MOB
RESEARCH so der Name der Band, deren Album Holy City
Zoo hier vorliegt. Nie von gehört, also rein damit
in den Player und Ohren aufgesperrt. Wow, nicht schlecht was
da aus den Boxen kommt. Sogar richtig gut. Die erste Assoziation,
die mir in den Sinn kommt ist sowas wie "Killing Joke in
rockig". Und Moment mal - die Stimme kommt mir bekannt
vor. Klingt irgendwie wie Warrior Soul/Space Age Playboys Mastermind
Kory Clarke. Tatsächlich… das Infoblatt, welches
ich mir dann direkt mal zur Hand nehme, bestätigt genau
das. Bei MOB RESEARCH handelt es sich um die gemeinsame
Band, des leider mittlerweile verstorbenen Paul Raven (Kiling
Joke, Ministry, Prong) und Mark Gemni Twaithe (The Mission uk,
Tricky), die sich zur Unterstützung eben jenen Kory Clarke
ins Boot geholt haben. Genug jetzt aber des Backgrounds. Was
erwartet den Hörer also auf Holy City Zoo?
Eigentlich genau das, was man durch das vorherige Namedropping
schon erwarten könnte. Richtig, richtig genialer metallischer
Industrial Rock mit brillanten Vocals (was sonst bei Mr. Clarke),
zynisch-sarkastischen Lyrics und einem absolut treffsicherem
Gespür für zündende Refrains ohne dabei irgendwie
auch nur ansatzweise simpel zu wirken. Tja, halt als ob man
nun eben Warrior Soul's Wasteland durch den Industrial Wolf
drehen würde. Mann - das macht echt Laune!
Auch die gesamte Stimmung von Holy City Zoo ist
durchaus mehr als gelungen. Wo Industrial Bands oft eher mit
einer dauerhaften negativen Stimmung auftreten (was die Ausrichtung
des Genres ja zugegebenermaßen auch mit sich bringt),
erzeugen MOB RESEARCH auf Holy City Zoo
jetzt zwar nicht wirklich eine Heititei Sonnenschein Stimmung,
aber es schwingt in einem Großteil der Songs etwas Positives
mit. So positiv wie ein mit fettem Grinsen im Gesicht präsentierter
Mittelfinger halt sein kann.
Balance ist ein ebenfalls wichtiger Bestandteil auf Holy
City Zoo. So wechseln sich stampfende Kracher wie das,
mit vereinzelt im Hintergrund zu hörenden Synthies und
einem fast schon epischen Refrain gesegneten, Manufactured
Terror mit leiseren, aber dennoch treibenden Songs wie das
(fast) ruhige New Paradigm und rockigen (an eine "futuristische"
Version Warrior Soul's erinnernd) Hits wie Skulls And Bones.
Tribe kommt im Vergleich dann sehr heavy und metallisch
daher, prescht nach vorne und lässt die erwähnte positive
Stimmung eher außen vor, schlägt also deutlich härtere
Töne an und vermischt Eingängigkeit mit der Schwere
im Stile Ministry's. Mit Wambulance geht's erneut rockig,
ja punkig zur Sache. Faust hochreißen und mitgröhlen
ist angesagt. Jaaa, da stehe ich drauf! Habe ich bereits geschrieben,
dass Holy City Zoo echt Laune macht? Egal - kann
man nicht oft genug erwähnen! Mit dem eher langsamen Sky
God Worshippers tauchen dann sogar leichte 80er Wave/Synth
Einflüsse auf, die mich ebenfalls zu begeistern wissen
bevor The New Religion und This Ones For You dann
fast schon klassisches Hard Rock Töne annimmt, wäre
da nicht Industrial Instrumentalisierung, die den Song schön
aggressiv rüberkommen lässt. Der fast schon als Ambient,
und mich an die ruhigeren Parts von Ocean Machine oder Mr. Townsends
E.C.O. Projekt erinnernde, zu bezeichnende Schlußtrack
Atmosphere lässt Holy City Zoo dann
sehr ruhig ausklingen und hinterlässt einen begeisternden
Hörer. Was ein Album!
Achso – netter Weise bekommt man auch noch ’nen
Schwung Bonustracks in Form von diversen Remixen dazu. Diese
pendeln zwischen nicht ganz so prallen und irgendwie stumpfen
EBM, mit fetten Gitarren unterlegten leicht technoiden Variationen
und solchen mit einer deutlichen 80er Ausrichtung, welche ihr
Hauptaugenmerk auf die Synths legen. Ob man diese Remixe nun
braucht, ist halt jedem selbst überlassen.
Wer also ein eingängiges, aber dennoch vielseitiges Industrial
Rock Album (mit der deutlichen Betonung auf Rock!) sucht oder
einfach mal frische, harte, moderne Musik braucht, die nicht
nach Einheitsbrei klingt, sollte hier kurz Probe hören
und dann sofort zuschlagen!
MOB RESEARCH rules!