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David Kuckhermann

 
2019-06-18+19 DE – Bochum - RuhrCongress
 

| Einlass: 19:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr | Tickets: 43,50 € - 72,25 Euro + Gebühren |

 

A Celebration – Life & Works 1980-2019

[Dajana] Nach den DEAD CAN DANCE Shows in 2012 und 2013, bei denen noch eine deutlich zu spürende Distanziertheit zwischen Lisa Gerrard und Brendan Perry festzustellen war, hatte ich noch orakelt, dass sowohl die Band als auch deren Konzerten nun einiges von ihrem Kult, ihrer Magie und ihrer Einzigartigkeit verlieren könnten.
Nun denn, auf Tour waren DEAD CAN DANCE hierzulande seitdem nicht mehr. Und auch auf ein neues Album mußten wir lange warten.

[Dajana] Fünf Jahre nach dem fantastischen Comeback-Album Anastasis veröffentlichte das legendäre Duo im November 2018 Dionysus, ein Album über den Gott des Weines, des Wahnsinns und der Ekstase. Dabei wendeten sich DCD noch weiter der Weltmusik zu und ließen dabei zum Teil exotische Einflüsse aus aller Herren Länder zu. Über die musikalische Umsetzung und Tiefe des Albums mag man streiten, eine Tour von DEAD CAN DANCE sollte man aber nie verpassen!
[Psycho] Das stimmt, auch wenn ich die beiden letzten Alben eher als durchschnittlich empfunden habe – zumindest gemessen an den Ansprüchen, die man hier haben darf. Von der innovativen Schaffenskraft der früheren Werke war da jedenfalls nicht mehr viel geblieben.
[Dajana] Tatsächlich folgt die aktuelle Tour nicht dem Sohne des Zeus, sondern wurde A Celebration – Life & Works 1980-2019 tituliert und implizierte somit eine Show mit Songs durch das gesamte Schaffenswerk der Band.

[Dajana] Für die Tour 2019 hatte man sicherheitshalber gleich zu Beginn Doppelshows gebucht, denn die jeweils ersten Dates waren im Handumdrehen ausverkauft. Dem folgte oft auch der zweite Tag. Deutschland wurde mit jeweils zwei Konzerten in Berlin und Bochum bedacht - interessante Städte-Kombination ;) Natürlich war der :: RuhrCongress :: zu Bochum unsere erste Wahl. Beide Shows waren sehr gut besucht, aber nicht ausverkauft, obwohl das verbliebene Ticketkontingent am zweiten Tag größer war als am ersten. Es war heiß an diesem Dienstag, aber der aufkommende Wind (Vorbote der zu erwartenden Hitzegewitter) machte den Abend recht angenehm. Das Gros der Fans war dem Anlass entsprechend festlich gekleidet, mit einer nicht zu übersehenden Dominanz der schwarzen Szene.

:: Fotos :: DAVID KUCKHERMANN ::

[Dajana] Wie schon 2012 und 2013 eröffnet auch heuer :: DAVID KUCKHERMANN :: den Abend als Support-Act. Der in Münster geborene Ausnahme-Percussionist gehört seit 2012 zur DCD Familie, er ist sowohl auf deren letzten beiden Alben als auch auf Kollaborationen mit Lisa Gerrard zu hören.
Der Meister der Handpans präsentierte 5 Stücke und erklärte auch zwischendurch ein wenig zur Herkunft und musikalischen Notation des Instruments. Ich bin immer wieder fasziniert welch ein reichhaltiges musikalisches Spektrum man mit solch einem „Kochtopf“ erzeugen kann ;)
[Psycho] Auch wenn es erst im weiteren Verlauf des Abends auffiel: bei DCD wurde nur ein Bruchteil von Davids musikalischen Fähigkeiten gefordert. Hier konnte er sich hingegen mal richtig austoben, was ihm augenscheinlich auch viel Spaß bereitete.
[Dajana] Beim dritten Stück rief er das Publikum auf zu erraten, in welchem Takt der Song geschrieben wurde (im NH Camp reichten die Vermutungen vom Walzer über Salsa/Merengue bis hin zum 7/8 Takt wie zum Beispiel in der bulgarischen Volksmusik… (merke: The Mystery Of The Bulgarian Voices mit David und Lisa?)) und dies ihm nach der Show am Stand mitzuteilen. Der erste würde eine CD abstauben können.
Die Krux an der Sache war allerdings: Es gab gar keinen Stand mit CDs, auch keinen DAVID KUCKHERMANN an einem Stand. Es gab überhaupt keinen Merchandise-Stand in Bochum, weder für ihn, noch für DCD, an keinem der beiden Tage. (Und es gab dieses Mal auch keine Muffins im RuhrCongress)

