AKRIVAL
sorgten mit ihrem brachialen, aber keineswegs primitiven Black
Metal für einen sehr starken Start in den letzten Tag. Das
Album Enigmas Of The Contradictory Nature
dominierte den Set, der zu dieser Zeit schon ein paar Gestalten
zum Bangen trieb. Der Bassist mit seinen Dreadlocks bis zum Allerwertesten
sorgte auch für eine optische Besonderheit. Zwischendurch
wurden die Stücke von völlig un-schwarzmetallischen
Riffs aufgelockert. Etwas lächerlich kam allerdings die Schlussparole
„Hass!“, nach der man sich dann grimmigen Blickes
davonmachte.

Eine ganz
andere Richtung bedienten MOURNING BELOVETH,
die mit ihrem leicht schwarz angehauchten Doom bei einem Teil
des Publikums sehr gut ankamen – beim anderen Teil (inkl.
mir - Hel) weniger. Die Iren waren wie üblich bester Laune
und die Fröhlichkeit zwischen ihren todtraurigen Stücken
hat schon was ganz eigenes. Gerade jetzt war es allerdings extrem
heiß, was aber die Doom-Klientel nicht sonderlich beim Feiern
störte. In Mourning My Days beendete wie schon im
April in Wien einen Auftritt, der erneut nur aus 4 oder 5 Stücken
bestand.
Im wahrsten
Sinn des Wortes äußerst bunt ging es dann bei ROMPEPROP
zu (siehe Fotos). Von Beginn an entwickelte sich auch ein durchaus
intensiver Moshpit, der zu spaßhaften Grindcore-„Hymnen“
wie Pelican Dick und Coffin Coffin tobte. Gesanglich
wieder mal durchgehend Klospülung, sind die netten Nummern
der netten Holländer insgesamt alles andere als spektakuläre
Kost, sodass man wohl sagen muss, dass die Band hauptsächlich
von ihrem Image und ihrer Bühnenpräsenz lebt.

Ein anderes
Kaliber sind da ROTTEN SOUND. Sowas nennt man
wohl Grind auf Höchstniveau. Wirklich tolles Gekreisch der
imposanten Frontglatze G und dazu die Grimassen von Bassist T,
abartiges Getrommel des neuen Schlagzeugers Sami und durch Mark
und Bein gehende Attacken wie Fear, Loss/Crime
oder Mass Suicide – ziemlich beeindruckend.
Jetzt aber
sollte einer der absoluten Höhepunkte folgen, nämlich
die deutschen Black-Thrash-Götter DESASTER.
Der Start hätte gar nicht besser sein können, schmissen
die Herren doch gleich einmal ihr bestens Stück Nekropolis
Karthago der begeisterten Meute zum Fraß hin. Der ehrliche
Enthusiasmus, mit dem die Band am Werk ist, ist einfach ansteckend.
Energie pur! Bassist Odin hatte wieder einmal seine beste Leichenbemalung
angelegt und bildete damit wie so oft einen auffälligen Kontrast
zum ungeschminkten Rest der Band. Man mag aus stimmlichen Gründen
weiterhin (zu Recht) dem früheren Sänger Occulto nachtrauern,
Tatsache ist aber auch, dass Sataniac ein absoluter Live-Frontmann
ist, der auch die alten Stücke gekonnt rüberbringt und
abgesehen davon auch wirklich eine tolle Bühnenerscheinung
bildet. Im Verlauf des dritten Stücks (Ghouls To Strike)
kam es leider zu länger andauernden Problemen mit der Gitarre,
die man aber letztendlich in den Griff bekam. Und das war gut
so, denn danach folgte ein Klassiker nach dem anderen: Profanation,
Divine Blasphemies, die Überhymne Teutonic Steel,
der Uralt-Kracher In A Winter Battle und der Mitgröler
Metalized Blood. Wieso allerdings eine Band, die noch
solche Eisen wie Past…Present…Forever oder
Sworn To Avenge im Feuer hat, ihren Auftritt unbedingt
mit einer Coverversion (Sepulturas Troops Of Doom) beenden
muss, fragte sich wohl so mancher. Trotzdem: Einfach nur genial!

Und genial
ging es auch gleich mit SETHERIAL weiter. Zum
Unterschied von Desaster war hier, wie erwartet, die ganze Band
bemalt. Die Schweden spielten sich durch alle Alben ihrer Karriere,
wobei der Schwerpunkt aber natürlich auf der tollen neuen
Scheibe Death Triumphant lag, von dem
man u.a. das Titelstück sowie Aeons Of Bloodlust
und With Veins Wide Open zu hören bekam. Einwandfreier
Sound, massenhaft Crowdsurfer – das absolute Schwarzmetall-Inferno.
Klassiker wie Summon The Lord With Horns, För Dem Mitt
Blod oder Underworld versetzten die Anhänger
der schwedischen Black Metal – Schule (zu denen auch unsereiner
zählt) in Entzücken und nach dem finalen Endtime
Divine hatten SETHERIAL den anderen 3 schwedischen
Bands des Tages ordentlich was vorgelegt. Nur schade, dass es
zu keinem Gastauftritt von Naglfar-Sänger Kristofer Olivius
bei seiner Ex-Band gekommen ist.
THYRFING
konzentrierten sich ebenfalls auf das (nicht ganz so tolle) neue
Album Farsotstider (u.a. mit Far
åt Helvete, Höst und Jar Spår Fördärv),
waren aber ebenfalls so nett, auch die Alben Urkraft,
Vannsinnesvisor und Valdr
Galga zu berücksichtigen, wobei Digerdöden
und Ways Of A Parasite am besten ankamen. Auf der Bühne
herrschte nicht allzu viel Bewegung, man legte offenbar eher Wert
auf ein möglichst erhabenes und finsteres Auftreten, was
vor allem für Frontmann Thomas Väänänen gilt.
Trotzdem erwiesen sie sich als sehr gute Liveband, animierten
mit ihren Wikinger-Hymnen zum Mitgrölen und hatten ihre Zielgruppe
fest in der Hand, wie anhand der ziemlich zahlreichen fliegenden
Mähnen zu erkennen war.

Letzteres
kann man auch von ILLDISPOSED sagen, die natürlich
wieder mit ihren üblichen Witzchen agierten (z.B. eine bewusst
übertrieben in die Länge gezogene Ansage zum Thema „kurze
Spielzeit“) und fest vor sich hin groovten. Sänger
Bo trat im „Deutschland“-Leiberl auf und erklärte
auch nach fast jedem Stück, wie viel Spielzeit man jetzt
noch übrig hätte. Aber irgendwie war die ganze Show
eine verdammt öde Angelegenheit und spalteten die Besucher
in die, die es bald satt hatten, und jene, für die die Band
anscheinend das größte auf Erden ist und bei der man
auch noch nach den 100. „Wir sind schwul“ –
Ansage in brüllendes Gelächter ausbrechen muss. „Gähn“….
Mittlerweile
war man seitens der Security dazu übergegangen, jeden Fotografen
nur noch für ein einziges Stück in den Fotograben zu
lassen, was mir persönlich etwas übertrieben scheint.
Aber leider war es scheinbar wieder mal nötig, nach der 3.
Nummer alle Fotografen draußen zu haben, und zwar bei jeder
Band (am Samstag). Es sei an dieser Stelle aber auch deutlich
festgehalten, dass die Security wirklich das gesamte Festival
über äußerst freundlich und zurückhaltend
agiert hat und sich viele Festivals da ein Beispiel nehmen sollten.
Trotzdem war
es etwas ärgerlich, als bei der ersten NAGLFAR-Nummer
Spoken Words Of Venom nach nicht einmal einer Minute
der Strom ausfiel und man daraufhin aus dem Fotograben komplimentiert
wurde, da offenbar jemand der Meinung war, das Stück sei
bereits aus. Es dauerte einige Minuten, bis der Strom wieder da
war. Somit wurde der Auftritt sozusagen zwei Mal begonnen und
zu meiner (Gunnar) großen Freude kam ich jetzt endlich einmal
in den Genuß, Black God Aftermath live um die Ohren
gedonnert zu kriegen. Mit 12th Rising, Abysmal Decent
und I Am Vengeance folgten weitere Klassiker, bevor man
sich am Ende mit Perpetual Horror und A Swarm Of
Plagues wieder dem Pariah-Album
zuwandte. Irgendwie haben sie aber ohne Jens Ryden einfach nicht
mehr die frühere Magie, auch wenn Kris Olivius alles andere
als ein schlechter Frontmann ist. Am Ende gab es minutenlange
Zugabeschreie, denen die Band aber leider nicht Folge leisten
konnte, auch wenn die netten Burschen aus Umeå es sichtlich
gerne getan hätten.

Wie zuvor
bei Naglfar, so wurden auch bei MARDUK massenhaft
Pyros abgefeuert, als die Schweden wieder einmal ihre einzigartig
morbide Atmosphäre verbreiteten. Viele vermissen seltsamerweise
immer noch den früheren Frontmann Legion, obwohl Mortuus
doch eigentlich viel bösartiger und mittlerweile auch wesentlich
souveräner rüberkommt als dieser komische Kasperl. Herr
Håkansson hingegen bewegte sich wie üblich kaum einen
Zentimeter vom Fleck, während er u.a. die Riffs zu Baptism
By Fire, With Satan And Victorious Weapons, The Hangman Of Prague,
Of Hell's Fire und Throne Of Rats abspulte. Was
soll man groß sagen – einfach immer wieder gut.
Auch die letzte
Band auf der Open Air – Bühne, SIX FEET UNDER
begann mit einem schnellen Stromausfall, der zum Glück etwas
flotter als bei Naglfar wieder behoben war. Danach kämpften
sich die Veteranen durch einen Set, der zum überwiegenden
Teil aus alten Stück bestand. Revenge Of The Zombie,
Still Alive , Victim Of The Paranoid, Burning Blood, Suffering
In Ecstasy; Torture Killer, War Machine, Human Target –
das Klassiker-Feuerwerk wollte gar kein Ende nehmen. Dazwischen
gab es gegen Ende mit Shadow Of The Reaper auch mal was
vom aktuellen Album. Die Stimme von Chris Barnes war echt schon
mal brutaler, vielleicht kifft der Herr Dreadlock-Grunzer ja doch
ein bisserl gar viel. So kamen die Nummern nämlich teilweise
doch ziemlich zäh rüber. Mehrere „Come on and
scream!“ – Aufforderungen sowie große Schwärmerei
vom Festival und sehr ehrlich wirkender Dank an Veranstalter Jörg
„Jarne“ Brauns für ein „Killer-Wochenende“
zeigten aber doch, dass Barnes durchaus noch mit dem Herzen bei
der Sache ist. Als letztes hieß es dann „Okay, so
let’s do it!“ und es folgte wieder einmal das unvermeidliche
AC/CD-Cover TNT, das aus tausenden Kehlen mitgegrölt
wurde. Dann verabschiedete sich die Band überschwänglich
mit mehreren Verbeugungen – denen hat’s offenbar auch
getaugt. Aber irgendwie hatten SIX FEET UNDER
– Auftritte früher doch wesentlich mehr Energie.

Einer der
absoluten Höhepunkte sollte zum Abschluss folgen, als TANKARD
20 Minuten später die Zeltbühne betraten und mit Need
Money For Beer in einen echten Super-Auftritt starteten.
Gerre rannte von Beginn an wie ein Irrer herum und steckte alle
mit seiner Energie an. Die Kult-Stücke The Morning After
und Zombie Attack folgten sogleich und in den ersten
Reihen regierte das Tollhaus. Überall schossen plötzlich
die guten (und zum Teil gar nicht so alten) Kuttenträger
aus dem Boden und bangten wie die Wilden zu Slipping From
Reality, Beermuda und dem neuen „Video-Hit“ The
Beauty And The Beast. Mit Maniac Forces wurde ein
weiterer Uralt-Klassiker ausgegraben und es sollte noch lang nicht
der letzte sein. Spacebeer und das Gang Green –
Cover Alcohol ließen nicht auf sich warten, nachdem
die wichtige Anweisung Die With A Beer In Your Hand pflichtgetreu
ausgesprochen war. Zwischen Rectifier und dem neuen We
Still Drink The Old Ways versprach Gerre Purzelbäume
zum nächstes Jahr anstehenden 25-jährigen Bandjubiläum.
Wir sind gespannt! Schließlich ging der reguläre Teil
mit 2 weiteren Kultnummern, nämlich Chemical Invasion
und Freibier zu Ende. Schade, dass man an der Bar letzterer
Forderung nicht nachkommen wollte… Natürlich „mussten“
die Frankfurter Humpen nochmal auf die Bühne, schließlich
endet keine TANKARD – Show ohne das auf
die erste Zugabe Alien folgende Empty Tankard,
für das nochmal bereitwillig alles geopfert wurde, was die
biergeölten Stimmbänder beim Mitgrölen noch hergaben.
Absolut großartig!!! Der perfekte Abschluss für ein
geniales Festival.
Fazit:
Super Bandauswahl (und nächstes Jahr wäre die Zeit dann
reif für Månegarm!) An Preisen, Gelände und kulinarischer
Auswahl lässt sich ebenfalls kaum etwas aussetzen - Kollege
LU, ein Urgestein der österreichischen Metalszene, bittet
allerdings um die Anmerkung, dass Weintrinker sich sehr vernachlässigt
fühlen! Mit den Darbietungen der Bands kann man insgesamt
auch sehr zufrieden sein. Dickes Lob für den diesmal durchgängig
guten Sound und wie immer für die Bereiche „Security“
und „Reinigung der Dixie-Klos“, die ja bei anderen
Festivals häufig etwas problematisch sind.
Allerdings wäre es äußerst wünschenswert,
wenn das Festival nicht weiter wachsen würde, vor allem was
die Menge an Publikum betrifft. Schließlich ist die Überschaubarkeit
auch eines der positiven Markenzeichen des PARTY SAN.
Ansonsten aber Gratulation an Jarne, Mieze, Boy und alle anderen,
die an Organisation und Durchführung beteiligt waren –
das PARTY SAN bleibt auch weiterhin eine der
erfreulichsten Erscheinungen im immer dichter werdenden Festival-Dschungel.