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SKELETON BASH FESTIVAL

 
2003-07-25-26 AT – Innsbruck - Hafen
 

LETZTE INSTANZ - DIE APOKALYPTISCHEN REITER - DARKSEED - SIEGFRIED - ASTERIUS - ELIS - DARK SEASON - POSSESSION - YARVIS

MY DYING BRIDE - PUNGENT STENCH - ANCIENT - HOLLENTHON - ASHES YOU LEAVE - DOOMSWORD - GARDENS OF GEHENNA - MASTIC SCUM - VOICES OF DECAY - SUNTERRA - TOUGH TRACE

Wenn man bedenkt, wie die Situation vor drei Jahren ausgesehen hat, als mit dem Mind Over Matter das einzige Metalfestival in Österreich abgesagt wurde, so ist es wirklich erfreulich, dass es mittlerweile doch einige Veranstalter in Österreich gibt, die Festivals organisieren. Als ich dann erfahren habe, dass MY DYING BRIDE am SKELETON BASH spielen sollten war es natürlich klar, wo ich an diesem Wochenende hinfahre, so hatte ich doch bereits 6 ½ Jahre gewartet diese Wahnsinnsband wieder auf der Bühne zu erleben. Leider begann das Ganze schon am Freitag um 12 Uhr und aufgrund der langen Fahrt und den Berufen meiner Mitfahrer konnten wir erst um etwa 18 Uhr am Festivalgelände sein, weswegen wir einige Bands verpassten. (Dunja)

Freitag

Mit ihrem ersten Österreich-Gig konnten ASTERIUS im Verlaufe ihrer Darbietung zahlreiche Leute in die Halle locken, machten es mit ihrem "Cosmic Metal" dem Publikum aber nicht gerade leicht. Nachdem ich ihre Eigenproduzierte Debüt CD bereits seit längerer Zeit zu Hause habe, war ich auf die Deutschen sehr gespannt, wie sie ihre Musik live umsetzen würden. Das Ergebnis war leider etwas ernüchternd, obwohl sich die Band sichtlich Mühe gab und äußerst sympathisch wirkte. Irgendwie schien ein roter Faden in den Songs zu fehlen, denn von Blastbeats über Power Metal zu Death Metal-Riffgewitter und Electro-Parts wurde alles geboten, wirkte aber zumindest live sehr bizarr und vertrackt, weshalb auch nur begrenzt Stimmung unter den Leuten aufkam. Man darf gespannt sein, wie sich ASTERIUS' Label-Debut, welches im Oktober erscheint, anhören wird - hoffentlich nicht derart schräg!


SIEGFRIED hatten anschließend doppelt leichtes Spiel, da sie mit ihrem verhältnismäßig einfachen Epic Metal für Party-Stimmung sorgten und gleichzeitig einen Heimvorteil verbuchen konnten. Die achtköpfige (!) Band, welche unter anderem drei Sänger vorzuweisen hat und die halbe Darkwell-Mannschaft in ihren Reihen zählt, präsentierte sieben Songs und verbreitete sichtlich gute Laune unter den Zuschauern. Man mag von den klischeehaften deutschen Texten halten was man will, auf der Bühne machte die Darbietung einfach Spaß, selbst wenn die Tiroler mit Soundproblemen zu kämpfen hatten. (Medion)

Von DARKSEED hatte ich bis dato noch nichts gehört, was sicherlich für meinen Gesamteindruck nicht unbedingt förderlich war, denn das Material kommt auf CD sicherlich besser an als auf der Bühne. So konnte mich die Band absolut nicht mitreißen, ich stand eher gelangweilt da und verließ die Halle so schnell wie möglich – dass die Deutschen auf Platte sicherlich ein Ohrenschmaus sind mag ich ja nicht abstreiten, aber live war’s wohl dann doch nix.

Und dann war es auch schon Zeit, für eine Band, die die Herzen der Österreichischen Fans in den letzten Jahren im Sturm erobert hatte und deren Erfolg beim heutigen Gig nichts im Wege stehen sollten: den APOKALYPTISCHEN REITERN. Wie erwartet fegten die Herren um den energischen Sänger Fuchs und den ewig ernst dreinblickenden Keyboarder Dr.Pest (der diesmal übrigens die Hälfte des Sets mit einer SM-Maske spielte) alles von der Bühne weg und boten ihren Fans eine Energiegeladene Show, bei der natürlich Klassiker wie The Iron Fist, Reitermania und das legendäre Metal Will Never Die nicht fehlen durften. Die Fans, die nicht genug bekommen konnten dürften aber vertröstet sein – denn bereits am Metalfest Vienna geben die REITER wieder einmal ihre Musik zum Besten.

DIE LETZTE INSTANZ war als Headliner – meiner bescheidenen Meinung – zwar deplaziert, konnte aber die Fans ebenso begeistern, was wohl an der ansehnlichen Bühnenshow gelegen hat. So blieb keiner der Herren auch nur ein paar Sekunden am selben Platz stehen, sogar Geiger Muttis Stolz war fast permanent am Herumhüpfen, ohne sich dabei zu verspielen. In gewohnter Manier gab es dann auch noch die obligatorische Pyroeffekt- und Lichtshow, die wohl jedem der Anwesenden in Erinnerung bleiben wird. Nette Show, doch nicht ganz das, was ich mir unter einem Headliner vorstelle.

Nachdem im Hafen die letzten metallischen Klänge am Abklingen waren schlug es uns noch zur Aftershowparty ins Innsbrucker Abyss, wo man bei feiner musikalischer Beschallung noch bis in die Morgenstunden weiterfeiern konnte.

Samstag

Nachdem die Sonne uns bereits um 8 Uhr aus dem Zelt vertrieb und wir den Vormittag damit verbrachten den regulären Flohmarkt zu inspizieren, der auf dem Hafengelände aufgebaut war (die Blicke der Leute werde ich wohl nie vergessen) dauerte es etwas länger als geplant bis die erste Band spielen konnte, da DIE LETZTE INSTANZ darauf bestanden hat mit ihrer eigenen Backline zu spielen und es dementsprechend länger dauerte die Festival-Backline wieder aufzubauen. Leider hatte dies zur Folge, dass den folgenden Bands die Spielzeit enorm gekürzt wurde, was zwar sehr schade war, aber wohl zu den üblichen Pannen eines Festivals gehört.

So standen als erste TOUGH TRACE auf der Bühne, von denen ich ebenfalls noch nichts gehört habe, weswegen ich auch nicht sagen kann woher die Burschen überhaupt sind bzw. wie lange es die Band schon gibt. Gebracht wurde 80er Jahre Metal im Stile alter Metallica – zwar nett anzuhören, aber nichts Besonderes.

SUNTERRA aus Wien habe ich mittlerweile schon etliche Male gesehen, so war auch dieser Auftritt für ihre Verhältnisse gelungen – mir gefällt der Gothic Metal nämlich nicht besonders. So wurde in gewohnter Manier das Wechselspiel Dame/Herr gebracht, bei einigen Teilen griff Sänger Carlos zur Querflöte und gab den Songs somit ein eigenes Flair. Dass die Band nicht gerade glücklich darüber war, bereits nach ihrem Hit, dem Falco Cover Out Of The Dark die Bühne verlassen zu müssen, war verständlich, aber nachdem die Wiener sowieso so oft live präsent sind (zumindest im Osten Österreichs) sollte dies für die Fans verschmerzbar sein. (Dunja)

VOICES OF DECAY verpassten wir leider aufgrund dringender Nahrungsaufnahme bzw. Schlafaufholung.

MASTIC SCUM hatten ebenfalls noch schweren Stand, als sie als dritte Band des Tages die Bühne enterten. Die Speerspitze des Österreichischen Grindcores rackerte sich redlich ab, wurde aber ziemlich ignoriert und sorgte nur für spärlichen Applaus. Scheinbar passt diese Stilistik nach wie vor nicht auf Festivals, denn qualitativ gab’s an dem gebotenen Material nichts auszusetzen.

Deutschlands Dark Metaller GARDENS OF GEHENNA konnten nicht wirklich überzeugen. Besonders durch den sterilen Drumcomputer wirkte das ganze Material sehr playback-mässig. Auch ihre Songs vermögen nicht zu beeindrucken, wenngleich man ihnen zugute halten muss, dass sie doch sehr eigenständig zu Werke gehen. (Medion)