Setlist: X, X, X, X, Prelude

:: Fotos :: DEAD CAN DANCE ::

[Dajana] Es folgte eine halbe Stunde Pause, um sich mit Getränken zu versorgen und erfolglos das Merchandise zu suchen. Überall machte sich spürbar erwartungsfrohe Spannung breit. Endlich erklangen die ersten Töne zu Anywhere Out Of The World und :: DEAD CAN DANCE :: betraten unter frenetischem Beifall die Bühne.
Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus bei dieser Tour auf dem gesamten Schaffenswerk der Band. Da wunderte es kaum, dass Dionysus und Anastasis jeweils mit nur einem Song vertreten waren. Da hatten Alben wie das 87iger Within The Realm Of A Dying Sun und das 85iger Spleen And Ideal weit mehr Gewicht. Nicht das wir uns darüber beschwert hätten ;)
Bis auf Spiritchaser wurden alle Alben berücksichtigt, was, in Anbetracht der beiden Coverversionen, schon ein bisschen seltsam war.
[Psycho] Das stimmt, musikalisch sind diese (und weitere) einfach substantieller und interessanter, von daher sehr schön, dass es nicht einfach die Tour zur aktuellen Veröffentlichung ist.
[Dajana] Wer insbesondere bei der Tour 2005 dabei war, wird heute viele der Songs erneut zu hören bekommen haben, allerdings in neuen Interpretationen. Natürlich erzeugte spätestens das von Lisa Gerrard vorgetragene The Wind That Shakes The Barley am ganzen Körper Gänsehaut und wohlige Schauer (obwohl mitten im Song jemand im Publikum kollabierte und die schnelle und professionelle Hilfe Lisa doch sichtbar irritierte - Psycho) oder rührte wie bei Sanvean zu Tränen. Ich wusste teilweise gar nicht mehr, wie ich mich bei all den Schauern auf meinem Platz kringeln oder wohin ich all meine Emotionen packen sollte. Das war eine Achterbahn der Gefühle.
[Psycho] Ja, der alte DCD-Effekt, so fing das damals bei mir auch an…
[Dajana] Derweil gab es immer wieder Bewegung im 8-köpfigen Ensemble. Einzelne Musiker kamen und gingen, um den jeweiligen Hauptakteuren Raum zu schaffen.
Neben der bewährten Livecrew gehörte 2019 auch Robert Perry, der Bruder von Brendan Perry, dazu, der hier u.a. Flöte, Percussions und Bouzouki spielte sowie beim Gesang unterstützte.

[Dajana] Die gesangliche Leistung von Lisa Gerrard und Brendan Perry war über jeden Zweifel erhaben. Ich hatte vorher einige Befürchtungen bei Lisa, da ich sie in diesem Jahr schon mit The Mystery Of The Bulgarian Voices live gesehen hatte und dort, als auch im 2018er Havasi Video eine gewisse Kurzatmigkeit feststellen konnte. Davon war an diesem Abend aber nichts zu spüren. Ihre erhabene, ätherisch schöne Stimme ist und bleibt einfach unvergleichlich.
[Psycho] Aus meiner Sicht ist ihre Stimmphrasierung und -färbung minimal anders geworden, was aber wahrscheinlich einen ganz normalen Alterseffekt darstellt. Ansonsten war es wie gewohnt wieder mal enorm beeindruckend und berührend.
[Dajana] Und Brendan Perry mit seiner so unfassbar großartigen sonoren Stimme ist sowieso ein absolutes Highlight, ebenfalls noch vor kurzem auf seiner Solo-Tour in Köln erlebt.
[Psycho] Während die Stimme von Lisa ja eher was für die speziellen Momente im Leben ist, könnte ich Brendan stundenlang zu hören. Einfach schön!
[Dajana] Genauso ist es! Bei der Gelegenheit (und beim schreibseln hier) lief dann auch gleich mal wieder Brendan Perry’s Ark rauf und runter. Solch ein wunderbares und zeitloses Album!

