ob ihrer Länge am zündenden Funken fehlt, um mein
für Klänge solcher Art offenes Gemüt zu entflammen.
Zumindest beim Eröffnungsstück Herbstlied
gibt es von mir nur leisen Applaus. Eine ins Ohr gehende Keyboardmelodie
und hymnenhaftes Midtempo sorgen zwar für gefälliges
Wohlwollen, nicht aber für Begeisterung. Dazu fehlt es
dem Lied an Überraschungen und stimmlicher Variation. Beim
folgenden St.Cuthbert sieht die Sache schon ganz anders
aus, denn ein Dudelsack läutet dieses Sahnestück an
geschickter Komponierkunst ein. Dabei war ich ob des perfekten
Klanges des „Blasebalgs“ ein wenig wegen der Echtheit
skeptisch… ein Blick auf die Besetzungsliste macht deutlich,
dass die Klänge nicht synthetisch sind – die das
Instrument bedienende Jessica ist eben eine Meisterin ihres
Fachs. Sänger Daniel klingt hier auch wesentlich eindringlicher.
Oft dominieren ausgedehnte Instrumentalpassagen, die den unspektakulären
Beginn vergessen lassen. Leider werden dem Blasinstrument zu
wenige weitere Einsätze gewährt. Dafür darf Nicolas
mit seinem Akkordeon dem Stück Erdmacht einen
prägenden Stempel aufdrücken. Der sehr gut gelungene
Soloteil der Maultrommel lässt mich ebenso aufhorchen.
Die Gitarre ist durch die vielseitige Instrumentierung in den
Hintergrund gedrängt, rifft zwischendurch jedoch mal los,
um für die nötige Härte zu sorgen.
SLARTIBARTFASS haben mit Nebelheim
ein Album eingespielt, das viel mehr Wert auf Atmosphäre
denn auf eingängig-fröhliche Mitsing-Schunkelnummern
legt. Die Kreativität im Gebrauch der Instrumente und die
sparsame Verwendung von Klischees hieven die Veröffentlichung
ein Stück aus der Masse heraus. Beim nächsten Mal
könnte die Gruppe dem Gesang mehr Abwechslung angedeihen
lassen und auch dem Dudelsack mehr Platz zum Atmen geben –
Zeit dafür bleibt in den meist überlangen Stücken
ja genug.
SLARTIBARTFASS sind auf dem richtigen Weg,
so mancher Viking Metal Fan sollte den lohnenden Gang nach Nebelheim
antreten, doch Vorsicht ist geboten: auf den Wegweisern stehen
als Orientierung Attribute wie „kämpferisch“
oder „nachdenklich“ und weniger „fröhlich“
oder „zum Mitgrölen“!