2006-08-12 DE – Bad Berka
<< back

AKRIVAL sorgten mit ihrem brachialen, aber keineswegs primitiven Black Metal für einen sehr starken Start in den letzten Tag. Das Album Enigmas Of The Contradictory Nature dominierte den Set, der zu dieser Zeit schon ein paar Gestalten zum Bangen trieb. Der Bassist mit seinen Dreadlocks bis zum Allerwertesten sorgte auch für eine optische Besonderheit. Zwischendurch wurden die Stücke von völlig un-schwarzmetallischen Riffs aufgelockert. Etwas lächerlich kam allerdings die Schlussparole „Hass!“, nach der man sich dann grimmigen Blickes davonmachte.

Eine ganz andere Richtung bedienten MOURNING BELOVETH, die mit ihrem leicht schwarz angehauchten Doom bei einem Teil des Publikums sehr gut ankamen – beim anderen Teil (inkl. mir - Hel) weniger. Die Iren waren wie üblich bester Laune und die Fröhlichkeit zwischen ihren todtraurigen Stücken hat schon was ganz eigenes. Gerade jetzt war es allerdings extrem heiß, was aber die Doom-Klientel nicht sonderlich beim Feiern störte. In Mourning My Days beendete wie schon im April in Wien einen Auftritt, der erneut nur aus 4 oder 5 Stücken bestand.

Im wahrsten Sinn des Wortes äußerst bunt ging es dann bei ROMPEPROP zu (siehe Fotos). Von Beginn an entwickelte sich auch ein durchaus intensiver Moshpit, der zu spaßhaften Grindcore-„Hymnen“ wie Pelican Dick und Coffin Coffin tobte. Gesanglich wieder mal durchgehend Klospülung, sind die netten Nummern der netten Holländer insgesamt alles andere als spektakuläre Kost, sodass man wohl sagen muss, dass die Band hauptsächlich von ihrem Image und ihrer Bühnenpräsenz lebt.

Ein anderes Kaliber sind da ROTTEN SOUND. Sowas nennt man wohl Grind auf Höchstniveau. Wirklich tolles Gekreisch der imposanten Frontglatze G und dazu die Grimassen von Bassist T, abartiges Getrommel des neuen Schlagzeugers Sami und durch Mark und Bein gehende Attacken wie Fear, Loss/Crime oder Mass Suicide – ziemlich beeindruckend.

Jetzt aber sollte einer der absoluten Höhepunkte folgen, nämlich die deutschen Black-Thrash-Götter DESASTER. Der Start hätte gar nicht besser sein können, schmissen die Herren doch gleich einmal ihr bestens Stück Nekropolis Karthago der begeisterten Meute zum Fraß hin. Der ehrliche Enthusiasmus, mit dem die Band am Werk ist, ist einfach ansteckend. Energie pur! Bassist Odin hatte wieder einmal seine beste Leichenbemalung angelegt und bildete damit wie so oft einen auffälligen Kontrast zum ungeschminkten Rest der Band. Man mag aus stimmlichen Gründen weiterhin (zu Recht) dem früheren Sänger Occulto nachtrauern, Tatsache ist aber auch, dass Sataniac ein absoluter Live-Frontmann ist, der auch die alten Stücke gekonnt rüberbringt und abgesehen davon auch wirklich eine tolle Bühnenerscheinung bildet. Im Verlauf des dritten Stücks (Ghouls To Strike) kam es leider zu länger andauernden Problemen mit der Gitarre, die man aber letztendlich in den Griff bekam. Und das war gut so, denn danach folgte ein Klassiker nach dem anderen: Profanation, Divine Blasphemies, die Überhymne Teutonic Steel, der Uralt-Kracher In A Winter Battle und der Mitgröler Metalized Blood. Wieso allerdings eine Band, die noch solche Eisen wie Past…Present…Forever oder Sworn To Avenge im Feuer hat, ihren Auftritt unbedingt mit einer Coverversion (Sepulturas Troops Of Doom) beenden muss, fragte sich wohl so mancher. Trotzdem: Einfach nur genial!

Und genial ging es auch gleich mit SETHERIAL weiter. Zum Unterschied von Desaster war hier, wie erwartet, die ganze Band bemalt. Die Schweden spielten sich durch alle Alben ihrer Karriere, wobei der Schwerpunkt aber natürlich auf der tollen neuen Scheibe Death Triumphant lag, von dem man u.a. das Titelstück sowie Aeons Of Bloodlust und With Veins Wide Open zu hören bekam. Einwandfreier Sound, massenhaft Crowdsurfer – das absolute Schwarzmetall-Inferno. Klassiker wie Summon The Lord With Horns, För Dem Mitt Blod oder Underworld versetzten die Anhänger der schwedischen Black Metal – Schule (zu denen auch unsereiner zählt) in Entzücken und nach dem finalen Endtime Divine hatten SETHERIAL den anderen 3 schwedischen Bands des Tages ordentlich was vorgelegt. Nur schade, dass es zu keinem Gastauftritt von Naglfar-Sänger Kristofer Olivius bei seiner Ex-Band gekommen ist.