Die Kroaten ASHES YOU LEAVE durften wir ja bereits im Zuge der Shadowcast Tour betrachten, somit war das Ganze nicht mehr so neu für uns. Begeistern konnte mich der Auftritt allerdings nicht, was wohl eher daran liegt, dass ich mit der Stimme der Sängerin Marina nicht wirklich zurechtkam – allzu hohe Frauenstimmen nerven ganz einfach. Ansonsten wirkte die Band auf der Bühne sehr spielfreudig und Marina wusste es nicht nur steif am Platz zu stehen um gelegentlich mit den Armen zu wackeln, sondern bangte und spielte Luftgitarre, was an sich sehr sympathisch war. Aber die Musik ist eben nicht ganz so meins… (Dunja)

HOLLENTHON waren der heimliche Headliner des Abends. Nicht nur, dass Martin Schirenc einen der eindrucksvollsten Frontmänner der österreichischen Metal-Szene darstellt, vielmehr fahren sie mit ihren bombastischen Samples einen Wahnsinnssound auf, der einen nur so mitreißt. Während mich die Band auf CD nicht wirklich überzeugen kann, sind sie live eine Macht. Mit einem Best-Of-Set aus ihren beiden Alben konnten sie nicht nur mich vollends begeistern, sondern versetzten auch drei Viertel der Halle in Trance. HOLLENTHON wirkt, vielleicht auch deshalb, weil ihre Musik eine völlig eigenständige Richtung einschlägt, die aber für fast jeden Metal-Fan was bieten kann... (Medion)

Auf ANCIENT war ich doch schon recht gespannt, weil diese Band doch ein gewisser Kultstatus umgibt. Leider wurde ich enttäuscht, denn bis auf Sängerin Deadly Kristin – die übrigens in Flip Flops auf der Bühne stand – die den Hauptteil des Black Metal Gekreisches übernahm war nichts Besonderes daran. Hinzu kam, dass die Protagonistin dermaßen demotiviert dastand, dass einem selber jegliche Stimmung verging. Gut, das Material war recht nett anzuhören, aber wenn eine Band einen solchen Status genießt erwartet man sich doch besseres... (Dunja)

Da sich Amon Amarth selbst eins ausgewischt hatten, indem sie in Schweden am Flughafen mit bewusstseinserweiternden Substanzen erwischt wurden, konnte mit PUNGENT STENCH ein würdiger Ersatz gefunden werden, wenngleich die Band bereits im vorigen Jahr beim Bash angetreten war. Trotzdem handelte es sich dabei um eine optimale Lösung, zumal ja bereits 2/3 der Mannschaft in Form von HOLLENTHON vor Ort waren. Die Wiener zeigten sich spielfreudig wie eh und je, sorgten mir ihrem "Weana Schmäh" zwischendurch für ein wenig Auflockerung und zockten sich durch ein farbenfrohes Programm, in dem kein "Hit" ausgelassen wurde. Mit dem abschließenden Cover La Bamba schlossen sie ihr Set und machten Platz für den heiß ersehnten Headliner des Abends... (Medion)

Sehnsüchtigst habe ich diesen Augenblick erwartet und zusammen mit einigen anderen MY DYING BRIDE Huldigern stand ich dann in der ersten Reihe, mit Tränen in den Augen als die Götter aus England endlich die Bühne betraten. Sänger Aaron wusste die sowieso schon wahnsinnig intensiven Songs mit seiner gequälten Mimik und Ausdrucksweise auf der Bühne voll zu unterstützen, so dass eine dermaßen intensive Atmosphäre entstand, die nicht nur mich vollkommen überrumpelte. Neben den neuen Songs wie She Is The Dark kamen aber vor allem die alten Stücke wie etwa The Cry Of Mankind oder das geniale A Kiss To Remember besonders gut an, auch das Keyboard wurde so eingesetzt dass es der nicht mehr existenten Geige glich. Eine wahrliche Gänsehaut überkam mich, als das Publikum die diversen Geigenklänge mitsang und summte – eine göttliche Stimmung. Einziger Wehmutstropfen war, dass das Konzert viel zu kurz dauerte und nicht mal eine Zugabe gebracht wurde, obwohl ich zusammen mit einer anderen MY DYING BRIDE Verehrerin noch minutenlang danach schrie (ein Gruß an Lisi an der Stelle ;-)) – wenn’s nach mir gegangen wäre hätten die Engländer noch 6 weitere Stunden spielen können. Ein wahrhaft würdiger Abschluss für dieses Festival – bleibt nur zu hoffen, dass ich nicht wieder 6 ½ Jahre auf eine Rückkehr warten muss und dass beim nächsten mal mehr alte Stücke und vor allem länger gespielt wird. (Dunja)

 
story © Dunja & Medion