THE LOVE CRAVE – The Angel And The Rain

 
Label: RepoRecords
Release: 20.10.2006
Von: Daniel
Punkte: 7.5/10
Time: 43:20
Stil: Gothic Rock
URL: The Love Crave
 
Einschmeichelnden, glattpolierten Gothic Rock mit Chat-Potential ist man eher von Vertretern aus finnischen Landen wie HIM oder Negative gewohnt. THE LOVECRAVE aus Mailand im sonnigen Bella Italia belehren uns dagegen eines besseren. Weder androgyne Mädchenschwarme mit exzessivem Verbrauch von Haarspray oder der Farbe pink heischen um das Taschengeld des in erster Linie jüngeren Publikums, sondern eine optisch nicht gerade unattraktive Frontfrau mit ordentlicher Rockröhre und ihre eher in den Hintergrund gerückten männlichen Mitstreiter buhlen um die Gunst der durchaus über den Gothic-Tellerrand hinaus im Mainstream angesiedelten Zielgruppen.
Sängerin Francesca und Gitarrist Tank haben The Angel And The Rain in weniger als nur einem Monat geschrieben. Die beiden sind allerdings musikalisch gesehen auch keine unbeschriebenen Blätter; Francesca war bereits in Italien bei einem Major-Label auf Solopfaden unterwegs. So ist in der kurzen Zeit ein grundsolides Album entstanden, bei dem die Sängerin ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und eine Story inklusive der manga-ähnlichen Comicfigur Rain entwickelt hat, um die sich die einzelnen Songs zu einem Konzeptalbum zusammenfügen.
Musikalisch fehlten mir allerdings die wirklich herausragenden, innovativen Momente, um sich – von der Stimme mal abgesehen – von der etablierten skandinavischen Konkurrenz abzugrenzen. Als musikalische Einflüsse nennt das Presseinfo Bands wie Iron Maiden oder gar The Chemical Brothers. Im Endeffekt haben wir es aber eher mit einer etwas biederen Mischung aus klassischen Rockelementen und Nu-Rock-artigen Passagen zu tun, die – mit etwas Elektronik angereichert – selten Überraschungsmomente birgt und ordentlich glatt poliert wurde. Nichtsdestotrotz finden sich neben einigem an farbloser Kost und pathetischen Augenblicken („Thank You God. Thank You For The Darkness.“) doch Momente, in denen der Rezensent ordentlich in den Punktesack greift. Vampires (The Light That We Are) als kraftvolle Rocknummer zum Einstieg ködert mit Ohrwurmrefrain und fast schon plakativ kitschigen, aber effektvollen Synthieelementen. Can You Hear Me? als Highlight des Albums schlägt in die gleiche Kerbe: Einlullendes Pianointro wie -Outro umfassen einen mitreißenden, hitverdächtigen Song, bei dem die Sängerin im Refrain stimmlich alles gibt. Da haben die Italiener alles richtig gemacht, auch wenn ich so manche Gitarrenelemente schon mal bei Moonspell gehört habe. Kurz vor Schluss des Albums steht mit der Coverversion von Duran Durans The Chauffeur eine Zeitreise in die tiefsten 80er an. THE LOVECRAVE machen dem eher behäbigen Original ordentlich Feuer unterm Arsch und verwandeln es in ein tanzflächenkompatibles Gitarrenbreitbandformat. Bravo!
Die drei Songs retten die Finnen aus Italien mit der Sängerin und ihrer kraftvoll betörenden Stimme vor dem oberen Mittelmaß und lassen mich an HIM- und Negative-affine Musikhörer eine dringende Kaufempfehlung richten.