THYRFING konzentrierten sich ebenfalls auf das (nicht ganz so tolle) neue Album Farsotstider (u.a. mit Far åt Helvete, Höst und Jar Spår Fördärv), waren aber ebenfalls so nett, auch die Alben Urkraft, Vannsinnesvisor und Valdr Galga zu berücksichtigen, wobei Digerdöden und Ways Of A Parasite am besten ankamen. Auf der Bühne herrschte nicht allzu viel Bewegung, man legte offenbar eher Wert auf ein möglichst erhabenes und finsteres Auftreten, was vor allem für Frontmann Thomas Väänänen gilt. Trotzdem erwiesen sie sich als sehr gute Liveband, animierten mit ihren Wikinger-Hymnen zum Mitgrölen und hatten ihre Zielgruppe fest in der Hand, wie anhand der ziemlich zahlreichen fliegenden Mähnen zu erkennen war.

Letzteres kann man auch von ILLDISPOSED sagen, die natürlich wieder mit ihren üblichen Witzchen agierten (z.B. eine bewusst übertrieben in die Länge gezogene Ansage zum Thema „kurze Spielzeit“) und fest vor sich hin groovten. Sänger Bo trat im „Deutschland“-Leiberl auf und erklärte auch nach fast jedem Stück, wie viel Spielzeit man jetzt noch übrig hätte. Aber irgendwie war die ganze Show eine verdammt öde Angelegenheit und spalteten die Besucher in die, die es bald satt hatten, und jene, für die die Band anscheinend das größte auf Erden ist und bei der man auch noch nach den 100. „Wir sind schwul“ – Ansage in brüllendes Gelächter ausbrechen muss. „Gähn“….

Mittlerweile war man seitens der Security dazu übergegangen, jeden Fotografen nur noch für ein einziges Stück in den Fotograben zu lassen, was mir persönlich etwas übertrieben scheint. Aber leider war es scheinbar wieder mal nötig, nach der 3. Nummer alle Fotografen draußen zu haben, und zwar bei jeder Band (am Samstag). Es sei an dieser Stelle aber auch deutlich festgehalten, dass die Security wirklich das gesamte Festival über äußerst freundlich und zurückhaltend agiert hat und sich viele Festivals da ein Beispiel nehmen sollten.

Trotzdem war es etwas ärgerlich, als bei der ersten NAGLFAR-Nummer Spoken Words Of Venom nach nicht einmal einer Minute der Strom ausfiel und man daraufhin aus dem Fotograben komplimentiert wurde, da offenbar jemand der Meinung war, das Stück sei bereits aus. Es dauerte einige Minuten, bis der Strom wieder da war. Somit wurde der Auftritt sozusagen zwei Mal begonnen und zu meiner (Gunnar) großen Freude kam ich jetzt endlich einmal in den Genuß, Black God Aftermath live um die Ohren gedonnert zu kriegen. Mit 12th Rising, Abysmal Decent und I Am Vengeance folgten weitere Klassiker, bevor man sich am Ende mit Perpetual Horror und A Swarm Of Plagues wieder dem Pariah-Album zuwandte. Irgendwie haben sie aber ohne Jens Ryden einfach nicht mehr die frühere Magie, auch wenn Kris Olivius alles andere als ein schlechter Frontmann ist. Am Ende gab es minutenlange Zugabeschreie, denen die Band aber leider nicht Folge leisten konnte, auch wenn die netten Burschen aus Umeå es sichtlich gerne getan hätten.

Wie zuvor bei Naglfar, so wurden auch bei MARDUK massenhaft Pyros abgefeuert, als die Schweden wieder einmal ihre einzigartig morbide Atmosphäre verbreiteten. Viele vermissen seltsamerweise immer noch den früheren Frontmann Legion, obwohl Mortuus doch eigentlich viel bösartiger und mittlerweile auch wesentlich souveräner rüberkommt als dieser komische Kasperl. Herr Håkansson hingegen bewegte sich wie üblich kaum einen Zentimeter vom Fleck, während er u.a. die Riffs zu Baptism By Fire, With Satan And Victorious Weapons, The Hangman Of Prague, Of Hell's Fire und Throne Of Rats abspulte. Was soll man groß sagen – einfach immer wieder gut.

Auch die letzte Band auf der Open Air – Bühne, SIX FEET UNDER begann mit einem schnellen Stromausfall, der zum Glück etwas flotter als bei Naglfar wieder behoben war. Danach kämpften sich die Veteranen durch einen Set, der zum überwiegenden Teil aus alten Stück bestand. Revenge Of The Zombie, Still Alive , Victim Of The Paranoid, Burning Blood, Suffering In Ecstasy; Torture Killer, War Machine, Human Target – das Klassiker-Feuerwerk wollte gar kein Ende nehmen. Dazwischen gab es gegen Ende mit Shadow Of The Reaper auch mal was vom aktuellen Album. Die Stimme von Chris Barnes war echt schon mal brutaler, vielleicht kifft der Herr Dreadlock-Grunzer ja doch ein bisserl gar viel. So kamen die Nummern nämlich teilweise doch ziemlich zäh rüber. Mehrere „Come on and scream!“ – Aufforderungen sowie große Schwärmerei vom Festival und sehr ehrlich wirkender Dank an Veranstalter Jörg „Jarne“ Brauns für ein „Killer-Wochenende“ zeigten aber doch, dass Barnes durchaus noch mit dem Herzen bei der Sache ist. Als letztes hieß es dann „Okay, so let’s do it!“ und es folgte wieder einmal das unvermeidliche AC/CD-Cover TNT, das aus tausenden Kehlen mitgegrölt wurde. Dann verabschiedete sich die Band überschwänglich mit mehreren Verbeugungen – denen hat’s offenbar auch getaugt. Aber irgendwie hatten SIX FEET UNDER – Auftritte früher doch wesentlich mehr Energie.

Einer der absoluten Höhepunkte sollte zum Abschluss folgen, als TANKARD 20 Minuten später die Zeltbühne betraten und mit Need Money For Beer in einen echten Super-Auftritt starteten. Gerre rannte von Beginn an wie ein Irrer herum und steckte alle mit seiner Energie an. Die Kult-Stücke The Morning After und Zombie Attack folgten sogleich und in den ersten Reihen regierte das Tollhaus. Überall schossen plötzlich die guten (und zum Teil gar nicht so alten) Kuttenträger aus dem Boden und bangten wie die Wilden zu Slipping From Reality, Beermuda und dem neuen „Video-Hit“ The Beauty And The Beast. Mit Maniac Forces wurde ein weiterer Uralt-Klassiker ausgegraben und es sollte noch lang nicht der letzte sein. Spacebeer und das Gang Green – Cover Alcohol ließen nicht auf sich warten, nachdem die wichtige Anweisung Die With A Beer In Your Hand pflichtgetreu ausgesprochen war. Zwischen Rectifier und dem neuen We Still Drink The Old Ways versprach Gerre Purzelbäume zum nächstes Jahr anstehenden 25-jährigen Bandjubiläum. Wir sind gespannt! Schließlich ging der reguläre Teil mit 2 weiteren Kultnummern, nämlich Chemical Invasion und Freibier zu Ende. Schade, dass man an der Bar letzterer Forderung nicht nachkommen wollte… Natürlich „mussten“ die Frankfurter Humpen nochmal auf die Bühne, schließlich endet keine TANKARD – Show ohne das auf die erste Zugabe Alien folgende Empty Tankard, für das nochmal bereitwillig alles geopfert wurde, was die biergeölten Stimmbänder beim Mitgrölen noch hergaben. Absolut großartig!!! Der perfekte Abschluss für ein geniales Festival.

Fazit: Super Bandauswahl (und nächstes Jahr wäre die Zeit dann reif für Månegarm!) An Preisen, Gelände und kulinarischer Auswahl lässt sich ebenfalls kaum etwas aussetzen - Kollege LU, ein Urgestein der österreichischen Metalszene, bittet allerdings um die Anmerkung, dass Weintrinker sich sehr vernachlässigt fühlen! Mit den Darbietungen der Bands kann man insgesamt auch sehr zufrieden sein. Dickes Lob für den diesmal durchgängig guten Sound und wie immer für die Bereiche „Security“ und „Reinigung der Dixie-Klos“, die ja bei anderen Festivals häufig etwas problematisch sind.
Allerdings wäre es äußerst wünschenswert, wenn das Festival nicht weiter wachsen würde, vor allem was die Menge an Publikum betrifft. Schließlich ist die Überschaubarkeit auch eines der positiven Markenzeichen des PARTY SAN. Ansonsten aber Gratulation an Jarne, Mieze, Boy und alle anderen, die an Organisation und Durchführung beteiligt waren – das PARTY SAN bleibt auch weiterhin eine der erfreulichsten Erscheinungen im immer dichter werdenden Festival-Dschungel.

 

story & pics © Gunnar & Hel