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2006-04-15 DE – Georgsmarienhuette - Tor III

Heathen Crusade 2006

Mit den Landsmännern MOURNING BELOVETH und den finnischen Vikingmetallern MOONSORROW, die mit ihren Alben bei uns Höchstnoten abstauben, haben sich die Iren von PRIMORDIAL ein grandioses Line-up für die Heathen Crusade Tour 2006 zusammengestellt. Als deutscher Support fungierten GARDENS OF GEHENNA, die nach längerer Abstinenz endlich mal wieder ein Lebenszeichen von sich geben. Klarer Favorit des Abends waren ohne Zweifel MOONSORROW, aber ich war auch sehr gespannt auf die Doomster von MOURNING BELOVETH,die mit ihrem letzten Werk A Murderous Circus auf ganzer Linie überzeugen konnten…

:: Fotos ::

:. GARDENS OF GEHENNA ~ starteten viertel nach Acht vor rund 80 Leuten und offenbarten gleich mal eine neues altes Gesicht: Bastian Rosner, der zwischen 2002 und 2003 schon mal die Axt geschwungen hat, ist nun zurückgekehrt, nachdem Andreas Opel die Band im letzten Jahr verlassen hatte. Das erklärt dann auch das nagende Schweigen rund um die Band und das Ausbleiben des neuen Albums The Admirals Of The Narrow Seas. Obwohl nur als Trio unterwegs, hatten GARDENS OF GEHENNA dennoch reichlich Power auf der Bühne und boten die bekannte Mischung aus Doom und Gothic Metal, wobei Sänger/Gitarist Bastian mit seinen Growls den Schönen gab und Bassistin Birgit mit ihrer rauen Stimme das Biest manifestierte. Die Lacher auf ihrer Seite hatten sie, als Birgit den zweiten Song mit: „Die Vergewaltigung mit dem Presslufthammer – Prelude To Agony“ ankündigte, ein Track für ne Type O Negative Tribute Scheibe (vom Slow, Deep And Hard Album). GARDENS OF GEHENNA passten stilistisch gut zum Billing, die Resonanz war ebenfalls gut, wenn auch nicht überschwänglich, letzten Endes fehlte dann aber der vielgerühmte Funke, der spezielle Kick, um die 30 Minuten zu einem Highlight zu machen. Sicherlich wäre in kompletter Besetzung mit zweiter Gitarre und dem Keyboard nicht nur von der Konserve mehr drin gewesen, andererseits kann man sich die Leute ja auch nicht aus den Rippen schneiden ;) Solide Show, nicht mehr und auch nicht weniger.
Setlist: Requiem, Prelude To Agony, Tod & Teufel, Gethsemane, Rabennutte, Whore Devine

:. MOURNING BELOVETH ~ hatten es danach nicht wesentlich einfacher, was aber in der Natur der Musik liegt. Richtig guter Doom Metal ist zwar zum Hören zu Hause eine grandiose Sache, aber auf der Bühne nicht immer einfach zu transportieren, wenn man damit das Publikum anheizen und zum ausflippen bringen will. MOURNING BELOVETH ließen sich aber gar nicht erst beirren, rockten munter drauf los und brachten umgehend richtig Schwung in den Laden. Und das trotz bleischwerer melancholischer Riffs und Melodiebögen. Besonders schön fand ich den Wechselgesang von Sänger Darren (Growls) und Gitarist Frank (clean), kam super rüber :) Unerwartet rockige Show und viel Bewegung auf der Bühne. Hatte was!

:. MOONSORROW ~ überraschten zunächst mit deutscher Begrüßung und sorgten so im Handumdrehen für eine ausgelassene Stimmung. Was danach kam, war ein wahres Feuerwerk an geilen Riffs, eingängigen Melodien und ungebändigter Spielfreude. Was für eine Show! MOONSORROW halten jedes Fünkchen Versprechen, das sie mit ihren Alben suggerieren. Und trotz ständig umlaufender (Korn?)Pulle spielten die Jungs arsch-tight, bangten und rockten das Tor III in Grund und Boden. Darüber hinaus waren MOONSORROW ungemein sympathisch, bedankten sich haufenweise, meistens auf Deutsch, scherzten und flaxten rum, und das nicht nur auf der Bühne, sondern auch schon vor und nach der Show. Einfach nur grandios!!! Eine MOONSORROW muss man einfach erlebt haben. Da will ich definitiv mehr von!!! Also Kehrtwende Jungs, zu Hause rumhocken könnt ihr später… ;) (Cal)
Sehr positiv fiel auch auf, dass die Finnen, obwohl sie nur die vorletzte Band waren, knapp 70 Minuten Spielzeit zugestanden bekamen, bei einigen der letzten Konzerte an dieser „Position“ war es ja leider arg früh vorbei. Bei der Stimmung die auf der Bühne verbreitet wurde, wäre es aber auch wirklich gemein gewesen, eher abzubrechen… (Seb)
Setlist: Sankarihauta, Kylän Päässä, Ukkosenjumalan Poika, Kivenkantaja, Pimeä, Unohduksen Lapsi, Sankaritarina, Pakanajuhla // Tulkaapa Äijät!

