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2006-11-20 DK – Kopenhagen - Loppen

Nach dem Neurosis Konzert in London ging es weiter nach Kopenhagen, um sich eines der famosesten Doom Packages der letzten Jahre anzuschauen (Doom Festivals mal ausgenommen ;)). Da die heißgeliebten SATURNUS nur bei 4 Gigs dabei waren und sie es trotz ungemeiner Popularität und langjähriger Existenz bisher nicht geschafft haben, mal ordentlich die europäischen Lande zu betouren, musste der Berg mal wieder zum Propheten. Aber wer kann solch einem Line-up schon widerstehen... ;) Ich hätte so ja auch sonst nach Holland fahren können, dummerweise war da grad der Gig in London...
An einem recht frischen Montag Mittag setzte ich dann über, doch bevor ich das Königsreich verlassen durfte, wurde ich erst mal komplett auseinander gepflückt. Nachdem man auf deutscher Seite sogar die extra Kontrollen der Briten inzwischen abgeschafft hatte und sich auch sonst keine Sau für mein Handgepäck interessierte, wanderte bei der Ausreise ein Großteil des Inhalts in den Müll und wurde meine Fotoausrüstung komplett auseinander genommen. Selbst kosmetische „Kleinigkeiten“ wie Mascara und Lip-Gloss gelten heuer als gefährliche Flüssigkeiten und wurden mit spitzen Fingern entsorgt. Also aufgepasst Mädels! Danach hatte aber niemand was dagegen, das ich mich im Duty Free Shop wieder komplett eindeckte. Da wurde nix mehr kontrolliert, musste nix in eingeschweißte Plastiktüten oder ähnliches transportiert werden. Die spinnen die Briten...
In Kopenhagen angekommen erwartete mich bei eiskalten Temperaturen eine 5-Sterne Jugendherberge. Was für ein Genuss! Und Kopenhagen selbst? Eine wunderbare Stadt! Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal diese Hauptstadt anzutun. Ihr werdet begeistert sein :)
Das Loppen zu finden war allerdings nicht ganz so einfach und beim Rumfragen traf ich ausgerechnet auf 2 doomfreudige Schweden, die es auch nicht besser wussten ;) Nachdem wir dann aber 2 mal dran vorbeigelaufen waren, fanden wir unseren Bestimmungsort, einen gemütlichen familiären Club für ca. 200 Leute...

:: Fotos ::

:. THURISAZ ~ eröffneten den Reigen viertel vor 9 (laut Webseite sollte es um 8 losgehen) und hatten den etwas undankbaren Job, das Publikum aufzuwärmen. Die frisch unter Vertrag genommenen Jungspunde aus Belgien ließen sich davon aber nicht abschrecken und gingen vom ersten Augenblick an in die Vollen. Bis auf 2 Tracks des letzten Albums Scent Of A Dream kamen alle Songs vom Labeldebüt Circadian Rhythm, welches in Kürze über die Ladentheke wandern sollte. Die Songs waren sehr abwechslungsreich, mal mit kurzen Highspeed Attacken, wundervollen erhabenen Melodien, Solos, akustischen Einsprengseln hier, symphonischem Background dort. Gleichermaßen abwechslungsreich war auch der Gesang, wobei THURISAZ Chef, Gitarist und Sänger Peter den größten Anteil hatte mit seinen Grunts und cleanem Gesang. Der zweite Gitarist Mattias gab die tiefen Growls, während Keyborder Kobe hier da und mit etwas höheren cleanen Gesang Akzente zu setzen versuchte. Gelang ihm live aber nicht so gut, da sein Gesang irgendwie neben der Spur klang. Ansonsten gab es aber nix zu meckern ;) Das neue Material klingt ein bisschen straighter, während die Keys nicht mehr ganz so plakativ sind. Fand ich durchaus überzeugend! Dem Publikum hat es auch gefallen, auch wenn die Reaktionen noch eher zurückhaltend waren und sich die Mehrheit das Spektakel erst mal von der Theke aus ansah...
Setlist: When Images Are Fading, Circardian Rhythm, Scent Of A Dream, Drowning, Point Of No Return

:. SATURNUS ~ setzten der Zurückhaltung dann aber augenblicklich ein Ende. Hier wurde deutlich, wie unglaublich beliebt diese Band ist. Das ist vermutlich eine der Triebfedern, die SATURNUS die Kraft gaben, all die Jahre immer weiter zumachen, trotz der einen oder anderen schlechten Periode. Die Jungs sind aber auch so was von sympathisch. Sie schwirrten vor und nach der Show ständig im Loppen herum, kümmerten sich liebevoll um Fans, Merchandise und die anderen Bands. Toll! Perfekte Gastgeber!
Eröffnet wurde mit Pretend vom aktuellen Album Veronica Decides To Die, danach ging es für 45 Minuten quer durch die gesamte Historie bis hin zum 96iger Debüt Paradise Belongs To You, wobei jedoch die Songs vom 2000er Überflieger Matyre die größten Emotionen heraufbeschworen. Die Fans waren regelrecht aus dem Häuschen und feierten die Band frenetisch, ja lagen sogar auf den Knien ;) Gänsehaut pur! Beim letzten Song Murky Waters gesellte sich dann noch der November’s Doom Sänger Paul Kuhr ans Mikro. Zwischendurch wurde gescherzt und gewitzelt (hab natürlich kein Wort verstanden) und den anderen Bands salutiert und Respekt erwiesen. Ganz großes Kino! Tolle Show.
Setlist: Pretend, Starres, I Long, (Softly On The Path You Fade?), I Love Thee, Empty Handed, Inflame Thy Heart, Rain Wash Me, Christ Goodbye, Murky Waters

:. AGALLOCH ~ wurden danach zwar ebenso herzlich empfangen, dennoch hatte sich ein Teil des Publikums wieder zurückgezogen und verfolgte das Geschehen aus der Theken-/Sitzposition. In Räucherstäbchenduft geschwängerter Luft eröffneten AGALLOCH überraschenderweise mit Of Stone Wind And Pillor von der gleichnamigen EP aus 2001. Auch hier gab es dann neben neuen Songs vom aktuellen Album Ashes Against The Grain eine fantastische Retrospektive vom Schaffen der Amis. Jeweils ein Song von jedem Album (ok, 2 von The Mantle ;)). Sänger und kreativer Kopf John Haughm hatte zwar ein paar geringfügige Probleme beim cleanen Gesang, das schmälerte aber in keiner Weise die emotionsgeladene Show. AGALLOCH hatten keinerlei Schwierigkeiten die einzigartige Atmosphäre ihrer Alben auch live rüberzubringen. Zusammen mit den Räucherstäbchen konnte man nahezu die Wälder Oregons riechen. Dabei tobten sie sich richtiggehend auf der Bühne aus und genossen den Zuspruch der Fans. Der letzte Song wurde einem Freund einer deutschen Band gewidmet, der sich 2005 das Leben nahm, und an dessen Ende Gitarist Don Anderson samt Gitarre zu Boden ging. Das ging unter die Haut!
AGALLOCH sind wie November’s Doom zum ersten Mal livehaftig in Europa unterwegs. Scheint ihnen gut zu gefallen, hoffentlich spornt sie das an, bald mal wieder vorbeizuschauen ;)
Setlist: Of Stone Wind And Pillor, Falling Snow, Limbs, Odal, Dead Winters Days, In The Shadow Of Our Pale Companion, Bloodbirds

:. NOVEMBER’S DOOM ~ hatten danach ein wenig Mühe, das müde Fußvolk kurz vor Mitternacht wieder auf Kurs zu bringen. Ging aber ruckzuck ;) Sänger Paul hat sich mittlerweile zum absoluten Schwergewicht entwickelt, was aber seine Agilität auf der Bühne keine Deut beeinträchtigte. Mit pathetischen Posen wurde noch einmal alles gegeben, was der Doom-Sektor an Emotionen zu wecken vermag. Die Gitarrenfront stand dem Volke beim bangen in nichts nach – ergibt übrigens ein ziemliches Haargewusel auf der Bühne *g* Das heißt, die Band hatte auch ungemein viel Spaß, scherzte mit dem Publikum, ließ eine textsichere Dame zwischendurch das Mikro übernehmen (klang sogar ziemlich gut) oder bedankten sich an anderer weiblicher Stelle für nackte Tatsachen ;) Wie bei jeder Band an diesem Abend gab es einmal mehr „Liebesbezeugungen“ in Richtung der anderen Musiker und großes Bedauern darüber, dass dies der letzte Gig mit Saturnus war. Aber um dem noch eins draufzusetzen, enterte Saturnus Sänger Thomas dann im Gegenzug die Bühne und sang das letzte Stück im Duett mit Paul. Großartig! Bleibt noch zu erwähnen, das NOVEMBER’S DOOM im Februar ihr sechstes Album The Novella Reservoir über The End Records veröffentlicht werden, von welchem 2 Songs (Rain, Drown The Inland Mere) präsentiert wurden. Jaaa, hört sich wirklich vielversprechend an… ;)
Setlist: The Pale Haunt Departure, Not The Strong, Rain, With Rue & Fire, Autumn Reflection, The Day I Return, Drown The Inland Mere, Within My Flesh, Lost In A Day, Dark World Burden // In The Absence Of Grace, Dethroned Emperor

Es lässt sich wohl nicht verheimlichen: es war ein grandioser Abend, ein fantastisches Konzerterlebnis, für das sich die Reise mehr als nur 100%ig gelohnt hat. Alle vier Bands haben wirklich ihr Allerbestes gegeben, waren unglaublich sympathisch und haben zusammen eine ganz besondere Atmosphäre erschaffen. Dieses Konzert wird mir lange in Erinnerung bleiben! Danke Jungs!

 

story & pics © Dajana