Die lettische Ausnahmesängerin VIC ANSELMO hat sich vier Jahre für ihr neues Album Zeit gelassen. Vier Jahre, in denen sie vielerorten live zu sehen war: solo, als Livemusikerin oder als Gastsängerin für namhafte Bands. Und sie war an verschiedenen Kollaborationen beteiligt, musikalisch bis hin zum Jazz oder Swing. Und das merkt man dem neuen Album Who Disturbs The Water auch an. VIC ANSELMO hat sich in diesen vier Jahren enorm weiterentwickelt und ist in jeder Hinsicht gewachsen.
Who Disturbs The Water ist ein Piano-getragenes Singer/Songwriter-Album, dem man dezente Percussions und Streicherarrangements hinzugefügt hat, wobei ein Cello besondere Akzente setzt. Aber es ist die großartige, Gänsehaut erzeugende Stimme von VIC ANSELMO, welche das Album dominiert. Stimmgewaltig und facettenreich verleiht sie jedem Song Seele und eine besondere Wärme, füllt die Melodien mit Emotionen, sei es bei Another Train oder dem lebendigen Every Time You Come Around. Say You und das großartige Cody wiederum entwickeln einen epischen, James Bond-Song verdächtigen Charakter, während Tracks wie Flawless oder Daylight eher ruhig und getragenen sind.
Experimente und stilistische, Musical-artige Verrücktheiten wie auf dem Vorgänger In My Fragile… findet man auf Who Disturbs The Water zwar nicht, der cineastische Charakter ist jedoch geblieben.
Konzeptionell um das Thema Wasser als Symbol für Veränderungen, Anpassung, Kraft und Klarheit angelegt, beschreibt Who Disturbs The Water die kleinen und großen Wendungen im Leben, reflektiert es Emotionen ohne Pathos und gewachsene Ernsthaftigkeit, ohne die quirlige Lebhaftigkeit der Sängerin zu unterdrücken. Ein ganz wunderbares Album! Allerdings ist Who Disturbs The Water mit seinen 36 Minuten ein bisschen kurz geraten.