:. PRIMORDIAL ~ sind sicherlich eine ambivalente Angelegenheit. Die Musik der Iren ist das eine, die Liveperformance – insbesondere von Mastermind Nemtheanga – eine andere Sache. Wer PRIMORDIAL einmal gesehen hat, weiß, was ich meine. Entweder man liebt oder man hasst es, dazwischen gibt es nicht besonders viel Spielraum. Während die Band eher versunken in die eigene Musik vor sich hin spielte und nur gelegentlich mit Bang- und Bewegungsausbrüchen agierte, steckte Nemtheanga dermaßen voller Energie, dass er wie ein Derwisch mit keltischem Warpaint und dramatischen Gesten über die Bühne hetzte und die Fans aggressiv zum mitmachen aufforderte. Dazwischen genehmigte er sich den einen oder anderen Becher Coke/Jim Beam und boxte seinen Bassisten (scheint hip zu sein, Bassisten als „Prügelknaben“ zu missbrauchen, siehe Shining *g*). Das wirkte natürlich alles sehr plakativ, auch wenn Nemtheanga zugegebenermaßen enormes Charisma besitzt und Fans schnell in seinen Bann ziehen konnte. Der Mann hat unheimlich intensive Augen... und suchte auch den Augenkontakt zu jedem, den er vom Bühnenrand aus erreichen konnte (so dass man beinahe schon ein schlechtes Gewissen hatte, wenn man seiner Aufforderung, die Fäuste gen Himmel zu recken, nicht nachkam...). Musikalisch gab’s natürlich rein gar nix auszusetzen. Schon mit dem eröffnenden Doppelpack The Golden Spiral und The Gathering Wilderness gab’s das Beste vom aktuellen Album The Gathering Wilderness und die Meute wusste dies natürlich zu schätzen ;) Neben The Song Of The Tomb und The Coffin Chips ging’s mit Autumn’s Ablaze bis ins Jahr 98 und zu A Journey's End zurück, bei dem die Fans lautstark mitsangen. Zu 2 Zugaben wurden PRIMORDIAL zurück auf die Bühne geholt, dann war aber wirklich Schluss und das Publikum sichtlich ausgepowert. Geniale, energiegeladene Show, Allen und seine Performance muss man allerdings mögen, sonst bleibt nur: Augen zu oder zu Hause die Platten hören.
Setlist: The Golden Spiral, The Gathering Wilderness, Autumn’s Ablaze, The Soul Must Sleep, The Song Of The Tomb, The Coffin Chips, Sons Of The Morrigan, Gods To The Godless // The Burning Season, To Enter Pagan // Fallen To Ruin

Fazit Dajana: MOONSORROW waren definitiv das absolute Highlight des Abends, schon für die Finnen alleine hat sich der Abend gelohnt. Meine Empfehlung an alle, die diese Tour verpasst haben: Petition schreiben für ne Headlinertour und sich dazwischen die Alben reinziehen! Mich würde nur interessieren, ob der Busfahrer sein Gefährt, an dem er während des ganzen Konzerts herumschraubte, wieder ans Laufen gebracht hat und der Treck zum letzten Gig der Tour in Leipzig auch ankommt… Cheers!

Fazit Seb: Ich fand ebenso MOONSORROW extrem gelungen, nachdem die ersten beiden Bands musikalisch nicht ganz meinen Geschmack bedienten, ging’s ab da dann deutlich besser ab. Die Jungs aus Finnland haben es echt drauf dem Publikum noch über ihre Musik hinaus stimmungsmäßig einzuheizen, den Forderungen nach einer Headlinertour mag ich mich gleich anschließen :)
Zuvor waren mir vor allem MOURNING BELOVETH schon nach recht kurzer Zeit durch das immer gleiche Songschema und ewig lange Leadgitarren-Dudelei ein bisschen zu eintönig. Das soll den Auftritt nicht runtermachen, aber recht zu begeistern bin ich von so etwas eben nicht, man kann eben nicht alles mögen ;)
Was PRIMORDIAL angeht, die ich noch nicht live gesehen hatte und dementsprechend gespannt war, so stellten die doch eher eine Enttäuschung für mich dar. Ich kam schlicht mit dem arg übertriebenen Stageacting des Sängers nicht klar. Für mich hat das einiges versaut und mir doch einen guten Teil Spaß an der ansonsten ganz guten Vorstellung genommen.

 

story & pics © Dajana