[Dajana] Musikalisch hingegen gibt es sicherlich einiges anzumerken. Wie gewohnt, kam trotz des 8-köpfigen Ensembles immer noch viel vom Band, oder es wurde mit Loops gearbeitet. Eine komplette Orchestrierung oder Instrumentierung würde ja auch jeden Rahmen sprengen, auch wenn dies noch immer das ultimative DEAD CAN DANCE Konzerterlebnis wäre (meines Wissens nach bis dato nur einmal in Australien geschehen).
Die Band schien nicht sonderlich viel geprobt zu haben, so sah man doch einige Unsicherheiten bei den Musikern oder auch, dass Brendan Perry während einiger Lieder tatsächlich den Takt vorgeben musste. Aber auch der Sound hatte an so mancher Stelle seine Schwächen, wobei sich jetzt schwer sagen lässt, ob die Halle so schwer auszusteuern ist oder die Anlage bei einer Band wie DEAD CAN DANCE einfach ihre Grenzen erreicht.
[Psycho] Leute, die schon häufiger im RuhrCongress waren, schoben es auf die Hallenanlage. Ich saß während des Konzerts direkt hinter dem Mischpult, und dort gab es bei den „kritischen Momenten“ überhaupt keine Reaktion – was dafür spricht, dass man die Probleme schon während des Soundchecks bemerkt hatte und nicht korrigieren konnte.
[Dajana] Lisa Gerrard war in ein gleißend weißes Gewand gehüllt, dass jegliches Licht reflektierte und ihr einen schon göttlichen Anstrich verlieh. Sie agierte erhaben, wie eine Diva, dennoch fehlte ihre, wie noch 2013 erlebte, kühle Distanz, sowohl zum Publikum, als auch zu Brendan Perry und den anderen Musikern. Lisa Gerrad schien heute bester Laune zu sein und hatte mehrfach ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich würde sagen, dass es insbesondere Robert Perry schuldet war, dass die Stimmung auf der Bühne so famos war. Immer wieder erlaubte er sich kleine Gimmicks mit seinen Mitmusikern und versprühte gute Laune.

[Dajana] Für eineinhalb Stunden versanken die Fans im RuhrCongress in einen einzigartigen Klangkosmos mit einer emotionalen Achterbahn. Jeder Song wurde frenetisch beklatscht. Zwischendurch hielt es einige Fans nicht mehr auf ihren Sitzen, sprangen auf und tanzten sich die Seele frei. Das Publikum wurde nach tosendem Applaus, stampfen und stehenden Ovationen mit zwei Zugaben belohnt. Die erste mit Brendan Perry’s Tim Buckley Cover und Cantara, die zweite mit The Promised Womb und dem DEAD CAN DANCE Übersong Severance.

[Dajana] Es fiel schwer danach einfach nach Hause zu gehen. Viele Fans warteten im Foyer, um vielleicht doch noch einen der Musiker für ein Autogramm oder Selfie zu erwischen oder redeten sich ihre erlebten Emotionen von der Seele.

Band: Lisa Gerrard, Brendan Perry, David Kuckhermann (Percussions), Robert Perry (Flute, Percussions), Astrid Williamson (Keys, vox), Jules Maxwell (Keyboards und Gesang), Dan Gresson (Drums), Richard Yale (Bass)

Setlist: Anywhere Out Of The World, Mesmerism, Labour Of Love, Avatar, In Power We Entrust The Love Advocated, Bylar, Xavier, The Wind That Shakes The Barley, Sanvean, Indoctrination (A Design For Living), Yulunga (Spirit Dance), The Carnival Is Over, The Host Of Seraphim, Amnesia, Autumn Sun (Deleyaman cover), Dance Of The Bacchantes // Song To The Siren (Tim Buckley cover), Cantara // The Promised Womb, Severance

 

 

story © Psycho & Dajana • pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography