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2017-08-11 DE – Schlotheim - Flugplatz Obermehler
 

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Autopsy - Candlemass - Nile - Vader - Aura Noir - Moonsorrow - Uada - Vital Remains - Kalmah - Demolition Hammer - Demilich - Gut // Tent // Dew Scented - Nailed To Obscurity - Kringa - Kosmokrator - Verheerer

:: Fotos ::

 

Dancing in the Moonlight

[BRT] Kurz und knapp, :: GUT :: war die Rolle des lustigen Grindcore-Openers für den Karnevals Circle-Pit am Freitagmorgen zugesprochen worden. Der Circle-Pit war wie üblich gefüllt mit allerlei lustigen Gestalten, die wie irre im Kreis liefen, aber GUT spielten keinen Grindcore. Eher irgendeinen ziemlich stolperig-holperigen Core ohne Wiedererkennungswert. Sorry, aber ich fand die echt schlecht (nicht nur die Mucke, auch technisch war das allerhöchstens Schülerband-Niveau)
[Dajana] Jau, kann ich so unterschreiben. Trotzdem hat die Meute nach Zugabe gerufen und die wurde auch tatsächlich gewährt. War vermutlich eine reine Reflexreaktion ;)
[Öko] Gut war an GUT aber mal gar nichts. Viel mehr Schreibarbeit sind diese Mexicowrestlingmaskenträger eigentlich nicht wert. Und solche dämlichen Sprüche wie “Wir sind GUT - ihr seid scheiße” tragen auch nicht zum Sympathieaufbau bei.

[BRT] :: DEMILICH :: sind im Underground eine echte Legende, die mit Nespithe, ihrem einzigen Album, wohl den Urknall des finnischen Death Metal geschaffen haben. Ich war da echt neugierig, muss aber zugeben, dass es einige Zeit gedauert hat, bis die komplexen Songs ihre Wirkung zeigten. Da DEMILICHs Songs auch eher finster-atmosphärisch rüberkommen sollten, war die Uhrzeit wohl eher suboptimal.
[Dajana] Ich finde es schon krass, dass die Finnen nach 1993 nichts mehr veröffentlicht haben. Die Historie der Band ist seit dem Debüt von vielen Auflösungen, vermeintlich allerletzten Shows und Reunions durchzogen. Keine Ahnung, was nun draus wird… Die Show war technisch auf allerhöchstem Niveau aber leider auch sehr statisch. Und der Dauernieselregen machte es nicht besser.
[Öko] Bei DEMILICH war ich als komplett neutraler Zuschauer (mal abgesehen von der einen oder anderen Huldigung durch mir bekannte Death Metal-Fans), da mir die Band gänzlich unbekannt war. Hat mir musikalisch ganz gut gefallen. Umgehauen hat es mich aber auch nicht. Allerdings war der etwas gewöhnungsbedürftige Gesang als Alleinstellungsmerkmal geeignet.

[BRT] Fuck, fuck, fucking Fuck… Über :: DEMOLITION HAMMER :: Worte zu verlieren, hieße wohl Eulen nach Athen zu tragen, aber Eulen hatte ich nicht dabei. Es war der pure Abriss, brutaler roher Sound, bretternde Songs herausgekotzt von wütenden alten Männern. Hat Spaß gemacht – auch wenn man irgendwann dabei war die ganzen Fucks zu zählen, die der Steve Reynolds am Mikro so in einer Ansage ins Volk rotzte. Es gab viel Rumgeheule, warum DEMOLITION HAMMER so früh spielen würden – Unfug – 40 Minuten und man war endlich richtig wach, super so.
[Dajana] Ja, ja jaaaa! Das war einfach großartig, was die wütenden alten Männer da abgeliefert haben! Was für eine Wucht, und was für Energie. Und die Jungs… ähm… Männer hatten noch so viel Spass dabei! Die Fans reagierten frenetisch, rasteten gerade zu aus. DEMOLITION HAMMER schlug regelrecht ein Tsunami aus Zuneigung entgegen. Und dazu spielten sie noch einen Song, den sie noch nie in Europa live dargeboten haben. Das war schlichtweg gigantisch und für mich das Highlight des (doch recht kurzen) Tages. Oh, und DEMOLITION HAMMER haben den Weltrekord für „fuck“ in Ansagen gebrochen. Definitiv! ;)
[Öko] Ich hatte mir schon im voraus vorgenommen eine Lobeshymne auf DEMOLITION HAMMER zu schreiben. Zum Glück waren die Jungs auch hervorragend und ich muss meinen Plan nicht ändern. Das war wirklich der absolute Hammer! Die Songs von Tortured Existence (sehr gutes Thrash Album) und Epidemic Of Violence (vielleicht DAS Thrash Album der 90iger Jahre) wurden durchweg mit Rotzigkeit und rasanter Geschwindigkeit intoniert. Gerne mehr davon. Sollte der New York Vierer mal auf Clubtour gehen, kann man danach wahrscheinlich den einen oder anderen Laden wegen Baufälligkeit zumachen. Oder sie spielen direkt in Abbruchbuden, das würde dann auch gut zum Bandnamen passen.

[BRT] Die finnischen :: KALMAH :: gingen mit ihrem melodischen Death Metal irgendwie an mir vorbei. Das war eindeutig gut gemacht, technisch einwandfrei und mit ein paar netten aber hart kitschigen Melodien versetzt. Trotzdem wollte der Funke nicht überspringen – klar, der Slot hinter Demolition Hammer ist sicherlich undankbar.
[Dajana] Hab ich verpasst. Ich musste da was autotechnisches regeln… *hurgs*
[Öko] Sieben Alben haben die Finnen von KALMAH bereits veröffentlicht. Diese sind allesamt an mir vorbeigegangen und ich muss sagen, das sich dies wohl auch nicht ändern wird. Der Auftritt war wahrlich nicht schlecht aber nach dem Abriss von Demolition Hammer konnte der Melodic Death Metal der Skandinavier bei mir nicht wirklich punkten.

[BRT] Danach gab es megabrachiales Gebretter von der Old School Legende aus Lovecraft County :: VITAL REMAINS :: War schon ein beeindruckendes Statement in Sachen Geschwindigkeit und Brutalität. Dass die Mannen um Spitzengitarrero Tony Lazaro dabei keine halbgaren Songs ablieferten war irgendwie ja wohl klar. Sicher sind die teils überlangen Songs jetzt nichts für den Metal-Dancefloor, aber spektakulär kam das schon rüber.
[Dajana] Das Verbrennen des neuen Testaments von Fronter Brian Werner war aber auch ein beeindruckendes Statement… von Infantilität. Sehr böse. Muss wohl so als (ok, ehemaliges) Mitglied und Hohepriester von The Satanic Temple ;) Wie dem auch sei, musikalisch top, fotografisch ein Hinknipser und Brian war zumindest sehr Fan-nah (sehr zum Frust der Security, die bei dem Sauwetter auch nicht bis in die Haarspitzen motiviert war). VITAL REMAINS haben aber auch seit 2007 nix mehr veröffentlicht, oder?
[Öko] Die US-Amerikaner von VITAL REMAINS sind wahrlich eine Institution im satanischen Death Metal. Der Auftritt beim PSOA war meine erste Live-Erfahrung mit den altgedienten Recken. Und dies war eine wahrlich gute Erfahrung. Sehr gute Songs, ein charismatischer Sänger und ein gut rüber gebrachtes satanisches Image sorgten für kurzweilige Unterhaltung.

[BRT] :: UADA :: haben mit ihrem gerade mal eine halbe Stunde langen Debütalbum Devoid Of Light schon ein beeindruckendes Statement in Sachen Dissection-Back Metal abgegeben, welches mir weitaus besser gefällt, als die allseits abgefeierten Mgla. Dazu kommen die Jungs live auch richtig knorke rüber: Energie, Ausstrahlung, Dynamik – da stimmte einfach alles. Hier störte es auch gerade nicht, dass es noch hell war. UADA zogen ihr Ding durch und überzeugten auf ganzer Linie.
[Dajana] Ich fand die extrem geil. UADA haben mich echt umgehauen. Ich hatte ja im Vorfeld schon viel über die Jungs aus Portland gehört, rekrutieren sich ja auch aus nicht ganz so unbekannten Bands. Da brauch ich mehr von!
[Öko] UADA hatte ich dieses Jahr bereits beim Hell Over Hammerburg gesehen. Da waren die Kaputzenträger zusammen mit Dool die beste Band. Nun also statt der dunklen Markthalle die, mehr oder weniger, helle PSOA-Bühne. Hatte ich anfänglich meine Zweifel, ob das nicht die falsche Uhrzeit für düsteren Black Metal ist, wurde ich eines besseren belehrt. Gute Musik ist gute Musik ist gute Musik. Egal ob im Club oder Open Air.

[BRT] Wie jetzt? Wollen :: MOONSORROW :: nur ein oder zwei Stücke spielen? Zweifel waren angebracht, ob die Finnen ihre wahrhaft epischen Hymnen in adäquater Form auch auf die Bühne bekommen, ohne dass es an der Atmosphäre scheitert. Die Antwort war wohl eher Jein… Über die Musik müssen wir nicht diskutieren, MOONSORROW haben es einfach raus tolle und spannende Songs zu schreiben, ich mag‘s dann wohl halt lieber auf Konserve oder im Idealfall auf Kopfhörer. Es war bei weitem nicht schlecht, ganz im Gegenteil, aber so richtig abholen konnten sie mich nicht.
[Öko] Kopfhörerband! Ganz klar Kopfhörerband! Live funktionieren die überlangen Songs des finnischen Sextetts nicht mal halb so gut wie zu Hause auf dem Sofa. Schade eigentlich, gehören doch MOONSORROW zu meinen Leib- und Magenbands. Also Kopfhörer auf, Augen zu und zu Viides Luku - Hävitetty in andere Gefilde abheben.
[Dajana] Meine Wenigkeit war der derweil mit zahlreichen Telefonaten zwecks der Reparatur meines Autos und des weiteren Prozedere beschäftigt. MOONSORROW hörte ich nur am Rande. Nach Eröffnung einer knapp 2000 Euro Rechnung gönnte ich mir (auf leeren Magen) die eine oder andere leckere ich-will-alles-vergessen-Vodka-Ginger-Ale-Mischung. Guess what… Hiermit verabschiede ich mich in den Totalausfall…

[BRT] Für die einen sind die :: AURA NOIR :: der Urknall des klassischen Black Thrash, für die anderen lediglich eine von vielen in einer Musikrichtung, die grad anscheinend am Explodieren ist. Keine Frage, AURA NOIR sind ne tolle Live-Band mit düsterer Ausstrahlung, aber mir haben - wie schon beim letzten Mal - einfach die passenden Songs dazu gefehlt.
[Öko] Musikalisch ist von AURA NOIR nichts bei mir hängen geblieben. Was allerdings nicht auf das seltsame Benehmen der Band bei der Essensausgabe im Backstagezelt zutrifft. Na gut, Aggressor (Carl-Michael Eide) kann nach seinem Unfall 2006 nicht mehr gut laufen. Das ist aber meiner Meinung nach kein Grund die Dame an der Theke anzubrüllen und sich tierisch aufzuregen, dass es an eben dieser Theke nur Essen aber kein Trinken gibt. Ich habe ihm dann angeboten für ihn ein Wasser an der Getränkeausgabe vor dem Zelt zu holen. Hat er dann auch angenommen. Ich saß dann noch mit ihm und seinen Bandkumpanen zusammen. Dort wurde sich bitterlich beklagt, das dass Essen auf dem PSOA das Schlechteste sei das man in seinem Leben bekommen habe und das der Backstagebereich total unzumutbar wäre. Jaja, die Herren Rockstars sind halt besseres gewohnt. Ach ja, das vorher so bitterlich eingeforderte Wasser hat der werte Herr nicht mal angerührt.

[BRT] Zwischenspiel im Zelt – der Geheimtipp :: KRINGA :: entpuppt sich beim genaueren Hinhören als echtes Juwel. Die Österreicher boten aggressiv-atmosphärischen Black Metal mit einer sehr eigenen Note und einigen eher düsteren Slow-Mo Parts. Toll, muss auch mal genauer auf Konserve angecheckt werden.

[BRT] Boah, Wahnsinn! Ich bin weit ja davon entfernt :: VADER :: Fan zu sein oder mich gar mit deren Diskographie auszukennen, aber der Gig am trist-grauen Frühabend des zweiten PARTY SAN OPEN AIR Tages war absolute Bombe. Die Polen hatten einen Mördersound, bretterten eine absolut einwandfreie Mischung aus (ähm...) Gebretter und Groove in die ersten Reihen, dass es eine Höllenfreude war. Spielfreude, Melodien und ordentlich Dampf dabei - verdammt stark, womit ich ehrlich gesagt so nicht gerechnet hätte. Hmmhh, da muss ich doch wohl mal einen genaueren Blick in die recht umfangreiche VADER-Diskographie werfen.
[Öko] VADER waren das genaue Gegenteil von Moonsorrow. Geben mir VADER auf CD nicht allzuviel, konnten die polnischen Old-School-Deather um Herrn Wiwczarek (Gesang, Gitarre) live voll überzeugen. Das war zu diesem Zeitpunkt und Bierbefüllungsstand genau das Richtige. Viel Groove gepaart mit ordentlich Wumms! Gerne wieder.

[BRT] Die letzten Gigs von :: NILE :: gingen mir irgendwie am Arsch vorbei, vermutlich weil die Mucke inzwischen in die arg verkopften Regionen des “Guck-mal-wie-geil-ich-Zocken-kann” abgedriftet war. Glücklicherweise besannen sich NILE auf ihre Stärken und einige verdammt geile Songs aus der Frühphase – Unas, Slayer Of The Gods mag zwar ein zwölfminütiges Monster von Song sein, aber es war ein verdammt würdiges Monster, um einen verdammt starken Gig zu beenden. Hat Spaß gemacht! Anscheinend war die Auffrischung der Bandbesetzung eine Sache, die NILE gut getan hat. Der Granatensound tat da sein Übriges.
[Öko] “Yeah!!! NILE haben Unas gespielt!”, brülle mir ein gewisser Totti (Sulphur Aeon) ins Gesicht. Und wahrlich der Gotttöter war das Highlight eines durchweg gelungenen Auftritts der US-Ägypter. Hat mir auf Konserve nach Those Whom The Gods Detest eigentlich nichts mehr so richtig gut gefallen, ist In Their Darkened Shrines über jeden Zweifel erhaben.

[BRT] Auf dem Rock Hard Festival waren :: CANDLEMASS :: schon eine granatenstarke Überraschung. Dass sie diesen Eindruck auf dem PARTY SAN OPEN AIR nochmal deutlich toppen konnten, hat wohl nicht nur mich überrascht. CANDLEMASS starteten mit Mirror Mirror und brachten bis zum letzten Song Solitude ein Best-Of der ersten vier Platten. Frontmann Mats Levén war großartig aufgelegt und konnte sein ganzes Charisma ausspielen und hat dabei anscheinend die Band auch noch richtig mitgezogen. Ein bärenstarker Auftritt, das Highlight des diesjährigen PARTY SAN OPEN AIRs, der sogar die Kinnladen der härtesten Death Metaller auf halb Acht sinken ließ. Nun ja, den Solitude Ohrwurm hatte ich auch noch Tage später…
[Öko] Irgendwie lustig das die beste Band beim, eigentlich ja auf härtere Musik ausgerichteten, PSOA die Doomgötter von CANDLEMASS waren. Hatte man im Vorfeld öfter Dinge wie “ohne Messiah ist das alles doof!” gehört, waren nach diesem superben Auftritt diese Stimmen verstummt. Zu gut hat sich Mats Levén inzwischen als Frontmann entwickelt. Die Songauswahl von den Alben Epicus Doomicus Metallicus über Nightfall bis hin zu Tales Of Creation ist eh über jeden Zweifel erhaben!
Setlist: Mirror, Mirror, Bewitches, The Well Of Souls, Dark Reflections, A Cry From The Crypt, At The Gallows End, Crystal Ball, Solitude

[BRT] Nach dem bärenstarken Candlemass Auftritt hatte ich ja so leichte Befürchtungen, ob :: AUTOPSY :: an diese Qualität anschliessen können. Aber alle Befürchtungen waren nach den zwei Mental Funeral Einsteigern Twisted Mass Of Burnt Decay und In The Grip Of Winter vollkommen hinfort geweht. AUTOPSY waren super aufgelegt und rotzten ihren old-schooligen Death Metal mit einer Lockerheit herunter, die allen anderen Bands absolut abging. Kranker Highspeed, bekloppte Vollbremsungen, finsterer Doom und das alles mit einem feinen Augenzwinkern… können halt nur die alten Herren, die niemandem mehr etwas beweisen müssen. Und auch wenn Chris Reifert hinter dem Schlagzeug gebunden ist, hat der Herr durchaus Charisma und Frontmann Qualitäten – kranken Humor sowieso. Bis auf zwei, drei Ausnahmen gab es auch nur Songs der ersten beiden Alben Severed Survival und Mental Funeral und dementsprechend waren die Reaktionen der Meute im Pit auch hervorragend. Zweites Highlight auf dem diesjährigen PARTY SAN OPEN AIRs.
[Öko] Urviech Chris Reifert hatte seinen Heidenspaß! Er grunzte und growlte was das Zeug hielt und hat dabei auch noch ordentlich Drumgewitter erzeugt. Dazu kam eine gut eingespielte Band. Somit gibt es über den Auftritt der Kalifornier nur Gutes zu sagen. Ich bin jetzt nicht so ein Fanboy wie ein gewisser BRT aber das hat durchaus Spaß gemacht und war zu später Stunde nochmal ein Weckruf, um die Birne zu schütteln und die Fäuste zu recken.
Setlist: Twisted Mass Of Burnt Decay, In The Grip Of Winter, Severed Survival, Strung Up And Gutted, Voices, Arch Cadaver, Fleshcrawl, Torn From The Womb, Critical Madness, Burial, Pagan Saviour, Embalmed, Ridden With Disease, Destined To Fester, Gasping For Air, Service For A Vacant Coffin, Charred Remains, Fuck You (cover song)

[BRT] Der zweite Tag endete mit zwei Paukenschlägen, den absolut überragenden Auftritten von CANDLEMASS und AUTOPSY, sowie starken Auftritten von VADER und UADA. Nun ja, ansonsten war‘s kalt, aber der Regen hielt sich etwas zurück.

 

story © BRT, Öko, Dajana • pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography Nova Rizal & Metal Breeding